Samstag, 29. Dezember 2012

Kleine Autos, dafür aber große Komplimente

So kurz vor Jahresende muss ich hier noch ein paar Dinge loswerden, unter anderem die Geschichte von einem subtropischen Weihnachtswunder... Aber alles nacheinander.

Es kommt mir fast unfair vor, mich hier schon wieder über das Wetter zu beschweren, schließlich habe ich schon den ganzen Sommer über die Hitze gemault. - Ich tue es aber trotzdem: In Tokyo ist es im Moment etwas sehr frisch, um nicht zu sagen, es ist schattig. Manche sagen auch kalt. Es ist nicht richtig winterlich kalt, es liegt hier kein Schnee, Eis gibt es auch nur in Drinks und in den Eisdielen. Aber durch die mehr virtuelle Isolierung der Wohnungen ist man spätestens nach drei Stunden ohne Heizung in jeden Zimmer hervorragend über die Außentemperatur informiert. Die aktuelle Außentemperatur wird sozusagen indoor erlebbar gemacht. Und alles, ohne dass man dafür ein Fenster öffnen muss. Das Leben in Japan ist halt sehr serviceorientiert. 

Dann haben wir noch Westbesuch: Wir haben gerade Besuch von der Lieblingsschwiegermutter der besten Ehefrau, die ich je hatte.
Und wenn man Gäste hat, dann muss man dem Besuch ja auch was bieten.
Also haben wir uns kurzentschlossen vor den hohen Heizkosten über die Weihnachtsfeiertage in den Süden geflüchtet: Nach Okinawa...
Wer sich jetzt den Spontan-Besuch bei Wikipedia sparen will: Okinawa ist der südlichste Teil Japans, subtropische Inseln mit momentanen Temperaturen von 20-23 Grad, im Sommer mehr. In Kombination mit günstigen Flugpreisen eine echte Verlockung.
Außerdem musste unser Auto mal wieder gewaschen werden... Deshalb sind wir mit dem Auto zum Flughafen gefahren, haben den Wagen während unserer Reise einer Firma anvertraut, die ihn gegen eine Zahlung von knapp 70 Euro gewaschen hat. In dem Preis war das Parken während unserer Reise kostenlos enthalten. Ein cleveres Geschäftsmodell, in Berlin gibt es sowas auch: Da kann man sich am Parkhaus vom Flughafen Tegel für 20 Euro am Tag sein Navi und ein wenig Kleingeld aus dem Auto klauen lassen... Aber dafür ist der Wagen hinterher nicht sauber.

Okinawa ist irgendwie auf eine typisch japanische Art un-japanisch. Man hastet nicht morgens mit der U-Bahn zur Arbeit, man kann höchstens in der Inselhauptstadt Naha mit dem Monorail fahren.
Ansonsten fährt man dort Auto... Also fast. Genauer gesagt fährt man auf Okinawa mehrheitlich Kei-Car. Die phonetische Ähnlichkeit zum "Kettcar" ist kein Zufall, auch die Größe ist ziemlich ähnlich.
Ein Kei-Car ist eine Besonderheit, die es so nur in Japan gibt: Ein Auto mit maximal 3,40 Meter Länge, 1,47 Breite und maximal 660ccm-Motor mit 63 PS. Dafür dann aber mit Automatik, Klima, Navi, Servo, Start-Stopp-Automatik, elektrisch anklappbaren Außenspiegeln, Becherhaltern, Bodenradar, Flux-Kompensator und unglaublichen vier(!) Sitplätzen.
Wir hatten uns zum Erkunden von Okinawa und dem Besuch bei den Fischen so einen Wagen gemietet... Und auch bekommen: Einen grünen Daihatsu Tanto, diesen hier:





















Das Fahrgeräusch erinnerte leicht an einen Aufsitz-Rasenmäher, aber dafür hat man im Stand kaum etwas vom Motor gehört. Hauptsächlich weil einen ständig irgendwelche Pieps- und Palim-Palim-Geräusche daran erinnert haben, dass man die Handbremse (die übrigens mit einem Pedal im Fußraum betätigt wurde) noch angezogen hatte, das Licht an oder der Rückwärtsgang eingelegt war. 
Außerdem belehrte einen das Navi unterwegs regelmäßig über Mautstationen... Aber erst, wenn man sie bereits sehen konnte. Aber dafür in akzentfreiem Japanisch... Das könnte ich nicht.

Was es sonst noch über Okinawa zu sagen gibt: Tolles Essen, großartige Sehenswürdigkeiten, Landschaft und Natur.
Hier ein paar Fotos:
































Dann ist da noch die Sache mit den Amis und Okinawa, für die US-Armee ist Okinawa so etwas wie ein "unsinkbarer Flugzeugträger", man betreibt dort mehrere US-Militärbasen. Dieser Flugzeugträger ist aber nur deshalb noch nicht untergegangen, weil kein bekiffter G.I. mit ihm irgendwo gegenfahren konnte. Das unterscheidet Okinawa also von einem Jeep.
Ganz ehrlich: Ich hatte mit mehr offensichtlicher Ami-Präsenz im täglichen Leben gerechnet. Aber wahrscheinlich trauen die Amis sich nicht aus ihren Stützpunkten. Es gibt nämlich gar nicht so viele überlebensnotwendige Starbucks-Filialen wie man glaubt.

Aber dafür hat man erstaunlich viel Platz um lustige Neon-Reklame aufzuhängen: 
















Jede Region der Welt hat seinen großen Touristenmagnet: NY hat den Times Square, Bayern hat Neuschwanstein, Berlin hat keinen fertigen Flughafen... Und Okinawa hat das Churaumi-Aquarium, sehr groß, sehr sehenswert. Obwohl die Besucher mehrheitlich Japaner sind, verhält man sich dort sehr zurückhaltend: Es gibt keine Sushi-Bar zwischen den Becken, man kann auch gegen Aufpreis keinen einzigen Fisch aus dem Becken als Sashimi mit an den Strand nehmen. Es gibt im Aquariums-Shop nicht mal Rezeptbücher... Und das in einem Land, in dem Whale-Watching nur das Vorspiel zum Whale-Eating ist.

Aber dafür gibt es dort die größten Fische der Welt zu sehen: Walhaie.
Die sehen dann so aus:
















Kurz zur Erläuterung: Der Walhai ist der mit den weißen Punkten, die mit der Kamera in der Hand sind Japaner.

Die Einwohner von Okinawa haben allerdings eine Schwäche: Sie nehmen es mit der Wahrheit nicht allzu genau. Man hat mir nämlich bei einem Restaurantbesuch das Kompliment gemacht, dass mein Japanisch gut ist.
Solche dreisten Lügen kennt man in Deutschland sonst nur von Kellnern, die sich bei Schwaben Hoffnungen auf Trinkgeld machen. Da Trinkgeld in Japan aber nicht nur unüblich ist, sondern geradezu eine Beleidigung für jeden Dienstleister, musste es einen anderen Grund für dieses substanzlose und unverdiente Kompliment geben. Ein Blick auf den Kalender brachte Klarheit: Es war der 24. Dezember... Es war also einfach nur ein profanes Weihnachtswunder. Sowas wie die unbefleckte Empfängnis oder eine gute Idee von unserer amtierenden Familienministerin.

Ob es auch ein Silvester-Neujahrswunder gibt, werde ich erst im nächsten Jahr berichten können. Ich halte Euch auf dem Laufenden.
Bis dahin wünsche ich einen gute Rutsch und ein frohes neues 2013.


Montag, 3. Dezember 2012

Wieder da, eigentlich sogar wieder zuhause

So, wir sind wieder da.
Die beste Ehefrau, die ich je hatte, und ich sind aus Deutschland zurück.
Die Begrifflichkeit dieser Reise im Diplo-Sprech lautet "Heimaturlaub", wobei dieser Begriff bestimmt noch aus Bonner Zeiten stammt. Ein Aufenthalt in Berlin sollte nicht leichtfertig mit dem Begriff Urlaub in Verbindung gebracht werden.
Wer momentan durch Berlin läuft, der macht keinen Spaziergang, der Begriff "Baustellenbegehung" trifft es eher. Ich habe mich ehrlich gewundert, warum im ganzen Bezirk Mitte auf der Strasse noch keine Bauhelm-Pflicht gilt.
Aber ich bin ja immer Optimist, das Fazit meines Berlin-Besuchs sind zwei Dinge:
Berlin braucht den neuen Flughafen gar nicht, man kann sich auch ganz hervorragend über die S-Bahn ärgern.
Und: Es ist ziemlich egal, wie doof die Verkäuferinnen im "griechische Siegesgöttin"-Town auf dem Tauentzien sind, wenn sie Schuhe in meiner Größe haben, dann muss man es halt ertragen. Die Tage dieses Turnschuh-Rohrpostamtes sind eh gezählt.

Aber ich will nicht zu sehr über Berlin meckern, in Paris war es noch viel schlimmer. Genauer gesagt, an dem Ort von dem die Franzosen immer noch glauben, es wäre ein Flughafen: Paris-CDG. Ich weiß nicht so genau, was der arme Charles de Gaulle seinen Landsleuten angetan hat, aber er hat es bestimmt nicht verdient, dass man einen derart unorganisierten, chaotischen, schlecht beschilderten und mit inkompetentem Personal ausgestatteten Flughafen nach ihm benennt. Aber ich erwähnte ja bereits meinen Optimismus: Paris-CDG ist noch zu retten. Man muss die bestehenden Gebäude nur bis aufs Fundament niederbrennen und dort anschließend den Flughafen Narita klonen. Inklusive des Pesonals.
Das momentane Personal schickt man einfach in die Bretagne und lässt sie dort tun, was sie jetzt auch machen: Nichts richtig.
Aber letztendlich soll es mir auch egal sein, wenn es aus Tokyo irgendwann nur noch Flüge nch Paris gibt, dann nehme ich halt das Schiff. Aber ich kann mir wirklich nicht vorstellen, dass es einmal so weit kommt... Wenn sich ein Japaner selbst kasteien will, dann fährt er mit Frau und Kind sonntags zu Ikea nach Yokohama. Das ist billiger als ein Flug nach Paris und ungefähr genauso ätzend... Aber sauberer und übersichtlicher.

Dann sind wir noch in der Perle Deutschlands gewesen, in Niedersachsen. Gefühlt waren wir dort sogar ganz alleine. Im direkten Gegensatz zu Tokyo hat sich mir beim Besuch bei der Familie im Weserbergland nur eine Frage gestellt: Wozu baut man dort breite Bürgersteige auf beiden Seiten der Straße, wenn man gar nicht genug Einwohner hat, die dort langlaufen können.
Aber dann könnte ich auch nach dem Grund für die unverschämten Benzinpreise fragen.















Unsere Aktivitäten in Dutschland lassen sich schnell beschreiben: Vollkorn-Käsebrote essen, Freunde treffen, shoppen und Vollkorn-Käsebrote essen.

Dann sind wir wieder zurückgeflogen... Zurück nach Hause.
Fazit: Unsere regelmäßigen Besuche in Deutschland werden im Wesentlichen zwei Zwecke erfüllen, wir können unsere Freunde treffen. Und wir werden dran erinnert, dass es nicht überall so schön wie in Tokyo ist.

Wir haben uns schnell wieder eingelebt, meine akute Hypo-Pescatarisierung, auch Unterfischung oder Sushi-Mangel genannt, wurde schnell korrigiert. Jetzt habe ich wieder den Kampf mit meinen hiesigen Gegnern aufgenommen: Den "Geschwistern Kana", Vorname Hira und Kata.

Über eventuelle Erfolge halte ich Euch auf dem Laufenden.


PS: Ein Besuch auf dem Super-Oktoberfest am Samstag hat es mal wieder gezeigt: In Tokyo ist man nie ganz alleine.


Montag, 15. Oktober 2012

Kawaii desu ne

So, zum Ende des Monats Oktober sind wir schon ein halbes Jahr in Japan, und ganz ehrlich: Ich fühle mich heute schon sehr nach Monatsende.
In Gesprächen mit Freunden, Chats und Telefonaten bin ich immer wieder gefragt worden, ob mir Japan gefällt. Regelmäßige Leser meiner Texte haben aber auch gefragt, ob es nicht etwas gäbe, das wir an Japan auszusetzen haben.

Die erste Antwort ist ein ganz klares "Ja!" - Schon alleine weil das Thermometer hier gerade 24 Grad anzeigt und ein strahlender roter Abendhimmel mein Zimmer erhellt. Und dann noch wegen ungefähr 37627 anderen Gründen.

Die zweite Antwort ist auch ein klares "Ja!" - Da fallen mir auch Wettergründe ein... Wenn sich der Herr Geschäftsführer aus der "Doitsu Taishikan GmbH" mit seinem Team schon die Mühe macht, ein Gartenfest zum "Tag der Deutschen Einheit" zu veranstalten, dann kann man es da nicht regnen lassen... Ich hoffe, ich habe beim Verlassen des Festes keinen Dreck aufs Residenzparkett getragen, wenn ja: Sumimasen!

Wo wir gerade dabei sind, hier kommen noch ein paar andere Gründe, die ich an Japan auszusetzen habe, wenn ich die schwarz-rot-goldene Brille trage:

Käse!
In Japan ist Käse entweder von der gummiartig weichen Konsistenz, die man sonst von Wackelpudding kennt, den man mit drei Packungen statt drei Scheiben Gelatine gemacht hat. Oder er ist lecker, in homöopathischen Dosen verpackt und 100 Gramm davon sind zum Gegenwert einer Facebook-Aktie am Emissionstag erhältlich. Man steht irgendwo an einer Käsetheke, guckt verträumt in die Blattgold-verzierten Auslagen und fragt sich, ob 200 Gramm Gruyere es wirklich Wert sind, noch eine Hypothek auf das elterliche Haus im Niedersächsischen eintragen zu lassen.

Brot!
Auch wenn es so schön heißt "Das Auge isst mit", gerade bei Brot geht es nicht darum, dass es nur so aussieht, als hätte es eine Kruste. Es sollte auch wirklich eine haben.
Vollkornbrot bedeutet, dass man es mit vollen Körnern backt... Und nicht, dass man Weißbrot in Tüten steckt, auf die man vorher Körner gemalt hat.

Getränke!
Ich habe es interessiert zur Kenntnis genommen, dass bei den Getränken in Japan nur noch einen Wachstumsmarkt gibt, das sind kohlensäurehaltige Softdrinks. - Das heißt aber nicht, dass man kalten Kaffee mit Kohlensäure versetzen darf und das Ganze dann "Espressoda" nennen kann...
Dann wäre da noch "Mitsuya Cider", ein kohlensäurehaltiger Softdrink, den es laut Wikipedia seit 1884 gibt... In der Zeit hätte man schon mal versuchen können, den fiesen Geschmack von ganz billigem Kinderkaugummi der Marke "Bazooka Joe"aus dem Zeug rauszubekommen.
Beinahe letzter Punkt bei den Getränken: Calpis... Schmeckt nicht ganz so schlimm, wie es der Name vermuten lässt, aber trotzdem.
Dann wäre da noch "Pepsi Salty Watermelon", Pocari Sweat, Melonenbrause und Cola ohne alles, also ohne Koffein und ohne Zucker... Wenigstens nicht durchsichtig.

Mit den Getränken bin ich durch, jetzt zu den Grundnahrungsmitteln: Kaffee!
Ich habe verstanden, dass ungefähr 80 Prozent des Kaffees in Japan fertig in Dosen verkauft wird, und zwar in ungefähr 256 verschiedenen Geschmacksrichtungen. - Wenn man aber schon so viele verschiedene Sorten machen kann, dann kann doch auch mal eine Sorte machen, die schmeckt.

Überhaupt gibt es viele Nahrungsmittel in Japan, die nicht so schmecken, wie man es erwarten würde. Es gibt Reisbällchen, die aussehen, als wären sie mit Karamell überzogen, beim Reinbeissen stellt man fest, dass der Überzug aus Sojasauce mit Meeresfrüchte-Aroma besteht.
Generell sind nur wenige Dinge, die süß aussehen, auch wirklich süß. Die wirklich niedlich-putzig-süße Comicfigur "Doraemon" ist wahrscheinlich auch mit dem Zeug gefüllt, aus dem man in Deutschland Familienministerinnen macht.

Dann gibt es Dinge, die in Japan komplett fehlen. Die beste Ehefrau, die ich je hatte, würde hier an allererster Stelle Mars-Riegel nennen.

Aber nicht nur geschmacklich habe ich an manchen Dingen etwas auszusetzen. - Auch am Handling... Wenn man Kaugummis in Dosen für den Schreibtisch herstellt, diesen Dosen kleine Klebezettel beilegt, dann sollte man auf die Dosen auch außen ein leicht verständliches Bild draufmalen, das erklärt, dass es gar keine Mini-Notizzettel sind, sondern übereinander geklebtes Einwickelpapier für die saubere Entsorgung von ausgekauten Kaugummis.
Das Ding neben dem Kaugummi-Topf auf dem Bild ist ein niedlicher 2GB-USB-Stick, er hat mit den Kaugummis und den Entsorgungsklebern nichts zu tun. Ich wollte nur mal zeigen, was ich für tolle Dinge zum Geburtstag bekommen habe.


Aber genug gejammert, gemeckert, das Schicksal der Welt beklagt. Ich will mich hier ja nicht aufführen  wie Jürgen Klopp in der Coaching-Zone.

Es gibt nämlich etwas, das die Abwesenheit von allem was mir fehlt, wieder ausgleicht. Etwas für das die japanische Sprache extra den Satz "Kawaii desu ne" erfunden hat.
Trommelwirbel! Tusch! Viele viele Blaskapellen, die "So ein Tag, so wunderschön wie heute!" spielen.

Ich präsentiere die Entdeckung meines heutigen Einkaufs:

























Es ist genau das wonach es aussieht: "Hello Kitty"-Nudeln!
Also so richtig coole "Hello Kitty"-Nudeln, nicht nur einfach Nudeln mit einer Katze auf der Tüte. Sondern jede Nudeln ist selber eine kleine Katze, komplett authentisch mit Schleife im Haar. Ich kann mich nur wiederholen: "Kawaii desu ne".

Wie die Nudeln schmecken kann ich nicht sagen, ich komme nicht vom Melmac, ich esse keine Katzen.
Ist ja auch völlig egal, was so niedlich aussieht, das kann auch schmecken wie das Fingerfood auf dem Büffet beim Weihnachts-Kickoff eines großen deutschen, nicht magentafarbenen, Mobilfunkanbieters.

Aber vielleicht überlege ich es mir noch, dann halte ich Euch auch darüber auf dem Laufenden.

PS:
"Kawaii desu ne" spricht sich mit einem langgezogenem E am Ende. Es ist ein Ausruf der Begeisterung, der als Antwort nur ungeteilte Zustimmung und keinerlei Widerspruch zulässt.

Freitag, 5. Oktober 2012

Die unbekannte Nationalsportart: Feldball! ...und dazu ein Bier

Es gibt viele Ähnlichkeiten zwischen Deutschen und Japanern. Zum Beispiel gibt es eine ausgeprägte Vorliebe für Bier und gegrilltes Fleisch in jeder denkbaren Form. Wobei man im Unterschied zu uns Deutschen in Japan zum Grillen nicht unbedingt eine Terrasse und gutes Wetter braucht, man kann es auch auf sehr geschmackvolle Art im Restaurant um die Ecke erledigen.
Das nennt sich dann "Yakiniku" und bedeutet, dass man sein Essen roh an den Tisch bekommt und es sich selbst aus offenem Feuer garen darf. Im Unterschied zu einigen Fischrestaurants ist das Tier beim Yakiniku aber schon tot, richtig tot... Im Falle vom Rind also tot, gut abgehangen und lecker mariniert.
Auf dem Tisch steht dann ein Grill, über dem Grill ist eine Art Saug-Glocke montiert, die sehr an eine Trockenhaube aus den 70er-Jahren erinnert. Durch diese Saug-Glocke werden die Grill-Gerüche, Zigarettenrauch, Hello-Kitty-Haarspangen und Toupets abgesaugt. Man kann also grillen gehen, ohne dass man danach wie ein Nebenerwerbs-Brandstifter riecht.














So viel zu den Gemeinsamkeiten, jetzt zu den Unterschieden: Der größte Unterschied zwischen Deutschland und Japan ist die Nationalsportart. 
In Deutschland ist der Kaiser ein Fußballer, der aus steuerlichen Gründen in Österreich lebt. In Japan ist der Kaiser ein freundlicher ältere Herr, der im letzten Jahr geduldig einen Besuch von einem Osnabrücker Anwalt mit inzwischen abgeschlossener Politik-Karriere und einer literarisch minderbegabter Ehefrau überstanden hat. 
(Wer in dem Zusammenhang den Begriff "überstanden" nicht mag, der ersetzt ihn bitte durch "ertragen".) 

In Deutschland gibt es drei wichtige Positionen: Bundeskanzler, "Wetten, dass..?"-Moderator und Fußball-Nationaltrainer. - In Japan gibt es zwölf wichtige Posten: Das sind die Trainer der jeweiligen "Yakyu"-Teams. 
"Yakyu" bedeutet so viel wie "Feldball", eine Sportart, die in den USA auch als "Baseball"bekannt ist. Als Europäer fragt man sich natürlich, warum eine Nation wie Japan, die eigentlich nur immer das Beste aus anderen Nationen adaptiert und in ihr Herz schließt (Bier, Benz, Beethoven), sich so gründlich für eine Sportart begeistern kann, die in Europa als die Deppenversion von Cricket gilt. 

Das wollten die beste Ehefrau, die ich je hatte, und ich herausfinden, deshalb sind wir mal zum Yakyu gegangen und haben es uns angeschaut. Um aus Unkenntnis über Regelwerk und Gepflogenheiten nicht zu sehr aufzufallen, haben wir kurzerhand einen japanischen Kollegen aus der Botschaft dazu gebracht, uns mitzunehmen. Da er selber ein großer Yakyu-Fan ist, mussten wir ihn nicht lange überreden. 

Also wurden wir kurzerhand Fans der "Yomiuri Giants". Laut unserer Begleitung sind die Giants das "Bayern München des japanischen Baseballs". Aber keine Sorge: Damit ist nur gemeint, dass die Giants Rekordmeister sind. Nicht, dass ihr Sport-Vorstand ein ehemals rothaariger, cholerischer Dresdner ist, der mal zu feige war, den HSV zu trainieren. 

















Wir waren beim Spiel der "Yomiuri Giants" gegen die "Yakult Swallows".
Die "Yomiuri" ist eine große Zeitung in Tokyo, "Yakult" dürfte als Hersteller von Milchgetränken in kleinen Flaschen bekannt sein. Damit war klar: Yakyu ist vollständig durchkommerzialisiert, analog dazu könnten in der deutschen Bundesliga auch der "Hamburger Morgenpost SV" gegen die "Fruchtzwerge Hoffenheim" spielen. Wobei natürlich klar wäre, dass der HMSV gewinnen würde, sagt jedenfalls die beste Ehefrau, die ich je hatte. 

Gespielt wird das ganz natürlich in der Halle, wobei der Begriff "Halle" den "Tokyo Dome" nur sehr grob beschreibt. Der "Tokyo Dome" fasst als Yakyu-Stadion 55.000 Zuschauer, ist aber auch Konzerthalle mit 42.000 Plätzen. 
Die Halle ist innen echt beeindruckend. Übrigens findet dort im Dezember das "Super-Oktoberfest" statt, angeblich das größte "Indoor-Bierfest" der Welt. Michael Jackson hat hier in seiner Karriere 21 ausverkaufte Konzerte gegeben, die zusammen mehr als eine Million Zuschauer hatten. Soviel aus dem Guiness-Buch.
















Die Giants haben übrigens pro Saison weit mehr als 21 ausverkauft Auftritte dort... Aber Baseball-Spieler fassen sich ja auch noch öfter in den Schritt als der selige Jacko. 

Zurück zum Spiel: 

Die Vereinsfarbe der Giants ist Orange, oder wie Goethe es nannte: Rothgelb. Als Fußballfan hat diese Farbe bei mir natürlich Widerstände ausgelöst, wer will schon für eine Mannschaft klatschen, die an niederländische Nationalspieler mit erhöhtem Speichelfluss erinnert? Wenigstens verbietet sich der Vergleich mit dem örtlichen Entsorger, in Japan sind die Müllwagen nämlich blau. Und sie sprechen beim Abbiegen, aber das ist ein anderes Thema. 
Man kann also in den Fanshops alles kaufen, was orange ist, das Giants-Logo trägt, oder das Gesicht des Giants-Maskottchen hat. Zum Beispiel Kekse. Oder orange Plüschschildkröten mit der Nummer 9 drauf. Abgesehen davon, dass sie natürlich total "Kawai", also niedlich sind, sollen sie den Spieler Yoshiyuki Kamei anfeuern, Kamei bedeutet nämlich "Schildkröte". 
Ich hatte etwas Sorge, dass mich zu viel orange Farbe zu einem Freund von Mark van Bommel oder Fred Frikandel werden lässt, also habe ich mir eine schwarze Mütze mit wenig Orange und dem Namen und Trikotnummer von Shinnosuke Abe gekauft. 
Müßig zu erwähnen, dass genau dieser Spieler im Spiel dann den ersten "Home Run" geschlagen hat.

Die Yakyu-Regeln sind ganz einfach: Einer wirft, der andere schlägt und rennt, am Ende gewinnen die Giants.

So war es auch diesmal, die Giants haben nicht nur das Spiel gewonnen, sondern damit auch noch die Meisterschaft in der Liga. - Jetzt geht es Mitte Oktober um die Japanische Meisterschaft. 

Die Mannschaft der Giants hat nach dem Sieg, ihren Trainer adäquat gefeiert: 















Wie gut, dass in Deutschland die Fußballtrainer nicht auch so gefeiert werden. Jupp Heynckes hätte Angst, dass er Rücken bekommt, er würde also alles tun, damit er mit den Bayern nicht Meister wird. - Also im Prinzip genau das Gleiche, was er in den beiden letzten Jahren auch getan hat.

Fazit: Yakyu ist ein Erlebnis, aber es ist nicht unsere Sportart. Nett anzusehen, aber das eigentliche Erlebnis ist die Stimmung, die die Fans in der Halle machen. Und der perfekte Kommerz, der rund um das Spiel existiert. Es gibt nicht nur Eisverpackungen in den Giants-Farben, Autogrammstunden mit den Cheerleadern sondern jeder denkbare Merchandising-Kram. Natürlich auch mit  orangenen "Hello Kittys". 

Aber es gibt auch noch richtige Leistungssportlerinnen im Stadion, nämlich die Bier-Verkäuferinnen. Es gibt im Prinzip von jeder großen Biermarke eigen Bierverkäuferinnen, die in unglaublicher Geschwindigkeit mit ihrem Bier-Rucksack durch die Gänge huschen. Wer daheim lieber "Suntory Premium Malts" statt "Asahi Dry" trinkt, der kann das auch im Stadion tun. Er muss nur ein paar Minuten warten, bis die selbstverständlich freundlich lächelnde Verkäuferin vorbeikommt, und einem ein frisches Bier aus ihrem Rucksack zapft. Und nicht ein vor Stunden gezapftes Warsteiner, mit dem man in Berlin das unkritische Publikum vergiftet.  















Das weiße Tuch, dass die Dame im Ausschnitt trägt ist übrigens kein Lappen, mit dem sie mal eben durch ein Glas wischt. Dieser Lappen ist ein Schweißlappen, damit Lächeln und Makeup nicht durch Schweißperlen entstellt werden, während man mit einem Rucksack voller Bier durch den Tokyo Dome rennt. 

Was war sonst noch? Tag der Deutschen Einheit, eine Fahrt mit der Schwebebahn und noch mehr Oktoberfeste... 
Davon bald mehr, ich halte Euch auf dem Laufenden. 



Sonntag, 23. September 2012

Aufatmen im Dauerregen

Die Sommerpause ist zu Ende, es ist viel passiert...

Also gut, wollen wir mal nicht, übertreiben, aber es ist in den letzten vier Wochen schon einiges passiert. Der Sommer, der wohl selbst für japanische Verhältnisse lang gewesen ist, hat uns den letzten Nerv geraubt. Kurz fürs Protokoll: Heute ist der 23. September, heute ist der erste Tag seit  Juli an dem die Höchsttemperaturen nicht um die 30 Grad gelegen haben. Dazu regnet es noch kräftig.
Vor allem kommt auch wieder etwas Dynamik in die Temperaturen, will sagen, es kühlt sich abends etwas stärker ab. 33 Grad am Tag sind doppelt nervig, wenn die Nachttemperaturen bei 29 Grad liegen.

Aber das ist ja nun vorbei, der Herbst ist da. Man merkt es hauptsächlich daran, dass es überall bereits Schals und Mützen zu kaufen gibt. Und was man kaufen kann, das wird auch getragen.
Wenn Giorgio Armani sagt, dass es jetzt Zeit für bunte Kaschmir-Pullover ist, dann trägt man die hier auch... Ganz egal, ob es draussen immer noch 26 Grad sind. Giorgio hat es gesagt, also macht man es.
Es wird Zeit, dass Giorgio mal den Deutschen sagt, dass man keine braunen Schuhe zu blauen Anzügen trägt. Nicht mal, wenn man bei der Lada-Niederlassung Görlitz Gebrauchtwagen verkauft.

Außerdem merke ich es daran, dass die beste Ehefrau, die ich je hatte, etwas hat, dass ich in den letzten Wochen schmerzlich vermisst habe... Nämlich kalte Füsse.

Was ist sonst noch passiert?
Wir sind beinahe mobil, unser Auto ist endlich gefunden, gekauft und bezahlt. Aber noch nicht zugelassen, deshalb steht es noch verträumt auf dem Botschaftsgelände herum und wartet auf sein Kennzeichen. Es hat aber schon einen Namen, es heißt "Kiiroi-San". Übersetzt bedeutet das so viel wie "Herr Gelb"... Womit dann auch die Außenfarbe geklärt wäre.
Die Mobilfunkfachverkäuferin muss jetzt sehr tapfer sein, es ist kein Nissan Autech Stelvio geworden, sondern ein profaner Toyota Porte, Fotos werde ich bei passender Gelegenheit nachreichen.

Dann hat man mich an einen Ort geführt, der meinen Vorstellungen von einem Paradies ziemlich nahekommt. Dort kann man auf Touchscreens drücken und kurz darauf kommt Sushi angefahren.

Mein gärtnerischen Aktivitäten machen Fortschritte, nach Basilikum und Koriander habe ich auch erfolgreich Paprika, Chilis und Auberginen geerntet. Der Weg zur autonomen Selbstversorgung ist aber noch lang.

Wir haben live gesehen, wie die deutsche U20-Frauenfußball-Nationalmannschaft ihr WM-Finale gegen die USA verloren hat. Mit 1 zu 0... Und mit Recht, die Amerikanerinnen waren einfach besser. Aber der Sieg hat ihnen auch nix genutzt, sie konnten ihn nicht mit Strömen vom Schampus feiern, denn in Japan darf man erst mit 20 Alkohol trinken, also feiert ein U20-Weltmeister mit Melonen-Limo und Seetang-Crackern (nicht im Bild).




















Dafür haben wir am Freitagabend den Triumph von orangen Handtüchern über kleine Regenschirme im großen Ei miterlebt. Live.

Mehr dazu, wenn ich mit der Bearbeitung der Bilder davon fertig bin. Versprochen.

Ich halte Euch auf dem Laufenden...


Freitag, 24. August 2012

Der Herbst hat begonnen... Nicht meteorologisch, aber dafür festlich.

Was unterscheidet mich von grob geschätzt 18 Prozent der Japaner? - Ich war noch nie in Neuschwanstein. Neuschwanstein, oder wie man es mir mal in meiner Sprachschule beschrieben hat: "The nice german castle with the strange name"... Mir ist immer noch nicht klar, was Japaner auf Deutschlandreise so an Neuschwanstein fasziniert... Aber für Japaner ist es wohl auch schwer verständlich, wieso wir Deutsche in Japan beim Anblick eines Getränkeautomaten oder einer vollen U-Bahn die Kamera zücken.
Oder wieso wir Ausländer zwar Dinge fotografieren, uns aber nur sehr selten mit diesen Dingen zusammen. Und dann auch nur in den seltensten Fällen dabei das in Japan offensichtlich vorgeschriebene Victory-Zeichen machen.
Für einen Japaner ist es unvorstellbar auf einer Deutschlandreise einfach nur den unfertigen Flughafen in Berlin oder andere Industrieruinen zu fotografieren. Man muss sich schon selber davor hinstellen und Zeige- und Mittelfinger in die Luft strecken. In der Reisegruppe findet sich ja immer jemand, der für einen auf den Auslöser drückt.
Warum das so ist? Keine Ahnung... Vielleicht glauben die Daheimgebliebenen sonst nicht, dass man dort gewesen ist.
Vielleicht hat es aber auch was mit Aberglaube und bösen Geistern zu tun. Wer will  schon einen unfertigen Flughafen im eigenen Land haben? Außer Matthias Platzeck und Klaus Wowereit wohl niemand.

Ich muss auch gestehen, dass ich bis jetzt um ein anderes touristisches Großereignis in Deutschland immer einen Bogen gemacht habe, ich bin noch auf dem Oktoberfest gewesen.
Im August 2012 hat sich das geändert, klingt komisch, ist aber so. Wir waren auf dem Oktoberfest in Shiba, das traditionell immer im August stattfindet.





Man darf beim Begriff "Oktoberfest" in Japan nicht in jahreszeitlichen Dimensionen denken, das ist eher ein Produktname. - Bei der SPD ist ja auch mal sehr wenig vorwärts gegangen, trotzdem heißt das Parteiblatt seit 136 Jahren so.
Eigentlich wollten wir ja gar nicht aufs Oktoberfest, aber dort gab es Hefeweizen und Köstritzer vom Fass. Nach vier Monaten in Japan ist das als Argument für den Entschluss "Wir können ja mal gucken" mehr als ausreichend gewesen.

Mit uns hatten noch viele andere Japaner beschlossen, ein Bier auf dem Oktoberfest trinken zu gehen, es war voll.
Zu den Bierpreisen sei nur kurz gesagt: Das Bier muss offensichtlich von Sänften-Trägern nach Japan gebracht worden sein... Und zwar von Sänften-Trägern, die nach dem alten Tarifvertrag des Öffentlichen Dienstes bezahlt werden. Aber es war Weizenbier und ich will nicht meckern. - Sagt die beste Ehefrau, die ich je hatte.

Der halbe Liter Bier zu zweistelligen Eurobeträgen und Temperaturen von 31 Grad haben die Bierzeltbesucher nicht vom Feiern abgehalten. Kurz: Die Gäste im Bierzelt sind abgegangen wie die Nordic-Walking-Gruppe von meiner Mutter am Volkswandertag.











Wir haben aber das gemacht, was wir in Deutschland wohl auch gemacht hätten: Uns ein ruhiges Plätzchen draußen gesucht. Das haben wir nur leider nicht gefunden. Macht aber nix, dann sitzen wir halt in einem knüppelvollen Biergarten, trinken Weizen und essen Edamame. Das sind in Salzwasser und der Hülse gekochte, ganze Sojabohnen, praktisch Vollwert-Kartoffelchips. Ein beliebter Snack zum Bier.

Ich bin nur noch einmal im Bierzelt gewesen: Als die Stimmung hochkochte und eine Polonaise durch das Zelt gezogen ist. Ich konnte mich davon überzeugen: In jedem Japaner steckt ein "Party-Animal", man muss es nur rauslocken. Dazu braucht man in Japan drei Dinge: Bier, einen lustigen Hut und jemanden, der einen mit dem lustigen Hut fotografiert.













Am kommenden Wochenende ist der Spaß vorbei, dann zieht die Karawane weiter. Das nächste Oktoberfest findet dann in Toyosu statt. Das sind sechs Stationen mit der U-Bahn. Es gibt wohl echt einen Markt für Oktoberfeste.
Da verwundert es doch fast, dass das Oktoberfest in München nur einmal im Jahr stattfindet... Aber gut, dafür ist dann dort das Bier ja auch viel billiger. Da kann man ja nix verdienen.

Fazit: Das Bier war lecker, der Abend sehr unterhaltsam... Aber zum Essen haben wir und keine Bratwurst am Spieß oder eine Schweinshaxe mit Stäbchen geholt. Wir sind dann doch in einem japanischen Nudelsuppen-Laden gewesen. Ich erwähnte es ja bereits: Wir japanisieren.

So, ich mache jetzt Feierabend, ich muss noch meine Japanisch-Hausaufgaben machen. Aber ich halte Euch auf dem Laufenden. Versprochen.

Dienstag, 21. August 2012

Da lacht sogar der Mantafahrer

Unsere Bemühungen um ein Auto schreiten langsam voran, vielleicht auch angetrieben von dem Gedanken, Mineralwasser und Brot bei der Hitze nicht mehr mit dem Fahrrad unseren Wohnberg heraufschaffen zu müssen. Die ersten Angebote des Gebrauchtwagenhändlers trudeln ein.
Gestern habe ich ein Auto gesehen, dass die beste Ehefrau, die ich je hatte, garantiert nicht anschaffen wird. Auch wenn ich ganz lieb bitte. Und verspreche, immer den Müll runterzubringen.
Obwohl der Wagen nach dem Fiat Ritmo und dem Matra Simca Rancho mit Sicherheit großartige Chancen hat, zum dritthässlichsten Auto des vergangenen Jahrtausends gewählt zu werden. Der Nissan Autech Stelvio. Die Autokorrektur meines iMacs hat mir gerade statt "Autech"das Wort "Autsch" vorgeschlagen. Und eigentlich passt das auch.
















Die komischen Hamsterbacken auf den vorderen Kotflügeln sind die Verkleidungen für die integrierten Außenspiegel, das Ding, was da auf den Kofferraum geschraubt ist, ist wahrscheinlich nur so hoch, damit niemand seinen Sushi-Snack dort abstellt. Die Alufelgen sehen aus wie Tupper-Deckel mit Eingriff.
Kurz: Das ideale Auto für den japanischen Superhelden "Tamagotchi-Man".
Ich habe das Ding zuerst für das Werk von einem durchgeknallten Japaner gehalten, der sich auf einer Tuning-Messe in den dunklen Teil verlaufen hat und sich dort mit allem eingedeckt hat, was es für einen 86er Nissan Sunny so gegeben hat.
Aber weit gefehlt, der Wagen ist wirklich 1989 so in Kleinserie vom Band gelaufen und verkauft worden. Und zwar für unglaubliche 18 Millionen Yen, damals knapp 200.000 Mark. Man kann es auch anders umrechnen: Damals hat man für das Geld zwei gut ausgestattete Mercedes S-Klassen und einen 2-wöchigen Malediven-Urlaub bekommen. Plus Taschengeld und einmal volltanken.

Wer sich jetzt fragt, warum jemand damals so viel Geld für so ein Auto bezahlt hat: Weil das Geld da war, 1989 war die Hochzeit der "Bubble Economy" in Japan, der Yen war abstrus überbewertet. Die Immobilienpreise waren so überdreht, dass, laut Wikipedia, der Park des Kaiserpalastes mehr wert war, als alles Land in Kalifornien. Zwei Drittel des gesamten Immobilienwertes der Welt waren in der Tokyoter City konzentriert.
Es wurden Dinge gekauft und gebaut, die heute niemand mehr bauen würde. Manche stehen heute noch in Tokyo rum, manche parken am Wegesrand.
Aber ich will nicht lästern, gerade im Zeitraum 1989-90 wurde in Deutschland ja auch Geld in "blühende Landschaften" und "todsichere Ost-Immobililien" investiert...

Aber trotzdem erfüllen diese Überbleibsel der Bubble-Economy hier heute noch eine Funktion: Ich habe den japanischen Humor zwar noch nicht verstanden, aber ich glaube hier werden gerade unsere alten Opel-Manta-Witze weiterverwendet... Als Nissan-Stelvio-Witze. Der Wagen stand übrigens vor einem Friseurladen.

Wenn wir auch endlich ein Auto finden, dann werde ich berichten. Versprochen.
Was sonst noch passiert: Ich halte Euch auf dem Laufenden.


Sonntag, 19. August 2012

Butter bei die Fische - Feuer in die Petunien!

Gestern durften wir mal wieder japanische Kultur erleben,

und zwar richtig typische Kultur. So richtig japanisch, wie durch Bakterien fermentierte Sojabohnen oder Comic-Leser in Nadelstreifen in der U-Bahn. Nur spannender.
Wir haben hier übrigens immer noch Sommer, also nicht nur kalendarisch, auch tatsächlich... Und nicht nur vorübergehend, sondern schon seit ein paar Wochen begleiten uns Temperaturen von 28 Grad nachts und 33 Grad am Tag. Obwohl wir schon davon ausgehen, dass der Sommer mal vorübergeht. Irgendwann. 

Ich erwähnte ja außerdem bereits, dass ich versuche, mir in einer Sprachschule Kenntnisse in der japanischen Sprache anzueignen. "Zwei Bier vom Fass und einmal gekochte Sojabohnen bitte!" geht schon ganz gut. Meistens bekomme ich dann aber zwei Portionen Sojabohnen vom Fass und ein großes kochendes Bier... Ich muss wohl noch etwas an meiner Aussprache arbeiten.

Diese Schule ist aber auf eine geradezu rührende Weise darum bemüht, ihren Kunden das Gefühl zu geben: Wenn das Schulgeld schon keine unmittelbaren Erfolge bringt, dann hat man wenigstens Spaß dabei.

Deshalb gab es gestern einen Schulausflug zum Hanabi in Tamagawa. "Hana" ist die Blume, "Bi" ist das Feuer, als Feuer-Blume. 
Das ist eine geradezu zurückhaltend formulierte Bezeichnung für ein rund einstündiges Feuerwerks-Spektakel, das traditionell im August an viele Orten in Japan stattfindet. Wer im August hier war und kein Feuerwerk gesehen hat, der hat mehr verpasst, als jemand, der nach Berlin fährt und sich nicht stundenlang vor dem Reichstag anstellt. 
Damit alle was davon haben, findet ein Hanabi an infrastrukturell gut angebundenen Orten in der Natur statt. Das ist wichtig, denn schließlich wollen mal eben bis zu 100.000 Zuschauer schnell und zuverlässig mit öffentlichen Verkehrsmitteln an und abreisen können. Das geht. Und den Berlinern sei gesagt: Das geht auch, ohne dass sich die Verantwortlichen der Verkehrsbetriebe zu einer Pressekonferenz zusammenfinden, um sich im Blitzlichtgewitter auf die Schultern zu schlagen, dass man toll ist, nur weil man seinen Job macht. 

Kurz und gut, gestern Abend gab es einen ganz klassischen Schulausflug: Man verabredet sich. Und alle bringen Bier mit. 
Wir hatten neben dem Bier auch noch Buletten mit... Es war also "typisch" Deutsch. Wir hatten einen wundervollen Platz: Mitten auf einer großen Wiese am Tama-Fluss. (Apropos Wiese: Ist es nicht großartig, dass Tim Wiese bei seinem ersten Pflichtspiel für Hoffenheim gleich vier Dinger bekommen hat?)
Auf der Wiese wurde von der schulischen Reiseleitung ruckzuck eine riesige Plane ausgebreitet, alle haben ihre Schuhe ausgezogen und es sich zum Picknick auf der Plane bequem gemacht. 
Um 19 Uhr ging es pünktlich los. Auch wenn japanische Feuerwerker echte Künstler sind, man fängt trotzdem pünktlich an. Man ist ja Feuerwerker und kein Jazzmusiker. 

Wenn ich nicht so ein lausiger Fotograf wäre, dann gäbe es hier noch bessere Fotos. 























Aber auch der beste Fotograf kann mit Fotos nicht das Gesamterlebnis "Japanisches Feuerwerk" erfassen. Denn das was jetzt blau, rot oder pink ist, hat im nächsten Augenblick eine andere Farbe. 

Und natürlich ist es auch viel besser ein Feuerwerk an einem Sommerabend zu genießen, als es eine Woche nach Weihnachten im Schneematsch stehend zu betrachten... Und sich dabei Böller in den Kragen werfen zu lassen. 

Nach einer Stunde ist man um circa 3.000 Eindrücke reicher, dann geht der große Abzug der Zuschauer los. Wir haben noch unser Bier ausgetrunken, dann noch eins aufgemacht. Wir waren ja auf einem Schulausflug... Danach ging es nach wieder nach Hause. Ohne Gedrängel, ohne Geschiebe, ohne penetrante Musikanten in der Bahn. 

Ich mach zum Abschluss mal ne Rechnung auf: 
Ein Besuch beim Hanabi hat gestern pro Person knapp 10 Euro Fahrtkosten und 6,60 fürs Bier gekostet. 
Ein Stehplatz für die "Pyronale" in Berlin kostet 21,85, für drei Bier ist man dort wahrscheinlich 15 Euro oder mehr los. Dafür darf man kostenlos mit der BVG oder der S-Bahn anreisen.
So relativiert sich der Flugpreis nach Tokyo schnell... 

Und es gibt noch mehr zu sehen... Und restlichen Sommer noch einige Liter Schweiß zu vergießen.
Ich halte Euch auf dem Laufenden. 


Mittwoch, 8. August 2012

Die Assimilation schreitet voran: Widerstand ist zwecklos!

Liebe Leser,

ich muss es zugeben: Wir werden assimiliert! Und wie heißt es bei den Borg so schön: Widerstand ist zwecklos.

Die beste Ehefrau und ich passen uns immer mehr der Umgebung an. Hauptsächlich passen wir uns den örtlichen Umweltbedingungen an. - Kurz: Wir japanisieren in der Hitze des Sommers.

Ich erwähnte ja bereits, dass der Sommer in Tokyo einer von diesen Sommern ist, die der selige Rudi Carell nicht meinte, als er "Wann wird's mal wieder richtig Sommer?" fragte. Hier ist nämlich richtig, richtig Sommer. Temperaturen von deutlich über 30 Grad, verbunden mit einer knackigen Luftfeuchte, die den Sonnenschein um so stechender werden lässt. Der einzige Grund, warum man sich bei diesem Wetter nicht auf einem Kamel fortbewegt, ist die Tatsache, dass ein Kamel schlecht in Wohnungen passt.
Das ganze ist aber kein Wetterphänomen, sondern ganz normal. Und für alles, das ganz normal ist, kann man Japan etwas kaufen.

Die beste Ehefrau, die ich je hatte, hat sich einen Sommer-Knirps gekauft. Also einen kleinen Nicht-Regenschirm für die Handtasche, der kein Sonnenlicht durchlässt. Sozusagen eine tragbare Schatten-Einheit. Davon wird es zwar nicht kühler, die Luftfeuchtigkeit nimmt auch nicht ab. Aber man fühlt sich besser.
Zugegeben, man sieht "etwas" albern damit aus. Das ist der besten Ehefrau, die ich je hatte, aber egal. Und mit ihr noch einem nicht unerheblichen Teil der weiblichen Bevölkerung.
Japanische Männer sind sich ihrer Abstammung von den Samurai bewusst. Deshalb gibt es leider keine Sommer-Knirpse mit Katana-Griff. Sondern ausschließlich das Modell "Mary Poppins".
Männer müssen sich mit kleinen Frottee-Tüchern zum Schweiß abtupfen begnügen. Ich besitze auch so ein Schweißtuch, ich folge also auch der Tradition der Samurai. - Deshalb ist mein Tuch auch gelb, und es ist "Pu der Bär" aufgestickt.  Ich hab aber auch noch eins mit Donald Duck drauf.
Dann folge ich noch den Traditionen von High-Tech und physikalischen Gesetzen. Deshalb besitze ich auch ein Microfaser-Tuch, dass man in Wasser taucht, und sich dann um den Kopf bindet. Durch die Verdunstungskälte wird der Kopf gekühlt. Leider sehe ich damit so albern aus, dass ich es nur in unserer Wohnung tragen kann. Und dann auch nur, wenn alle Kameras sicher im Schrank verschlossen und eine Spax-Schraube in die Optik aller Foto-Handys getrieben sind.
Ich würde mich mit diesem Feucht-Lappem auf der Stirn nur fotografieren lassen, wenn dieses Bild dann in meinen japanischen Führerschein kommt. Nur dort wäre es eine Verbesserung.

Aber es kühlt... Leider ruiniert es auch die Frisur, die ein japanischer Friseur für nur 1.000 Yen in Rekordzeit auf meinen Kopf gezaubert hat. Und das Allerbeste: Der Samurai-Figaro hat nach dem Schneiden die kleinen Haare, die mich nach einem Friseurbesuch immer sofort unter die Dusche gezwungen haben, mit einem Saugrüssel aus meinem Resthaar gesaugt. Was für eine Offenbarung!
Unter die Dusche musste ich trotzdem, aber das lag an der Hitze.

Dann habe ich mir am letzten Sonntag einen Wok gekauft. Und zwar nicht, um damit in Sapporo den Eiskanal herunterzufahren wie ein deutscher Promi-Depp. Sondern um darin zu kochen. Außerdem besitzen wir einen Topf mit Dampfgar-Aufsatz aus Holz. Damit wird teures Gemüse standesgemäß zubereitet. - Wenn man für drei Karotten schon 1,50€ bezahlt, dann sollen sie wenigsten komfortabel und standesgemäß zubereitet werden. - Das sieht dann wirklich sehr appetitlich aus... Nämlich so:















Über den Preis des Broccoli breite ich mal besser den Mantel des Vergessens.

Unsere Japanisierung hat aber auch ihre Grenzen, wir haben uns immer noch kein Auto gekauft. Das ist bedauerlich.
Und der Zuwachs an Japanisch-Kenntnissen bei mir kann leider nicht mit dem Zuwachs an japanischen Küchenartikeln mithalten. Das ist noch viel bedauerlicher.

Aber wahrscheinlich bin ich eh ein hoffnungsloser Fall. So hoffnungslos, dass man es mir in jeder Unterrichtsstunde sagt. Leider auf Japanisch... Und das verstehe ich nicht.
Egal, immer wenn ich zum Unterricht komme, dann bemüht man sich, mir etwas beizubringen. Wenn diese Bemühungen nach Weihnachten zu Ende sind, dann hat man nur so lange durchgehalten, weil ich  meinen Lehrern Weihnachtskekse versprochen habe.

Aber vielleicht geschieht ja noch ein Wunder.
Ich halte Euch auf dem Laufenden... Über Wunder, und über fast alles, was sonst noch passiert.

Die traurigen roten Augen...

Liebe Leser!

Zuerst ein kurzes Wort von mir in eigener Sache: Entschuldigung, dass hier relativ lange Zeit nichts passiert ist. Aber es gab Gründe, ganz profane Gründe... Nämlich Erwerbstätigkeit.
Die bester Ehefrau, die ich je hatte, musste eine Urlaubsvertretung in der Visafabrik machen, ich hatte auch durch den Urlaub von Kollegen etwas mehr Arbeit, als mir lieb war. Da mussten leider die Freizeitaktivitäten vollständig zurückstehen. Auch das Bloggen.

Aber zum Dank für die lange Wartezeit gibt es heute 1,6 neue Artikel. Das hier ist der 0,6-Atikel. Eigentlich soll es eine Warnung vor einem unglaublichen japanischen Konsumprodukt sein.
Ich erwähnte ja bereits, dass es in Japan drei Kategorien von Bieren gibt, abhängig vom Malzgehalt und den darauf gezahlten Steuern.
Ich eröffne heute die vierte Kategorie, die "Liebe Japaner, was habt Ihr Euch bitte dabei gedacht?"-Kategorie.

Erster Kandidat ist "Asahi Red Eye":



















Hier muss man sich wirklich fragen, was man sich im Land der aufgehenden Sonne dabei gedacht hat. Der aufmerksame Betrachter wird feststellen, dass auf diesem wundervoll ansprechenden Produktdesign zwei Naturprodukte abgebildet sind: Gerste und Tomaten.
Wer jetzt denkt: "Die Japaner werden doch nicht!" - Dem muss ich leider sagen: Doch!
Die Japaner haben es getan... Man hat Tomaten-Bier hergestellt.
Genauer gesagt: Man hat Tomaten-Daisan hergestellt. Ein bierähnliches Getränk mit Tomatengeschmack und 5% Alkohol. Das klingt schon gemein, es schmeckt aber noch viel schlimmer.
Vom Aussehen ist es Bier mit einem fiesen Rotstich. Der Geruch erfüllt auch alle Anforderungen, an etwas, mit dem man unerwünschte Gäste verjagen kann. Und mit "unerwünschte Gäste" meine ich sowohl Familienangehörige als auch streunende Katzen oder Vertreter der Gattung "Blatta Orientalis". Es würde wahrscheinlich auch Kopfläuse vertreiben, aber bis jetzt hat sich bestimmt noch niemand getraut, es sich in die Haare zu schmieren.
Ich will auf den Geschmack nicht weiter eingehen, ich habe eine Dose leckeres "Asahi Japan Gold" und koffeinhaltiges Kaugummi gebraucht, um den unglaublich gemeinen Geschmack von meiner Zunge zu bekommen. Wer so etwas trinkt, der schubst auch kleine Kinder vom Nachttopf... Oder hält Claudia Roth für geschmackvoll gekleidet.

Ich glaube, dass Zeug wird nur aus einem Grund hergestellt: Wenn der Wirt in einer japanischen Kneipe Feierabend machen will, dann sagt er: Bier ist alle, ich habe nur noch "Asahi Red Eye". Und schwupps ist der Laden leer... Und alle Gäste warten mit angsterfüllten Augen auf die nächste U-Bahn nach Sapporo. Wahrscheinlich mit angsterfüllten roten Augen... Daher auch der Name.

Aber es gibt ja viele Dinge, die das Leben hier bereichern... Darüber gleich mehr.
Ich halte Euch auf dem Laufenden.

Donnerstag, 26. Juli 2012

Shakesbeer präsentiert "Die lustigen Bierfälscher von Japan"

Liebe Leser,

während sich die Deutschen darüber freuen, dass es warm ist, während Bewohner von Kopenhagen in sozialen Netzwerken ihr Glück darüber in die Welt hinausrufen, dass es in ihrem Schlafzimmer nachts Temperaturen von 25 Grad hat, genau während dieser Zeit haben wir hier richtigen Sommer. Also 33 Grad tags, 29 Grad nachts, dazu kommt noch ordentlich Luftfeuchte.
Der Kenner sagt dazu: Typischer Sommer in Tokyo, ist doch jedes Jahr so. Für uns Neuankömmlinge ist es aber ein Erlebnis. Ich bin heute mit dem Fahrrad zum Japanisch-Unterricht gefahren, wie immer einen kleinen Umweg, damit ich nicht über die Hügel der Stadt muss, sondern eher ebenerdig fahre. Die Fahrt in der Hitze ist gar nicht so schlimm, das Anhalten ist viel schlimmer.
Auf dem Weg vom natürlich kostenpflichtigen Fahrradparkplatz zur Sprachschule muss ich eigentlich nur 200 Meter die Straße entlang, inzwischen gehe ich aber einen kleinen Umweg durch ein Kaufhaus. Da läuft nämlich die Klimaanlage und ich komme nicht tropfend wie ein Kieslaster in der Schule an.

Eigentlich könnte man ja auf die prinzipiell gute Idee kommen, die Hitze mit Getränke auf Hopfenbasis erträglicher zu machen. In Deutschland stehen dafür im Prinzip Bier und Weißbier zu Verfügung. Bier und Weißbier haben noch einen Haufen hässliche Verwandte wie Kölsch, Alt, Radler, Gespritztes und andere Panschereien. Auf die will ich aber nicht weiter eingehen,

In Japan gibt es Bier, Happoshu und Daisan. - Klingt komisch, schmeckt manchmal auch so. Schuld an dem Bier-Wirrwarr hat mal wieder das Finanzamt. In Japan richtet sich die Höhe der zu entrichtenden Steuer auf Bier nach dem Malzgehalt, der beim Brauen verwendet wird. Die klassischen Biere, die mit 100 Prozent Malz gebraut werden, sind die teuersten. Eine 0,35-Liter-Dose "richtigen" Biers kostet nicht unter 250 Yen, also 2,60€. Im Supermarkt.
Direkt daneben stehen die Happoshus, die kosten wegen der geringeren Steuer ungefähr die Hälfte davon. Das sind Biere, die mit einem reduzierten Malzantail von unter 67 Prozent im dem für Bier üblichen Brauverfahren gebraut werden. Statt ausschließlich Malz werden Ersatzstoffe verwendet. Schmecken tun Happoshus auch fast wie richtiges Bier. Also ungefähr so wie Stella Artois, Amstel oder Kronenbourg, ein Engländer könnte es also leicht für richtiges Bier halten.
Aber die halten Nescafé ja auch für Kaffee.

Dann gibt es noch das Bier der dritten Kategorie, also Daisan. Das sind alkoholische Mischgetränke mit Biergeschmack. Hier wird dann meistens Happoshu mit anderen Sachen gemischt, es wird zusätzlicher Alkohol und Kohlensäure hinzugemischt und fertig ist das Bier der dritten Art. Sozusagen "Frankenstein-Bier", direkt im Labor zusammengebaut.



















Ganz aktuell gibt es überall "Asahi Japan Gold", das Bier-Imitat extra für die Sommerspiele in London, mit dem Zeug kann man sich sogar nordkoreanischen Frauenfußball und Fernseh-Interviews von Tim Lobinger schönsaufen.

Preislich liegen diese Bier-Imitate noch unter Happoshus, und geschmacklich... Wie soll ich sagen? Sie liegen dort, wo die Amerikaner mit ihrem Bier noch hinwollen. Sie schmecken nach echtem Bier, manche mehr, manche weniger. Jeder Schwede würde schnell mit einem Eierlöffel große Löcher in zugefrorene Seen hacken, wenn man ihm verspricht, dass es dafür "Asahi Japan Gold" gibt.
Wenn man in Köln eins von diesen Kinderbieren trinken muss, von dem Lederschürzen-tragende "Kellner" behaupten, dass es "frisch" schmecken würde, dann ist man wesentlich schlechter dran als mit einer gut gekühlten Dose "Asahi Japan Gold".

Um es ganz ehrlich zu sagen: Die beste Ehefrau, die ich je hatte, und ich haben uns davon auch leimen lassen, wir haben das Zeug probiert und für Bier gehalten. Nicht unbedingt für das leckerste Bier der Welt, aber für Bier. Wir haben es gerne getrunken, wir würden es auch wieder trinken. Beim momentanen Yen-Kurs bleibt uns wohl auch nichts anderes übrig. Richtiges Bier gibt es jetzt nur noch für Gäste.

Aber vielleicht gibt ja jemand mal einen aus... Ich halte Euch auf dem Laufenden.


Montag, 16. Juli 2012

Tag des Meeres...

Heute ist hier mal wieder Feiertag, Heute ist "Tag des Meeres".
Deshalb ist es bei "Tokyo DisneySea" heute bestimmt auch voller als im "Tokyo DisneyLand". Aber der Eindruck täuscht nur, bei den beiden Disneys in Tokyo ist es immer voll. Auch wenn die örtlichen Baumärkte mit allen denkbaren Mitteln zur Bekämpfung von Nagetieren vollgestopft sind, so liebt der Japaner doch offensichtlich Micky Mouse... So sehr, dass die Jahreskarte fürs Disneyland sehr beliebt ist, schließlich amortisiert die sich schon nach dem 13. Besuch.
Aber man muss den Feiertag nicht in einen Freizeitpark mit verniedlichten Schädlingen und Festtags-Geflügel in Matrosenanzügen verbringen, man kann auch in Yokohama an der Küstenpromenade spazieren. Da können einem dann die Möwen zielgenau in die Gucci-Handtasche kacken.
Und man kann sich die "Hikawa Maru" angucken, ein Linienschiff, dass in den 1930ern in Japan gebaut wurde. Alleine die wunderschöne, sehr erhaltene Art-Deco-Innenausstattung ist einen Besuch wert. Wenn es so etwas  in Disneyland gäbe, dann wäre es wahrscheinlich aus Plastik-Spritzguss.













Feiertage an sich sind ja schon schön, gerade im Sommer. Am schönsten ist aber die Begründung für die Einführung vom "Tag des Meeres", die man bei Wikipedia findet: "Der Feiertag wurde 1996 eingeführt, um die feiertagslose Zeit zwischen Mai und September aufzulockern."  
Da soll noch mal jemand sagen, dass man erst jemanden ans Kreuz schlagen muss, damit man einen Anlass für einen Feiertag hat. Es reicht, wenn man einfach mal beschließt, dass man gerne frei hätte.
Obwohl, ich glaube unter der gleichen Prämisse ist in Brandenburg der Reformationstag ein gesetzlicher Feiertag geworden. Auch wenn die Mehrheit der brandenburgischen Grundschüler nebst Eltern heute glaubt, dass man nicht zur Schule muss, weil Halloween ist und man ahnungslose Nachbarn um Süßkram anbetteln darf, ohne eine gesangliche Gegenleistung zu erbringen.

Aber zurück nach Japan:
Das Verhältnis der Japaner zum Meer, das sie umgibt, ist von Liebe und Respekt geprägt. Man liebt, respektiert und isst alles, man das Meer so hergibt. Völlig egal ob Fisch, Seeigel, Alge oder Seetang, man hat für alles ein Rezept. Die Liebe geht so weit, dass man auf andere Säugetiere eifersüchtig ist, die auch ein intensives Verhältnis zum Meer haben... Das ist der banale Grund für den "Walfang zu wissenschaftlichen Zwecken": Eifersucht.
Die traditionelle Familien-Mahlzeit in Japan sieht wahrscheinlich so aus: Papa greift einmal ins Meer, und gegessen wird, was nicht schnell genug in die Tiefsee flüchten konnte. Und wenn es der kleine Bruder von Godzilla ist, dann muss man halt mal bei der Mutti fragen, ob sie dafür noch ein Rezept hat.

Man darf den "Tag des Meeres" hier aber nicht mit dem "Tag des Meeres" der UN verwechseln, der wird am 9. Juni begangen und soll an die "aktuellen Herausforderungen im Zusammenhang mit den Ozeanen" erinnern.
In Japan ist man da weiter, am "Tag des Meeres" bewältigt man einfach mal die Herausforderungen des Meeres... Man geht mehr shoppen, und man feiert mehr. Oder man geht einmal mehr ins Disneyland. Egal am Ende ist man geschafft, dann bietet sich in der U-Bahn folgendes Bild:



















Wir haben heute aber auch so ausgesehen, das relativ warme Sommerwetter kann einen schon schaffen. Nur trauen wir uns nicht, in der U-Bahn einzuschlafen... Wir haben nämlich Angst, dass wir erst an der Endstation in Hokkaido aufwachen.

Aber ich will nicht über den Sommer plaudern... Jedenfalls jetzt nicht, er ist ja noch lang genug. So ungefähr acht Wochen und der Rest von heute.

Ich halte Euch auf dem Laufenden.

Sonntag, 15. Juli 2012

Hitzefrei...

Ich muss hier mal eine Vorbemerkung loswerden: Ich schreibe hier nicht aus Schadenfreude über das Wetter in Deutschland. Auch der Gedanke, dass es in Deutschland gerade 15 Grad und Regen sind, machen die 32 Grad bei 74 Prozent Luftfeuchte in Tokyo auch nicht erträglicher.
Es ist hier so warm, dass ich mich nicht einmal an den notorisch kalten Füßen meiner besten Ehefrau von allen abkühlen kann. Einfach weil sie keine mehr hat.
Wenn solche Temperaturen wie hier gerade sind, in Deutschland herrschen würden, ich würde sogar meine Hausbank um ein unbesichertes Darlehen bitten. - Einfach nur, um mich an dem eiskalt formulierten Ablehnungschreiben abzukühlen.

Mein Mitleid gilt natürlich all denen, die auch im Juli ihr Bier noch auf dem Balkon kühlen können. Noch größeres Mitleid habe ich mit denen, die ihre Bratwürste roh essen mussten, weil der Grill immer wieder ausgeregnet wurde. Wenn "Nürnberger Sushi" schmecken würden, dann hätte Tim Mälzer es schon längst in einem Kochbuch angepriesen.
Letzten Samstag sind die beste Ehefrau, die ich je hatte, und ich beim Sommerfest meiner Sprachschule gewesen. Dabei hat eine meiner Japanisch-Lehrerinnen erzählt, dass sie auf ihrer Reise durch Deutschland nur einen Satz auf Deutsch gelernt hat, der da lautet "Ein Glühwein bitte!" Ich wollte nicht nacfragen, ob sie im Winter oder im Sommer in Deutschland war...
Hier hat gerade der japanische Hochsommer begonnen: Es ist mollig warm, es kühlt sich nachts auch kaum ab. Dazu kommt noch eine reltativ hohe Luftfeuchtigkeit.












Kurz gesagt: Man kommt relativ leicht ins Schwitzen. Ich war heute morgen kurz mit dem Fahrrad Brötchen holen, als ich wieder in unserer Wohnung war, lief der Schweiß in Strömen. Das hatte aber auch damit zu tun, dass ich einem in Japan nichts geschenkt wird... Auch keine Brötchen. Weil ich nämlich mein Geld vergessen hatte musste ich zwei Mal auf dem Heimweg den Berg hochstrampeln.

Erfahrene Japan-Kenner werden sagen, dass es noch viel wärmer wird, dass es noch viel mehr regnen wird und das es noch schwüler wird. - Gut, dann ist das halt so. Ich beschwere mich ja nur... Wenn es noch wärmer wird, dann beschwere ich mich halt noch einmal.

Die japanische Nützlichkeitsindustrie bietet natürlich auch Dinge mit denen man die Sommerhitze bekämpfen kann. Das beginnt mit Ventilatoren, die an den USB-Anschlußß des Rechners angeschlossen werden und auf dem Schreibtisch für ein laues Lüftchen sorgen.
Dann gibt es noch wunderbare Microfaser-Tücher, die man in Wasser legt, leicht auswringt und als feuchten Schal um den Hals oder als Stirnband tragen kann. Die beste Ehefrau, die ich je hatte, sagt, dass ich mit diesem feuchten Microfaser-Stirnband "niedlich" ausssehen würde. Wobei in diesem Falle wohl eher gilt: "Niedlich ist die kleine Schwester von grauenvoll, hässlich und entstellend". Trotzdem sind diese Kühltücher wirklich empfehlenswert...
Obwohl sich Kampf gegen die abendlichen Temperaturen ein ganz traditionelles Produkt bewährt hat, dass in ganz ähnlicher Weise auch in Deutschland verwendet wird: Bier! Vorzugweise unter einer Klimaanlage getrunken, deren Stromrechnung man nicht selber bezahlen muss.

Ansont hilft nur eins: Wir warten einfach auf den Herbst... Der soll pünktlich kommen: Vier Wochen nach dem Start der neuen Bundesliga-Saison.

PS. Die beste Ehefrau, die ich je hatte, hat mir gerade zugerufen, dass ich auch mal was positives über den Sommer schreiben soll... Zum Beispiel, dass die Wäsche auf dem Balkon blitzschnell trocknet. Das sei hiermit erledigt. 
Die Verdunstungskälte unserer Wäsche hat nur leider nicht zu einem Absinken der Aussentemperatur geführt.

Samstag, 7. Juli 2012

Der japanische Weg: Kaugummi statt Kaffee...

Eine Fahrt mit der Tokyoter U-Bahn bringt es an den Tag: Japaner sind manchmal müde, dann schläft man auch mal gerne auf dem Heimweg. Man muss dazu nicht einmal einen Sitzplaz haben, mit einer speziellen Grifftechnik kann es sich ein japanischer Oberschüler auch mal in den Haltegriffen für ein Nickerchen bequem machen.
Gegen Müdigkeit gibt es hier neben den üblichen Verdächtigen: Austro-Thailändische-Gummibärchen-Brause, bei der einen nur der fiese Geschmack auf der Zunge wachhält.
Und dann gibt hier noch die Produkte der Firma "Lotte". Der Name klingt jetzt erstmal eher nach Erdbeben-Suchhund als nach Topmodel, aber er hat sich offentsichtlich auf dem japanischen Kaugummi-Markt etabliert. Die Firma scheint das zu recyceln, was bei der Produktion von koffeinfreiem Kaffee als Abfallprodukt anfällt, nämlich Koffein. - Man mischt es einfach unter die Kaugummimasse und schon hat man "Lotte Black Black"... Koffeinhaltiges Kaugummi, das wird dann noch mit einem schicken englischen Werbespruch versehen, nämlich: "Hi-Technical Excellent Taste an Flavour". Wer also wissen will, wie Hi-Tech schmeckt, der muss nicht in ein iPad beissen, ein Kaugummi von Lotte tut es auch.











 
Zum Geschmack kann man nicht viel sagen, stark pfefferminzig, dann leicht bitter. Aber gut, wenn man sich einreden kann, dass es wach macht, dann kann man sich auch einreden, dass es schmeckt. Im Vergleich zu anderen Lotte-Produkten ist der Geschmack von "Black Black" aber eine Offenbarung.
Es gibt nämlich noch "Lotte Zeus Snow Storm" und "Lotte Zeus Thunder Spark". Das sind ebenfalls koffeinierte Kaugummis. Beide mit einem Geschmack, den man im Sinne von Alfred Biolek mit "interessant" bezeichnen könnte. Das besondere an "Zeus" ist, dass die Kaugummis so verpackt sind, dass man sie beim Herausnehmen aus der Packung sofort auspackt und sich ohne Berührng mit den Händen gleich in den Mund stecken kann. Das ist eine Sicherheitsmaßnahme, so soll bestimmt nur verhindert werden, dass man sich die ätherischen Öle vom Finger versehentlich in die Augen reibt.
Dagegen sind die extra-starken Fisherman´s Freind ein Erlebnis voller ausgewogener Mildheit. Wer "Lotte Zeus Thunder Spark" mag, der sprücht sich auch Pfefferspray auf die Zunge.. Oder gurgelt mit Tabasco.

Aber es gibt ja noch Sushi, damit kann man seine Geschmacksnerven wieder in den grünen Bereich bringen, obwohl der grüne Bereich hier auch gerne mal blau ist.

Sonst gibt es nicht viel Neues, der Sommer ist da, der Regen ist sehr warm. Mein Bestreben nach einer Unabhängigkeit von den örtlichen Gemüsehändlern macht Fortschritte, letzte Woche gab es das erste Pesto aus selbstgezogenem Basilikum.

Über die Fortschritte bei Tomaten, Schnittlauch, Mangold, Gurken, Zucchini, Buschbohnen, Koriander, Rettich und Möhren halte ich Euch auf dem Laufenden. Versprochen.

Montag, 2. Juli 2012

Mit der Bahn und Geduld zum Führerschein...

So, nachdem ich mich am Wochenende dafür rechtfertigen musste, dass ich hier seit zwei Wochen nichts mehr geschrieben habe, kommt hier der Versuch einer halbgaren Entschuldigung: Ich habe letzte Woche etwas geschrieben, aber nur eine lange Mail an die Freunde und Verwandten in Deutschland... Da ist der Blog hier leider etwas zu kurz gekommen. Ich will mich gar nicht erst herausreden, ich bitte das zu entschuldigen. "Sumimasen", wie der Japaner sagt.

Es soll nicht daran liegen, dass wir hier nichts erleben würden, ganz im Gegenteil. - Die Abenteuer häufen sich. Manchmal kommt man sich hier wie im Film vor... Untertitel würden manches hier auch einfacher machen.
Apropos Film: Dass der japanische Film das Hollywood-Kino maßgeblich beeinflusst hat, dürfte bekannt sein. George Lucas hat sich für die drei guten Star-Wars-Filme (also die ohne Jar Bar Binks) von Akira Kurosawa inspirieren lassen, bei Quentin Tarantino hat für "Kill Bill" ein Manga gereicht. Es gibt aber noch einen anderes Meisterwerk des 20. Jahrhunderts, das seine Inspiration in Japan gefunden hat: "Asterix erobert Rom".
Bisher vermutete ich ja immer, dass "Das Haus, das die Verrückten macht" die Mugamma, also das Kairoer Verwaltungsamt ist. - Jetzt weiß ich es: Es ist in Wirklichkeit das Führerscheinamt von Tokyo...
Jeder Ausländer, der in Japan ein Auto fahren, kaufen oder anmelden will, muss dorthin, seinen Führerschein umschreiben. - Dazu benötigt man:
Die Alien Registration Card, den Führerschein im Original, eine Übersetzung des Führerscheins, eine Beglaubigung der amtlichen Übersetzung des Führerscheins, Passfotos, seinen Pass, einige Stunden Zeit und etwas Nerven.
In England und den USA ist die Übersetzung des Führerscheins übrigens nicht nötig, die glauben einem dort sofort, dass das Dokument aus Deutschland kommt. Es steht ja schließlich was mit "Führer" vorne drauf.
Der deutsche Führerschein ist in Japan aber nicht ganz nutzlos: Weil er sehr amtlich aussieht, wird er gerne kopiert, wenn man einen Mobilfunkvertrag abschließt.

Wenn an die benötigten Unterlagen zusammenhat, dann kann man sich nach Samezu im Ortsteil Shinagawa aufmachen. Die erste Hürde ist schon einmal, dass das Führerscheinamt nur mit dem Auto gut erreichbar ist. - Es ist also im Prinzip wie der Flughafen in München... Der ist auch nur mit dem Flieger gut zu erreichen.

Der Trip beginnt also schon im Nahverkehrszug, der einem nach Samezu, einen Vorort von Tokio bringt. Von dort, darf man sich dann durchfragen... Wenn man nach 2 bis 13 Mal verlaufen noch innerhalb der Öffnungszeiten angekommen ist, dann geht der Spaß richtig los. Als erstes zieht man eine Nummer, wenn man dann am Schalter steht, werden die Dokumente auf Vollständigkeit geprüft, dann wird geprüft, ob das mitgebrachte Passfoto auch klein genug für den Antrag ist. Es darf nämlich nicht größer als ein Daumennagel sein. Unsere Passfotos waren natürlich zu groß... Also mussten wir neue Passfotos machen lassen. Vom Schalterraum im zweiten Stock mussten wir ins erste Stockwerk, beim Eingang neue Passfotos machen lassen. Schon lustig, was herauskommt, wenn man einen Sprachdialog mit einem japanischen Passbildautomaten in seiner Muttersprache führt. Ohne die nette ältere Dame von der Rezeption hätten wir wohl heute noch keine Führerscheine.
Mit den Miniatur-Passbildern ging es dann wieder in den zweiten Stock, den Antrag komplettieren. Dort mussten wir dann per Unterschrift erklären, dass wir noch niemals massgeblich gegen japanische Verkehrsregeln verstoßen haben. Haben wir auch nicht, wie denn auch? Ohne Führerschein geht das ja nicht.
Ich will es nicht zu langatmig machen, man muss noch einen Sehtest ablegen, um den Führerschein zu bekommen. Der Sehtest ist echt lustig: Man muss bei der größten möglichen Abbildung erkennen, zu welcher Seite der Kreis geöffnet ist. Man muss nicht mal durch das Gerät gucken, es reicht schon, auf das Gerät zu gucken. Dann muss man noch drei Farben seiner Wahl erkennen. Wenn Stevie Wonder irgendwann mal hinter dem Steuer eines Autos erwischt wird, dann bestimmt mit einem Führerschein, dessen Sehtest er in Japan gemacht hat.
Ziemlich am Ende muss man noch ein offizielles, amtliches Foto machen lassen. Dafür kann man leider nicht das Foto nehmen, dass man ein paar Stunden vorher dem Automaten im Eingangsbereich abgerungen hat. Dazu gibt es eine eigene Fotostelle im dritten Stock, dort werden die offiziellen Fotos gemacht. - Die Fotomaschine ist auf Japaner justiert, damit mein Gesicht aufs Bild gepasst hat, musste ich mich auf einem Schemel von der Größe eines Pfifferlings sehr weit nach hinten lehnen.... Und dann noch etwas weiter nach hinten.
So sieht das offizielle Passbild in meinem japanischen Führerschein jetzt auch aus. - Wenn irgendwann mal in Deutschland in der Zeitung steht, dass sich ein japanischer Polizist beim Anblick eines Führerscheins totgelacht hat, dann war das meiner.

Kurz und gut, nach nur 3,5 Stunden hatten wir endlich unsere Führerscheine. Das Abenteuer geht jetzt weiter... Der Kauf eines Autos steht an, der Parkplatz, der zu unserer Wohnung gehört, kann ja nicht leer bleiben. - Nächstes Wochenende leider nicht, da kommt Besuch aus Deutschland, der alleine völlig hilflos ist und intensive Betreuung braucht.

Aber ich halte Euch über die Mission "Autokauf" auf dem Laufenden, versprochen.

Eigentlich wollte ich mich ja vor der ganzen Sache mit dem japanischen Führerschein drücken, schließlich habe ich ja diplomatische Immunität. - Aber die ist ziemlich überschätzt... Ich hätte sie nicht mal einsetzen dürfen, um unserem Nachbarn Sonntagmorgens um 8.30 Uhr die elektrische Heckenschere straffrei wegnehmen zu dürfen. Sagt jedenfalls die beste Ehefrau, die ich je hatte.

Ach ja, ein Bild gibt es heute auch noch, es ist auch das Beweisfoto für den Führerschein.















Das ist die Ausstattung an Karten, die sich in acht Wochen Japan angesammelt haben: Führerschein, Alien Registration Card, eine beinahe nutzlose Mehrwertsteuerbefreiungskarte, Rabattkarten für Baumarkt und dem örtlichen Elektromarkt. Ganz unten ist, das ohne das man hier ein Niemand ist: Meine Visitenkarte. Aber zu den Karten später mal mehr...

Sonntag, 17. Juni 2012

Die Schöpfungeschichte zum Sonntag...

... lautet: Am neunten Tag schickte Gott jemanden, der einen Kleiderschrank zusammenbauen konnte.
Endlich.

Lieber Leser,
die Funkstille der letzten Tage lässt sich relativ leicht erklären, wir sind umgezogen. Sogar in mehrfacher Hinsicht. Einmal bin ich wieder in die Welt der Apple-Computer umgezogen, nicht so ganz freiwillig, aber ich bin auch nicht sehr unglücklich. Es ist nämlich praktisch unmöglich, hier vor Ort einen Windows-Rechner zu kaufen, der europäisch sprechen kann und nicht Unsummen kostet. Eigentlich unverständlich, spricht doch beinahe jedes Elektrogerät in Europa asiatisch. Spätestens dann, wenn man bei den Einstellung versehentlich auf den falschen Knopf drückt.
Also habe ich mir einen kleinen Tischcomputer in so einem protzigen Obstladen gekauft, wie er auch bald in Berlin eröffnet wird. Richtig toll ist aber eher der USB-Ventilator, der jetzt neben dem Gerät steht und die schwüle Luft im Raum verteilt.

Da war doch noch was, ach ja...
Der große Umzug. Ich hatte gehofft, dass ich es verdrängen kann. Jetzt werde ich es wohl schreibtherapeutisch bewältigen müssen.
Unser Umzug ist Ende April in Berlin eingepackt worden, in einen Container verladen worden, der Container ist auf ein großes Schiff verladen worden. Das Schiff ist nach Japan gefahren.
Das klingt ungefähr so unromantisch wie die moderne Containerseefahrt wohl auch ist. Kein Aufenthalt im Hafen hat länger als 18 Stunden gedauert, dann war der Kutter wieder auf Kurs Yokohama. Da bleibt nicht viel Zeit für die Seefahrer-Romantik von Spelunken, Schlägereien und Syphilis.

Was aber auch ganz gut ist, so ist unser Umzug pünktlich angekommen, er wurde mit japanischer Präzision umgehend zollamtlich kontrolliert und der lokalen Spedition übergeben. Die übernahm am 7. Juni die Aufgabe, den Inhalt des Containers in unsere Wohnung zu verfrachten und die Möbel dort aufzubauen.
Aber bevor auch nur eine Kiste in unsere Wohnung verbracht wurde, wurden erstmal Sicherungsmaßnahmen ergriffen. Man wollte ja erstmal nix kaputtmachen... Erstmal.
Kurzerhand wurde der Aufzug in eine Gummizelle verwandelt.



















Dann haben zehn Japaner alles reingetragen, reingerollt und aufgestellt.
Klingt auch wieder genauso unromantisch, wie es gewesen ist.

Am Ende sah alles so aus:














Insgesamt sind es laut Zoll-Liste wohl 270 Packstücke gewesen. Da muss sich aber jemand verzählt haben. So viele Sachen haben wir nämlich nicht. Teilweise hatte ich beim Auspacken auch häufiger mal das Gefühl, dass man uns den falschen Container untergejubelt hat. Ich habe Kartons mit Dingen geöffnet, die ich vorher noch nie gesehen habe. Meistens sind es aber nur Dinge gewesen, die man zum Putzen oder zum Bügeln benutzt.
Dafür hat die beste Ehefrau, die ich je hatte, beim Auspacken häufiger Kochutensilien in der Hand, die ihr völlig fremd waren. Ihre Frage "Wo soll ich den großen ovalen Kochtopf hinstellen?" konnte ich nur mit einem geduldsamen "Das ist kein Kochtopf" beantworten... Und den Gänsebräter anschließend im Küchenschrank ganz hinten versenken. Wir haben nämlich keinen Keller oder Abstellraum, in dem man so etwas lagern kann.

Aber die richtige Herausforderung sollte noch kommen. Die durchschnittlichen Lieferzeiten der deutschen Möbelindustrie sind nämlich vollständig inkompatibel zu den Arbeitsprozessen im "Amt Westerwelle". Kurz gesagt, wir mussten bereits im Januar Möbel bestellen, die in eine Wohnung kommen sollten, die wir erst im März aussuchen konnten.

Es begabt sich also, dass wir schon bei der Wohnungssuche mehrmal angstvoll die Decken der jeweiligen Wohnung betrachtet haben und dachten. "Na hoffentlich passt der Schrank da rein".

Wir hätten uns besser frage sollen: Hoffentlich kann die Umzugsfirma den Schrank auch aufbauen. Sie konnte nämlich nicht. Japanische Umzugsunternehmen können zwar Möbel tragen, aber keine Möbel zusammenbauen.
Außer IKEA-Schränke, die können sie beinahe zusammenbauen. Zusammenhauen wäre wohl die bessere Bezeichnung. Aber IKEA-Schränke sind ja auch keine richtigen Möbel... Til Schwieger ist ja auch kein richtiger Schauspieler... Sondern nur ein Darsteller.

Nach dem Umzugstag stellte sich die Situation so da: Die ganze Wohnung stand mit Kisten voll, die meisten Möbel standen ungefähr dort, wo sie hinsollten. An allen IKEA-Schränken war irgendwo was beim Zusammenbau abgeplatzt. Im Schlafzimmer lagerten viele Kisten mit einem unzusammebaubaren Kleiderschrank. Dahinter stand unser Bett.

Es hat die ganze folgende Woche über gedauert, bis sich endlich eine Innenarchitekten-Firma gefunden hat, die von sich glaubte, den Schrank zusammenbauen zu können. Man braucht in Japan also Innenarchitekten, um einen Kleiderschrank zusammenzubauen...
Ich frage mich in dem Zusammenhang ernsthaft, wenn man hier ruft, wenn man einen neuen Carport braucht? Sir Norman Foster?... "Guten Tag Herr Foster, mein Name ist Ichi. Ich habe gesehen, dass sie in Berlin so eine hübsche Kuppel auf den Reichstag gebaut haben. So etwas hätte ich gerne auf meiner Garage in Setagaya... Ach, Sie haben keine Zeit... Das ist schade... Dann frage ich mal den Herrn Calatrava."

Aber wie schon in der ersten Zeile angedeutet, nach nur neun Tagen und einem nicht unerheblichen Aufpreis steht auch endlich unser Kleiderschrank. Zusammengebaut von zwei japanischen "Interior Designers".

Wir können uns also als einzogen betrachten. Die Kartons sind nämlich auch schon ausgepackt... Wir sind nämlich fleißig gewesen...
Apropos fleißig, nicht vergessen: Am 23. Juni ist "Tag des öffentlichen Dienstes". Für die Lehrer übrigens nur halbtags.

Sonst ist auch noch einiges passiert...
Ich halte Euch auf dem Laufenden, versprochen.


Mittwoch, 30. Mai 2012

Süßkram, oder was man hier dafür hält...

Meinen Bildungsauftrag wahrnehmend möchte ich hier einmal kurz im Vorspann die Zierde des Weserberglands vorstellen, die Kreisstadt Holzminden.
Holzminden hat alles, was eine Stadt von gut 20.000 Einwohnern haben muss: Einen McDonalds, einen Media-Markt und bestimmt auch einen Bordellbetrieb. McDonalds und Media-Markt kenne ich von eigenen Besuchen.
Holzminden hat aber etwas, dass es von größeren Städten im Ruhrgebiet unterscheidet, es hat nämlich noch eine Industrie. Präziser gesagt: Holzminden ist das Zentrum der europäischen Duft- und Geschmacksstoff-Industrie. Wenn man also in eine Styroportafel beißt, und sich denkt "Mmmm, lecker... Ein Käsebrötchen, das nach Lavendel riecht", dann hat man es mit einem Produkt der in Holzminden ansässigen Industrie zu tun.
In Holzminden kann man also machen, dass Dinge nach etwas riechen und schmecken, das niemals auch nur in der Nähe von besagten Dingen gewesen ist.
Ich glaube, dort ist auch der Geruch von Arbeiterklasse produziert worden, mit dem sich Gerhard Schröder immer dann eingesprüht hat, wenn grad Wahlkampf war.
Vor einiger Zeit hat man sich in Holzminden bestimmt etwas gewundert, als man den Auftrag bekommen hat, rosafarbene Schokolade nach Himbeere schmecken und riechen zu lassen. Als man dann gesehen hat, dass der Auftrag aus Japan kommt, hat man sich aber nicht mehr gewundert.
Der Auftrag ist bestimmt zur Zufriedenheit der japanischen Auftraggeber erfüllt worden. Denn seit ein paar Tagen ist es auf dem Markt.
(Trommelwirbel, Fanfaren, Konfetti!)
Das Kitkat mit Himbeergeschmack!












Es schmeckt so wie es aussieht: Rosa!
Des weiteren noch süß und ganz grauenvoll nach künstlicher Himbeere. Ungefähr so wie Maoam-Kaubonbon mit Himbeergeschmack... Nur noch viel, viel künstlicher.  Es riecht auch so.
Wenn man einen kleinen Doppelriegel isst und sich danach eine halbe Stunde aufs Laufband begibt, dann hat man sich zwar die Kalorien abtrainiert, aber immer noch den fiesen Geschmack auf der Zunge. Es gibt eigentlicht nur zwei Dinge, mit dem man den Geschmack sofort los wird: RedBull oder Aceton... Wobei nur Aceton geschmacklich für eine Verbesserung sorgt. 
Die Verpackung sagt es schon, es ist "Kitkat otona no amasa", also Kitkat für Erwachsene. Den Namen kann ich gut verstehen, ich würde meinen Kindern auch lieber 24-jährigen Single-Malt für ihr erstes Besäufnis geben, als Himbeer-Kitkat als Süßigkeit.
Aber gut, es ist rosa, es ist niedlich, also kauft es bestimmt irgendjemand. Zur Not kommt ein "Hello Kitty"-Aufkleber drauf und man stellt es bei Netto in Dinslaken an die Kasse. Dort glaubt man dann, das es so schmecken muss.  Kommt ja schließlich aus Japan. Und nicht aus dem Garten.

Ich muss es leider schon nach vier Wochen sagen: Die japanische Süßwarenindustrie bietet mehr Enttäuschungspotential als die Facebook-Aktie.
Entweder das Dessert ist gar nicht richtig süß, es schmeckt künstlich, oder die Portion ist zu klein.
Appetitlich aussehende große Keke mit vermeintlicher Schokladenfüllung entpuppen sich beim Reinbeissen als mit rotem Bohnenmus gefüllte Küchenschwämme. Jedenfalls fühlt es sich im Mund so an.

Gut man kann nicht alles haben, dann bringen wir für die beste Ehefrau, die ich je hatte, das Nutella aus Deutschland mit... Und ich gewöhne mir an, Sushi zum Dessert zu essen.

Darüber halte ich Euch auf dem Laufenden, versprochen.

Montag, 21. Mai 2012

Die Freude von tausend Herbsten... Und das alles im Mai.

Was schwerer als Reiner Calmund und hat mehr Schmiere im Haar als Kai Diekmann? - Richtig, ein Sumo-Ringer.
Die Sache mit dem Fett in den Haaren ist aber auch das Enzige, was der Herausgeber der Bild-Zeitung mit einem Sumo-Ringer gemeinsam hat. Ein Sumotori ist nämlich in der Gesellschaft hoch angesehen... Und im Falle von Kai Diekmann will ich nicht ins Detail gehen.

Anlässlich eines krawattenpflichtigen Behördengangs im Mai mit anschließendem Umtrunk haben "die beste Ehefrau, die ich je hatte" und ich Tickets für den Finaltag vom diesjährigen Natsu-Basho bekommen. Das ist ungefähr so, als würde man einem Texaner, der beim Fußball "nur mal gucken" will, ins DFB-Pokalfinale setzen.
Das Natsu-Basho ist das alljährlich stattfindene Frühjahrsturnier der Japanischen Profi-Sumo-Liga. Klingt sportlich, ist es auch. Es ist aber noch mehr, aber dazu später mehr. Vor allem ist es unterhaltsam.
Wenn man Japan auf ein paar Worte reduzieren muss, dann kommen "Sushi", "Sumo" und "Manga" bei mir in die engere Wahl.
Wobei Sushi eine Frage des Geschmacks ist, entweder mag man rohen Fisch auf kaltem pappigen Reis, oder man mag ihn nicht.
Mangas erschließen sich mir noch nicht, ich komme schlicht und einfach mit dem Erzählrythmus der Bildergeschichten nicht klar.

Seit gestern weiß ich, dass Sumo klasse ist, weil es so schön einfach ist:
Zwei Kämpfer versuchen einander aus einem Kreis von 4,55 Meter zu drängen. Man hat verloren, wenn ein Teil des Körpers außerhalb des Kreises den Boden berührt, oder wenn ein anderer Körperteil als die Fußsohlen den Boden im Ring berührt. Es gibt nur eine Runde.
Das ist alles, was man braucht um Sumo zu verstehen. Alles weitere ist Beiwerk. Es gibt kein Abseits, kein Tie-Break und keine Relegation. Dafür gibt es Kämpfe "Mann gegen Mann", große Pokale und Bier im Foyer.

Sumo hat eine lange Geschichte. Es kann gut sein, das es mehr Katholiken als Sumo-Fans gibt, aber dafür läuft die Sumo-Show schon länger.
Der erste Sumo-Kampf soll bereits 23 von Christus stattgefunden haben, man hat also genug Zeit gehabt, einen gewissen zeremoniellen Überbau zu entwickeln. Im Unterschied zur Kirche wird beim Sumo aber nicht mit Weihrauch gewedelt... Und es gibt das bereits erwähnte Bier im Foyer.

















Wenn man diese bunten Fahnen vor der großen Sumo-Halle in Tokyo sieht, dann weiß man, zwei Dinge: Das Basho (Sumo-Turnier) hat begonnen. Und, dass man sich nicht mehr um Tickets kümmern muss, die  wichtigen Tage sind dann nämlich schon ausverkauft.

Die große Sumo-Halle in Ryogoku ist schon an sich beeindruckend, 13.000 Plätze und beste Sicht von allen Plätzen.
















Schon von außen zeigen die Wandgemälde klar und deutlich, was einen ewartet: Männer in knapen Höschen. .. Quasi wie bei den "Chippendales", nur ohne Musik. 














Der ideale Sumo-Ringer hat einen schweren Körper auf möglichst kurzen Beinen, quasi eine Kreuzung aus Tine Wittler und einem Rauhaardackel.

Ich will hier niemanden mit meiner Interpretation von einem Besuch beim Sumo langweilen, wer mal die Möglichkeit hat, der sollte sie ergreifen, es ist ein Erlebnis. Und wenn die einzelnen Rituale und Gesten im normalen Turnier-Ablauf gezeigt werden, dann sind sie auch nicht mehr so klischeehaft.
















Der Herr in der Mitte mit der gezackten Unterhose ist Hakuho Sho, der im Moment einzige aktive Yokozuna, also Sumo-Großmeister. Quasi der Lionel Messi unter den Ringern.
Seine Sekundanten sind links der Schwertträger, er soll durch das Schwert in seiner Hand symbolisieren, dass  sein Meister den Rang eines Samurai bekleidet. Der Sekundant rechts ist der Tsuyuharai, übersetzt bedeutet das "der den Tau wischt".

Der Yokozuna wischt auch, nämlich einmal den Ring mit der weißen Schürze, die vor seinem Bauch hängt. Das sieht dann so aus:















Am knackigen Hintern von Hakuho Sho sieht man, dass er eher der Christano Ronaldo des Sumos ist. Mit Ronaldo und Messi hat er auch die Vorliebe für Models gemeinsam, er ist nämlich mit einem japanischen Model verheiratet.
Die Zeremonie dauert erheblich länger, als der eigentliche Kampf.
















Der ist auch gestern nach ein paar Sekunden zu Ende gewesen. Nämlich nachdem Hakuho Sho seinen Gegner aus dem Ring gedrängt hat. Das sah dann so aus:















Nach diesem Kampf des Großmeisters war das Turnier zu Ende. Der Turniersieger hat einen Haufen Pokale bekommen. Das ist ein anderer Unterschied zum Fußball: Beim Fußball bekommen 11 Spieler einen Pokal. Beim Sumo bekommt der Sieger mindestens elf Pokale.

Er hätte den Bayern am Sonntag also ruhig einen Pokal abgeben können, dann wären die nicht mehr so traurig gewesen. Aber so einen Pokal muss man sich verdienen.

Ach ja, die Überschrift: "Die Freude von tausend Herbsten"... So hat ein japanischer Dramatiker mal den letzten Tag eines Sumo-Turniers bezeichnet. Was er damit genau gemeint hat, weiß ich nicht. Man kann die Freude aber auch verschlafen:













Das soll es vom Sumo gewesen sein, bei uns steht in diesem Jahr noch ein Besuch beim Baseball an.

Darüber halte ich Euch auf dem Laufenden, aber vorher gibt es die Tage noch eine Geschichte von meinem Besuch bei Tora-San... Und was Bier-Bonbons und Richard Gere damit zu tun haben.