Freitag, 3. Juli 2009

Leere, Stille, Dosenpfand

Zurück in Berlin! Das bin ich schon ein paar Tage.
Kairo liegt nur eine Zeitzone zurück, also habe ich leider keine Chance, glaubwürdig über mein Jetlag zu jammern.
Ich muss meine Schläfrigkeit also mit anderen Ausreden rechtfertigen. Wahrscheinlich hat mich auf dem Balkon mit Nilblick eine Mücke gestochen, die mich jetzt zu einem Langschläfer mutieren lässt. Da hat die Mücke aber auch nicht viel zu tun.

Im Landeanflug auf Berlin fiel mir natürlich auf, wie grün Berlin ist. Das kann man als positiven Eindruck auslegen.
Beim Aussteigen fand ich zwar nicht, dass es kalt war. Aber es war die Abwesenheit von warm.
Als ich in das dienstleistungsorientierte Gesicht der Bundespolizistin bei der Einreise geschaut habe, da klang es mir in den Ohren: Willkommen im Land vom Dosenpfand.

Es gibt wohl keinen schlechteren Wiedereinstieg, den man in die Bundesrepublik Deutschland haben kann, als über Berlin-Schönefeld einzureisen. Selbst wenn man dieses Terminal mit Blattgold überzieht und über Marmorfußböden verlegt, es wird immer noch die Atmosphäre der DDR mitschwingen. Immerhin wurde während meiner Anwesenheit kein Abflug der Interflug nach Havanna aufgerufen.

Ein kurzer Spaziergang durch die Mark Brandenburg brachte mich zur Regionalbahn, die Bahn brachte mich in die Stadt zurück, die ich mal für groß gehalten habe.
Als ich vom Savignyplatz zu mir gelaufen bin, überkam mich ein Gefühl von Einsamkeit. Es waren so wenig Menschen auf der Strasse. Und es ist so still!

Der Unterschied ist unglaublich, die Stille in der Stadt, und es sind so wenige Menschen auf der Strasse. Während unseres Aufenthaltes in Kairo gab es niemals eine Situation, in der wir irgendwo ausserhalb der Sichtweite anderer Menschen waren. Egal wo wir waren, es waren immer andere Menschen ium uns herum. In der Schlüterstrasse hatte ich den Gehweg über hunderte von Metern für mich ganz allein.
Ich fand es auch überraschend, dass Taxifahrer an mir vorbeifahren können, ohne mich anzuhupen.

Am Donnerstag habe ich meine Rikscha übernommen, ein Schmuckstück. Bei der Überführungsfahrt von Neukölln nach Charlottenburg habe ich etwas benutzt, dass ein Kairoer als die grösste denkbare Platzverschwendung in einer Stadt bezeichnen würde. Einen Fahrradweg!
Ich hoffe, dass ich niemals in die Verlegenheit kommen werde, einem Kairoer erklären zu müssen, wozu man Busspuren braucht.

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