Unser Haus wird bewacht. Rund um die Uhr.
Egal, wann man aus dem Haus raus oder rein geht, es sitzt immer jemand in Sichtweite. Dieser Jemand trägt die Uniform eines Sicherheitsdienstes. Es gibt zwei von diesen Wachleuten, sie wechseln sich ab. Beide begrüßen uns immer sehr freundlich, wenn wir in das Haus zurückkehren. Man sieht es ihnen förmlich an, dass sie sich über den Zuwachs ihrer Verantwortung nach unserer Rückkehr freuen. Schließlich haben sie jetzt zwei Personen mehr zu bewachen. Wenn wir das Haus verlassen, dann verbergen sie ihre Enttäuschung, dass sie uns nicht mehr bewachen können.
In Kairo wird fast alles von irgendjemandem bewacht, Brücken, Ampeln, Botschaften, Kreuzungen.
Je nach Wichtigkeit entweder von weißen oder dunklen Uniformen. Botschaften werden von dunklen Uniformen bewacht, Kreuzungen von weißen Uniformen. Wahrscheinlich gibt es da Unterschiede in den Zuständigkeiten.
Diese Wächter sind der Grund dafür, dass noch nie jemand eine Verkehrsinsel oder eine Kreuzung gestohlen hat. Weil sie gut bewacht werden. Der Schwarzmarkt für geklaute Verkehrsinseln soll ja international vernetzt sein. Unlängst ist erst eine gestohlene Bushaltestelle aus Oer-Erkenschwick in einem Vorort von Bukarest aufgetaucht.
Es gibt bestimmt Kairoer, die engagieren Wachleute, obwohl sie nichts zu bewachen haben. Nur damit andere nicht denken, dass sie nichts von Wert besäßen.
Und damit niemand unser Haus klaut, wird es auch bewacht. Von den beiden Wachleuten, die bei uns nur "der Schlaue" und "der Schläfer" heißen.
Der Schlaue schaut zur Begrüßung immer aus einem Buch auf, es sieht nach einem Lehrbuch aus, wahrscheinlich studiert er. Er trägt eine Brille und ist maximal Anfang 20.
Sein Kollege hat gute Chancen bei einem Oliver-Hardy-Ähnlichkeitswettbewerb mindestens Dritter zu werden.
Warum er "der Schläfer" heißt, kann sich jeder bestimmt selbst vorstellen. Er schaut nicht so oft auf.
Dann gibt es noch den Bawab, den eigentlichen Chef im Haus. Hauswart, Portier, Autowäscher, Parkplatzwächter, alles in einer Person.
Typischerweise trägt er eine dunkle Galabiyah und einen Turban, so wie unserer. Er kennt die Bewohner eines Hauses genau, er wird über Petras Arbeitszeiten genauso Bescheid wissen, wie er weiß, wann und wo ich einkaufen gehe.
Die Bawabs sind häufig Zielscheibe des Spotts der Middle-Class-Ägypter. Man sagt ihnen eine gewisse geistige Limitierung nach. Außerdem heißen sie angeblich alle Mahmoud. Ein Kairoer Sprichwort sagt: Das größte Elend, dass eine Familie treffen kann, ist, dass sich die Tochter in einen Bawab verliebt.
Ich bin sicher, dass er auch dem verwirrten "Call-a-Tikka"-Lieferanten helfen konnte, der am Samstag vor unserer Tür stand und 52 Pfund für ein Essen haben wollte, dass wir nicht bestellt hatten. Ich konnte ihm nicht helfen, die Adresse war in Arabisch geschrieben, ich weiß nicht einmal ob es eine Adresse oder das Rezept war.
Vielleicht hätte ich ihm doch die 52 Pfund geben sollen, und mal das Essen probieren.
Von einem, der im staatlichen Auftrag in die Welt verschleppt wurde. Und Spaß daran hat.
Montag, 15. Juni 2009
Sonntag, 14. Juni 2009
Besuch in der Oase
In den letzten Postings habe ich den wohl den Eindruck erweckt, dass Kairo eine laute, volle, stickige, nicht immer saubere Stadt ist.
Das stimmt, jedenfalls an den meisten Stellen der Stadt.
Der Verkehr erdrückt jeden Neuankömmling. Dabei ist es völlig egal, ob es um den Autoverkehr, die Massen von Fußgängern oder um U-Bahnen geht, die um 23 Uhr voller sind als in Berlin zur Rush-Hour.
Aber eine Stadt dieser Größe kann nicht nur eins sein, es muss auch Plätze geben, in denen das Leben der Stadt stillsteht. Oasen der Ruhe, Oasen der Sauberkeit, grüne Oasen.
An einem dieser Plätze waren wir heute.
Eigentlich wollten wir die Kairoer Zitadelle besichtigen. Eine Burg aus dem 11. Jahrhundert, die über der Stadt thront. Nur waren wir zu spät, man schloss um 16.00 Uhr. Also wieder der ein Fall für frühes Aufstehen am freien Wochenende.
Nun waren wir gestrandet, auf der anderen Seite von Kairo, fern der Heimat. Mit dem Taxi nach Hause? Wozu?
Also zuckelten wir mal wieder zu Fuß los, wir hatten zwar auf den Plan geguckt, aber mit nicht so richtig Vorstellung über einen Plan B.
Die Kairoer Zitadelle ist schon sehr beeindruckend, auch wenn man außen drum herumläuft. Direkt zwischen den Zeiten, links die Burg aus dem 11. Jahrhundert, rechts eine vierspurige Schnellstraße, auf der sechs Autos und ein LKW nebeneinander fahren.
Direkt vor der Zitadelle ist eine Siedlung, flache einstöckige Gebäude, unverglaste Fenster, teilweise fehlen die Dächer. Aber sehr ruhig. Man hat auch ruhige Nachbarn. Es ist eine Nekropole, eine Totenstadt. Allerdings eine unbewohnte.
Man kann sie sehr schön von den bewohnten Einfachsiedlungen unterscheiden. In den Nekropolen stehen keine Sat-Schüsseln auf den Dächern.
Auf dem nächste Hügeln befand sich das, was unser Ziel wurde. Der Al-Azhar Park, gestiftet vom Aga-Khan, errichtet auf einem 30 Hektar grossen Geröllhügel, eingeweiht 2004.
Fünf Pfund Eintritt pro Person, und man ist nach wenigen Schritten in einer grünen Oase. Grünflächen, ein künstlicher See, Spazierwege und viele, viele Kairoer. Familien mit Kindern und viele junge Paare. Es scheint ein ägyptisches Anbahnungsritual zwischen Mann und Frau zu geben, man spielt sich gegenseitig an den Handys.
Man hat einen fantastischen Ausblick über Kairo, es gibt keine Richtung, in der man etwas anderes sieht, als die Stadt. Trotzdem ist man abgeschottet vom Trubel, es ist ruhig.
Wir sind bis zum Abend geblieben, haben auf einer wunderschönen Terasse mit Blick auf die Stadt und den Sonnenuntergang gegessen.
Der Sonnenuntergang hat etwas ausgelöst, dass wir uns beide so nicht hätten vorstellen können. Der Untergang der Sonne ruft die Moslems zum Abendgebet. Und wie es klingt, wenn aus einer Stadt mit Tausenden von Moscheen der abertausendfache Ruf des Muezzins ertönt, das kann man sich nicht vorstellen. Plötzlich bricht es über die Stille herein. Es ist genauso laut wie ein Tokio-Hotel-Konzert, hat aber einen Vorteil, der Gebetsruf dauert aber nur wenige Minuten.
Uns hat der Platz sehr gefallen. Mir hat er eigentlich zu gut gefallen, um Touristen zu empfehlen, dorthin zu gehen.
Liebe Europäer, bitte lasst den Platz den Kairoern. Geht doch zu den Pyramiden, lasst Euch dort Kamelritte und Alabasterplunder verkaufen. Rennt in Hotpants und Spaghetti-Tops in das Ägyptische Museum. Kauft nutzlosen Schrott im Khan Il-Khalili-Basar und denkt nicht daran, dass ihr nur 7 Minuten Fußweg von einem der tollsten Ausblicke der Stadt entfernt seid. Und wenn Ihr in einem ruhigen Garte sitzen wollt, dann lasst Euch bitte im Marriott ausnehmen, bis die Kreditkarte glüht.
Ruhe habt Ihr dann zu Hause wieder. Und auf der Terasse nur Kännchen...
Keine Nase, keine Kekse
Was passiert, wenn man Michael Jackson und Paris Hilton kreuzt?
Man bekommt etwas, das nicht menschlich ist, keine Nase und große Füße hat. - Die Sphinx!
Verglichen mit der schieren Größe der Pyramiden ist die Sphinx piefig klein.
Aber trotzdem nicht uninteressant, sie taugt exzellent zur Verhaltensstudie an Touristen, man kann den sogenannten Photoreflex beobachten. Aus dem Bus aussteigen, gucken, Kamera hochreißen und abdrücken. Es könnte ja sein, dass sie gleich wieder abgebaut wird.
Die Touristenströme waren generell überschaubar, ich hatte mit mehr Gewusel gerechnet. Ob es an der Tageszeit oder an der Jahreszeit liegt? Keine Ahnung.
Die Mehrheit der Touristen scheinen Italiener und Spanier zu stellen. Hauptsächlich Reisegruppen.
Die Trinkgeldmuffeligkeit der "Mittelmeerpolen" kenne ich ja schon aus Berlin. Wenn jetzt noch mehr Franzosen nach Ägypten kommen, dann sieht es wirklich schlecht an der Bakschisch-Front aus.
Der große Vorteil für uns war, dass es an der Sphinx einen zweiten Eingang für Besucher gibt, den haben wir zum Ausgang gemacht. Am Ausgang hatten wir noch ungefähr 134 Angebote Papyrus, Alabaster, Silberschmuck, nubische Jungfrauen oder Parfüm zu kaufen. Wir haben alle ausgeschlagen.
Zu Fuß haben wir uns aus der unmittelbaren Touristen-Terrorzone begeben und uns ein Taxi gesucht. Für nur 50 Pfund brachte uns ein relativ neues Taxi nach Hause zurück. Die Anwesenheit von Federung und Stoßdämpfern war mir den Preisunterschied von 10 Pfund wert.
In Zamalek haben wir uns erstmal mit einem leckeren Cappuccino belohnt.
Die Mittlere ist nicht die Grösste...
Man könnte es aber glauben, wenn man davorsteht. Die mittlere der drei Pyramiden ist die Chephren-Pyramide und sie ist kleiner als die Cheops-Pyramide.
weil sie aber auf dem Plateau etwas höher steht, wirkt sie größer.
Sie ist trotzdem noch ziemlich groß. Selbst wenn man annimmt, dass die Menschen davor Japaner sind und das Kamel ein Zwergkamel ist, dann ist sie immer noch sehr groß. Es können übrigens keine Japaner sein, es sind nämlich nur zwei.
Es ist zwar möglich, die Pyramiden von innen zu besichtigen, aber wenn der Reiseführer das Innere schon als "wenig interessant" bezeichnet, dann haben wir darauf verzichtet. Übrigens der gleiche Reiseführer, der die Ägyptische Museums-Rumpelkammer zum Pflichtprogramm erklärt hat.
Was braucht man dringend wenn man zu den Pyramiden fährt? Man sollte Wasser, Sonnencreme, einen Hut und feste Schuhe dabeihaben.
Die Schuhe sind besonders wichtig, man kann an den Pyramiden nämlich viel über die Verdauung von Kamelen lernen. Kamele entziehen ihrer Nahrung fast alle Feuchtigkeit. Also ist das, was Jäger als "Losung" bezeichnen, sehr trocken. Auch scheint es nicht zu verwittern, oder nur sehr langsam.
Also liegt jede Menge davon um die Pyramiden herum. In ca. 80 Jahren werden die Pyramiden von braunem Kies umgeben sein, der sich bei genauerem Anblick als Kamelkacke herausstellen wird.
Um den Geruch muss man sich keine Gedanken machen, es stinkt nicht. Aber trotzdem möchte ich nicht mit Flip-Flops in die Dinger hereintreten. Das Vergnügen überlasse ich den Engländern.
Wenn man die zweite Pyramide umkreist hat, dann stellt man sich die Frage, ob man um die dritte auch noch herumlaufen muss. Mann kann auch den Abstieg ins Tal beginnen.
Der Begriff Abstieg ins Tal klingt wilder als es ist. Unter den Pyramiden ist eine kleine Tempelanlage und Kentucky Fried Chicken, es gibt also für jeden einen Grund, den Weg zu gehen. Die Sphinx steht da übrigens auch noch....
Napoleon hat mal gesagt...
„Soldaten, seid euch bewusst, dass von diesen Pyramiden vierzig Jahrhunderte auf euch herab blicken.“
Das waren die Worte des abgebrochen Korsen bevor es in die Schlacht an den Pyramiden ging. Seine nächsten Worte waren: "Nein, ich möchte kein T-Shirt kaufen", danach sagte er "Nein, auch kein kleines Modell der Pyramiden aus garantiert echtem Alabaster".
Das Napeleon nicht rechnen konnte, sei ihm verziehen. Die Pyramiden sind nämlich noch älter. Zur Strafe wurde ein hässlicher Fisch nach ihm benannt und er nach St. Helena verbannt.
Auch die ständige Anwesenheit penetrant nervender Andenkenverkäufer kann es nicht verhindern, dass man von den Pyramiden sehr beeindruckt ist.
Wenn man durch den Eingang geht, dann steht man ca. 300 Meter von der Chepospyramide entfernt, schon dann ist sie so groß, dass man keine andere Pyramide sieht. In diesem Fall sollte man sich nicht verunsichern lassen, die anderen Pyramiden sind auch da.
Rund um die Pyramiden herrscht reger Verkehr, Reisebusse befahren das Gelände. Die Opfer der Schlepper auf Kamelen, Pferden und Kutschen fahren mit genervten Gesichtern herum, Andenkenhändler und Kamelreiter lauern auf Beute. Besonders dreist finde ich die Kamelreiter, Ägypter auf Kamelen, die freundlich winken, in der Hoffnung von dem Touristen fotografiert zu werden. Dann wird für das Foto eine Gebühr gefordert. Um einen nervenden Ägypter auf einem stinkenden Kamel wieder loszuwerden, muss man dann in die Tasche greifen.
Man kann es umgehen, man fotografiert einfach eine der zahlreichen Sicherheitskräfte auf einem Streifenkamel. Man muss hinterher nur per Photoshop die Stange mit dem Blaulicht, die hinten auf dem Kamel montiert ist, wegretuschieren.
Wir sind einfach mal so losgelaufen, links um die Pyramide herum, auf der Suche nach den anderen Pyramiden. Neben der Cheopspyramide ist das Museum für die Sonnenbarke. Das ist eine der Grabbeigaben von Cheops. Im Prinzip ein großes Boot, mit dem der tote Pharao durch das Jenseits schippern sollte. Es ist restauriert und wurde an seinem Fundort ausgestellt. Nicht nur, dass es interessant ist, es gibt noch einen anderen Grund, die Sonnenbarke zu besuchen. Die Ausstellung ist klimatisiert und man kann etwas vor der Hitze verschnaufen.
Es ist also egal, was ausgestellt wird, Hauptsache es ist klimatisiert. Ein paar alte Sandalen vom Pharao würden es auch tun.
Dann geht es weiter zur nächsten Pyramide...
Taxi nach Pyramidien
Der Samstag ist der einzige Tag, an dem Petra und ich gemeinsam frei haben. An ihrem freien Freitag muss ich morgens noch arbeiten. Habe ich Sonntags frei, muss sie in die Visafabrik. Also können wir nur Samstags ausschlafen...
Samstag, 7.00 Uhr Kairoer Ortszeit, der Wecker klingelt. Warum steht in diesem verd.....tem Reiseführer, dass man am Besten morgens früh zu den Pyramiden fährt?
Arbeiten die Taxifahrer überhaupt schon so früh?
Ein kleines Frühstück, Wasser eingepackt, Sonnenbrille, Sonnencreme, Pässe, Geld, Abmarsch!
Die Taxifahrer arbeiten schon, sogar sehr viele. Wir wenden unsere bewährte Taktik an, die ersten Huper werden weggewunken. Einer von Petras Kollegen von der Botschaft gab uns den Tipp, für die Fahrt zu den Pyramiden auf keinen Fall mehr als 70 Pfund zu bezahlen.
Der Taxifahrer, den wir erwischten, wollte 40. Also los, hoffentlich kommen wir an.
Wir kamen an, aber nicht auf dem direkten Weg. Wir fuhren durch die südliche Vorstadt, vorbei an der Uni und Wohngebieten die aussehen, wie braune Plattenbauten aus der DDR. Nichtsahnend drehte ich meinen Kopf nach links und sah plötzlich eine Pyramide über den Gebäuden hervorragen. Gleich müssten wir da sein, doch der gute Taxifahrer fuhr einen Umweg, und zwar über drei Schlepper. Plötzlich hielt der Wagen an, ein Ägypter beugte sich ins Auto und erklärte, dass wir an den Pyramiden zu Fuß furchtbar lange laufen müssten und das es doch viel spannender wäre, jetzt mit einem Pferd weiterzureiten.
Wenn ich reiten wollen würde, dann hätte sich Petra für die Abordnung in Reykjavik bewerben können.
Also weiter, die nächste Masche kam, diesmal an einem Checkpoint, jemand zeigt mir seinen ägyptischen Büchereiausweis mit vielen bunten, arabischen Schriftzeichen. Wieder die gleiche Leier.
Diesmal war ich etwas genervt, ob dieser Dreistigkeit, und habe ihm erklärt, dass wir nicht reiten wollen,Weder auf einem Pferd, noch einem Kamel oder einem Esel. Ich wollte ihm nicht sagen, dass ich bereit wäre, es mir eventuell anders zu überlegen, wenn er noch irgendwo ein gebrauchtes Mammut hätte. Man weiß ja nie, was in irgendwelchen Hinterhöfen noch so rumsteht.
Dann bog das Taxi ab, ein dicker, großer Ägypter in fußbodenfarbenen Kaftan mit Arafats Wischlappen auf dem Kopf stieg zu und versuchte uns von der Großartigkeit einer Kutschfahrt zu den Pyramiden zu überzeugen. Schließlich würden uns knappe zehn Kilometer Fußmarsch durch die Hitze erwarten.
Da habe ich ihn gesagt, den Satz, den ich bei Berlin-Touristen bei Anblick eines Velotaxis am meisten hasse: "Wir haben gesunde Füße".
Inzwischen amüsierte sich der Taxifahrer sichtlich über unsere Hartnäckigkeit. Also ging es weiter, wir wurden zum Eingang gebracht. Auch wirklich zum richtigen Eingang, dort haben wir schnell den Eintritt bezahlt, und rein.
Was dann drinnen passierte, das kommt später.
Samstag, 13. Juni 2009
Koshary - So viel Spaß für wenig Geld!
Tarek hat keinen großen Bruder, der Vater heißt deshalb "Abou Tarek". Würde Tarek Karl-Heinz heißen, sein Vater hieße "Abou Karl-Heinz". Damit ist das Prinzip der arabischen Beinamen erklärt, der Vater gibt sich als Beinamen immer "Abou" und den Namen des ältesten Sohnes.
Mädchen zählen hierbei nicht, "Abou Hannelore" klingt auch doof.
Es soll hier aber auch nicht um Tarek gehen, sondern um seinen Vater, den erwähnten "Abou Tarek". Er ist der König des Koshary, sein Restaurant in Downtown Cairo ist berühmt für seine Tomatensauce.
Mit diesem Informationen aus einen Reiseführer sind Petra und ich heute abend in ein neues kulinarisches Abenteuer gestolpert. Wir haben die Adresse auf dem Stadtplan herausgesucht, wir hatten ungefähr eine Vorstellung wo es ist, nämlich in einer Nebenstraße von der Talaat Harb Street. Das ist eine der Haupteinkaufsstraßen in dem französisch angehauchten Kairo.
Also haben wir uns in Zamalek ein Taxi gegriffen, kurz mit dem Fahrer gehandelt. Wobei das Handeln gar nicht so anstrengend war, wir hatten eine ungefähre Preisvorstellung, die wahrscheinlich für Kairoer immer noch zu hoch wäre, aber wir konnten damit leben. Für 10 ägyptische Pfund hat er uns in den Nachbarbezirk an unser Ziel gebracht. Von dort hatte ich mir den Weg laut Stadtplan gemerkt. Jetzt wurde es spannend, die Seitenstraße entpuppte sich als eine Strasse in der es nur Autozubehör, Ersatzteile und Werkstätten gab. Neonwerbung für Kugellager und Zündkerzen an den Geschäften, Reifenstapel auf den Gehwegen. Mechaniker schrauben auf der Straße an den Autos.
Hätten uns Pauschaltouristen verfolgt, sie wären jetzt abgedreht und zu McDonalds gegangen.
An der nächsten Ecke musste es sein "Abou Tarek - Koshary and Sweets". Und da war es auch. So mit Neon beleuchtet, dass es die Flugzeuge bestimmt zum Landeanflug auf den Kairoer Flughafen mitbenutzen. Das Restaurant nahm das ganze Haus ein, im Erdgeschoß gab es alles "to go", im ersten Stock gab es Sitzplätze. Im ersten Stock sollten wir aber nicht Platz nehmen, sondern in den zweiten Stock weiter. Dort gäbe es nämlich einen Kellner, der Englisch sprechen würde.
Wir realisierten nämlich gerade, das wir mal wieder die einzigen Europäer waren. Also in den zweiten Stock, und Platz genommen.
Die Einrichtung kann man am ehesten als "Arabic-Las-Vegas-Style" bezeichnen. Schwarz-Weißer Marmor an Boden und Decke, Graue Plastiktische und Stühle, ein riesiger Deckenleuchter mit Glaskugeln, Modell "Russisch-Neureich" darunter ein Springbrunnen ohne Wasser. Im ganzen Restaurant war es heller als auf einem Zahnarztstuhl.
Wir nahmen an einem 6er-Tisch Platz. Wasser aus Edelstahlkrügen gibt es gratis, nur die Softdrinks müssen bezahlt werden. Jede Frage nach alkoholischen Getränken ist ohnehin hinfällig.
Probleme mit der Speisekarte hatten wir keine, es gab nämlich keine. Es gibt dort nur ein Gericht: Koshary. Das macht die Auswahl einfach, wir haben einfach zwei Portionen "Koshary Special" bestellt. Nach einer Minute hatten wir unsere Getränke, eine weitere Minute später unser Essen. Koshary ist ein Tellergericht, bestehend aus: kurzen Makkaroni und Spaghetti sowie Linsen. Dazu kommt separat eine kleine Schale mit Kichererbsen und eine mit Röstzwiebeln. Und dann die Tomatensauce, für die "Abou Tarek" berühmt ist.
Auf den Tischen steht Essig und scharfe Sauce. Man mischt alles miteinander, hat kurz Bedenken, ob es denn schmeckt. Dann guckt man auf den Teller und fragt sich, ob man davon satt wird. Beide Fragen kann man kurz darauf bejahen.
Als Nachtisch gab es "Reis-Pudding". Eigentlich waren wir schon satt, wollten es aber probieren, also eine Portion mit zwei Löffeln. Auch lecker.
Um uns herum saßen ägyptische Großfamilien. Soo groß, dass sie mehrere 6er Tische belegten. Einen Tisch für Erwachsene, einen für die Jungs, einen für die Mädchen.
Die absolute Überraschung sollte aber noch kommen, nämlich die Rechnug. Der ganze Spaß hat 28 ägyptische Pfund gekostet, mit den Softdrinks. Das sind 3,64 €.
Zurück haben wir dann einen Spaziergang gemacht, zuerst durch das absolute Gewusel der Einkaufsstraße in Downtown. Dann in unser Lieblingsverkehrsmittel, eine Station mit der Metro. Dann einen Spaziergang entlang der Uferpromenade von Zamalek zurück nach Hause.
Mit der Taxifahrt und der U-Bahn zurück hat der Spaß knapp 6,50€ gekostet. Dafür gibt es bei den Raubrittern im Marriott nicht einmal ein Bier.
Bei den Pyramiden waren wir heute auch noch, aber das ist eine noch längere Geschichte. Die gibt es morgen.
Mädchen zählen hierbei nicht, "Abou Hannelore" klingt auch doof.
Es soll hier aber auch nicht um Tarek gehen, sondern um seinen Vater, den erwähnten "Abou Tarek". Er ist der König des Koshary, sein Restaurant in Downtown Cairo ist berühmt für seine Tomatensauce.
Mit diesem Informationen aus einen Reiseführer sind Petra und ich heute abend in ein neues kulinarisches Abenteuer gestolpert. Wir haben die Adresse auf dem Stadtplan herausgesucht, wir hatten ungefähr eine Vorstellung wo es ist, nämlich in einer Nebenstraße von der Talaat Harb Street. Das ist eine der Haupteinkaufsstraßen in dem französisch angehauchten Kairo.
Also haben wir uns in Zamalek ein Taxi gegriffen, kurz mit dem Fahrer gehandelt. Wobei das Handeln gar nicht so anstrengend war, wir hatten eine ungefähre Preisvorstellung, die wahrscheinlich für Kairoer immer noch zu hoch wäre, aber wir konnten damit leben. Für 10 ägyptische Pfund hat er uns in den Nachbarbezirk an unser Ziel gebracht. Von dort hatte ich mir den Weg laut Stadtplan gemerkt. Jetzt wurde es spannend, die Seitenstraße entpuppte sich als eine Strasse in der es nur Autozubehör, Ersatzteile und Werkstätten gab. Neonwerbung für Kugellager und Zündkerzen an den Geschäften, Reifenstapel auf den Gehwegen. Mechaniker schrauben auf der Straße an den Autos.
Hätten uns Pauschaltouristen verfolgt, sie wären jetzt abgedreht und zu McDonalds gegangen.
An der nächsten Ecke musste es sein "Abou Tarek - Koshary and Sweets". Und da war es auch. So mit Neon beleuchtet, dass es die Flugzeuge bestimmt zum Landeanflug auf den Kairoer Flughafen mitbenutzen. Das Restaurant nahm das ganze Haus ein, im Erdgeschoß gab es alles "to go", im ersten Stock gab es Sitzplätze. Im ersten Stock sollten wir aber nicht Platz nehmen, sondern in den zweiten Stock weiter. Dort gäbe es nämlich einen Kellner, der Englisch sprechen würde.
Wir realisierten nämlich gerade, das wir mal wieder die einzigen Europäer waren. Also in den zweiten Stock, und Platz genommen.
Die Einrichtung kann man am ehesten als "Arabic-Las-Vegas-Style" bezeichnen. Schwarz-Weißer Marmor an Boden und Decke, Graue Plastiktische und Stühle, ein riesiger Deckenleuchter mit Glaskugeln, Modell "Russisch-Neureich" darunter ein Springbrunnen ohne Wasser. Im ganzen Restaurant war es heller als auf einem Zahnarztstuhl.
Wir nahmen an einem 6er-Tisch Platz. Wasser aus Edelstahlkrügen gibt es gratis, nur die Softdrinks müssen bezahlt werden. Jede Frage nach alkoholischen Getränken ist ohnehin hinfällig.
Probleme mit der Speisekarte hatten wir keine, es gab nämlich keine. Es gibt dort nur ein Gericht: Koshary. Das macht die Auswahl einfach, wir haben einfach zwei Portionen "Koshary Special" bestellt. Nach einer Minute hatten wir unsere Getränke, eine weitere Minute später unser Essen. Koshary ist ein Tellergericht, bestehend aus: kurzen Makkaroni und Spaghetti sowie Linsen. Dazu kommt separat eine kleine Schale mit Kichererbsen und eine mit Röstzwiebeln. Und dann die Tomatensauce, für die "Abou Tarek" berühmt ist.
Auf den Tischen steht Essig und scharfe Sauce. Man mischt alles miteinander, hat kurz Bedenken, ob es denn schmeckt. Dann guckt man auf den Teller und fragt sich, ob man davon satt wird. Beide Fragen kann man kurz darauf bejahen.
Als Nachtisch gab es "Reis-Pudding". Eigentlich waren wir schon satt, wollten es aber probieren, also eine Portion mit zwei Löffeln. Auch lecker.
Um uns herum saßen ägyptische Großfamilien. Soo groß, dass sie mehrere 6er Tische belegten. Einen Tisch für Erwachsene, einen für die Jungs, einen für die Mädchen.
Die absolute Überraschung sollte aber noch kommen, nämlich die Rechnug. Der ganze Spaß hat 28 ägyptische Pfund gekostet, mit den Softdrinks. Das sind 3,64 €.
Zurück haben wir dann einen Spaziergang gemacht, zuerst durch das absolute Gewusel der Einkaufsstraße in Downtown. Dann in unser Lieblingsverkehrsmittel, eine Station mit der Metro. Dann einen Spaziergang entlang der Uferpromenade von Zamalek zurück nach Hause.
Mit der Taxifahrt und der U-Bahn zurück hat der Spaß knapp 6,50€ gekostet. Dafür gibt es bei den Raubrittern im Marriott nicht einmal ein Bier.
Bei den Pyramiden waren wir heute auch noch, aber das ist eine noch längere Geschichte. Die gibt es morgen.
Abonnieren
Posts (Atom)