Samstag, 4. Juli 2009

Der Sommer in Berlin...

ist irgendwie komisch.
Ich habe in meiner Jugend wohl nicht genug von dem FCKW-haltigen Haarspray benutzt.
In Kairo hingegen gibt es klar strukturierte Jahreszeiten: Im März regnet es das letzte Mal. Dann fängt es an wärmer zu werden. Nicht, dass es vorher kalt war. Die Durchschnittstemperatur steigt bis zum Juni auf knapp 40 Grad. Im Juli und August wird es dann richtig warm.

Aber es ist trocken. Eine trockene Wärme, nicht diese verkackte Schwüle, die wir hier momentan in Berlin haben. Was soll überhaupt dieser Unfug mit diesen Gewittern? Warum muss es eigentlich jeden Abend in einem anderen Bezirk ein Gewitter geben? Kann man nicht am Montagabend einmal ein Gesamtgewitter über der ganzen Stadt veranstalten? Und dann ist bitte für den Rest der Woche Ruhe.

Aber das ist wahrscheinlich der Preis, den man dafür bezahlen muss, dass in Berlin die Kühlschränke kein Eigenleben besitzen.

Freitag, 3. Juli 2009

Leere, Stille, Dosenpfand

Zurück in Berlin! Das bin ich schon ein paar Tage.
Kairo liegt nur eine Zeitzone zurück, also habe ich leider keine Chance, glaubwürdig über mein Jetlag zu jammern.
Ich muss meine Schläfrigkeit also mit anderen Ausreden rechtfertigen. Wahrscheinlich hat mich auf dem Balkon mit Nilblick eine Mücke gestochen, die mich jetzt zu einem Langschläfer mutieren lässt. Da hat die Mücke aber auch nicht viel zu tun.

Im Landeanflug auf Berlin fiel mir natürlich auf, wie grün Berlin ist. Das kann man als positiven Eindruck auslegen.
Beim Aussteigen fand ich zwar nicht, dass es kalt war. Aber es war die Abwesenheit von warm.
Als ich in das dienstleistungsorientierte Gesicht der Bundespolizistin bei der Einreise geschaut habe, da klang es mir in den Ohren: Willkommen im Land vom Dosenpfand.

Es gibt wohl keinen schlechteren Wiedereinstieg, den man in die Bundesrepublik Deutschland haben kann, als über Berlin-Schönefeld einzureisen. Selbst wenn man dieses Terminal mit Blattgold überzieht und über Marmorfußböden verlegt, es wird immer noch die Atmosphäre der DDR mitschwingen. Immerhin wurde während meiner Anwesenheit kein Abflug der Interflug nach Havanna aufgerufen.

Ein kurzer Spaziergang durch die Mark Brandenburg brachte mich zur Regionalbahn, die Bahn brachte mich in die Stadt zurück, die ich mal für groß gehalten habe.
Als ich vom Savignyplatz zu mir gelaufen bin, überkam mich ein Gefühl von Einsamkeit. Es waren so wenig Menschen auf der Strasse. Und es ist so still!

Der Unterschied ist unglaublich, die Stille in der Stadt, und es sind so wenige Menschen auf der Strasse. Während unseres Aufenthaltes in Kairo gab es niemals eine Situation, in der wir irgendwo ausserhalb der Sichtweite anderer Menschen waren. Egal wo wir waren, es waren immer andere Menschen ium uns herum. In der Schlüterstrasse hatte ich den Gehweg über hunderte von Metern für mich ganz allein.
Ich fand es auch überraschend, dass Taxifahrer an mir vorbeifahren können, ohne mich anzuhupen.

Am Donnerstag habe ich meine Rikscha übernommen, ein Schmuckstück. Bei der Überführungsfahrt von Neukölln nach Charlottenburg habe ich etwas benutzt, dass ein Kairoer als die grösste denkbare Platzverschwendung in einer Stadt bezeichnen würde. Einen Fahrradweg!
Ich hoffe, dass ich niemals in die Verlegenheit kommen werde, einem Kairoer erklären zu müssen, wozu man Busspuren braucht.

Dienstag, 30. Juni 2009

Harzer Roller...

... gab es leider nicht auf dem Rückflug, jedenfalls nicht für alle.
Als ich in der Lounge saß und den wartete, dass die Schlange zum Boarding kürzer wurde, vernahm ich folgenden Dialog:

"Charter! Ehh... Die haben doch bestimmt keine Business-Class"
"Business hätten wir über Frankfurt fliegen müssen, so sind wir viel früher wieder in Berlin"
Die letzte Äußerung wurde in einem Tonfall gemacht, den man benutzt, um kleinen Kindern klar zu machen, dass es kein Erdbeereis gibt, wenn sie gerade eine große Portion Schokoeis in der Hand halten.

Ich habe ihn sofort erkannt, wem man den Flug, für den man schon eingecheckt hatte, noch schmackhaft machen musste. Er war es, der "Harzer Roller" himself. Unser hoch geschätzer Bundesminister für Umwelt und Reaktorsicherheit, Sigmar Gabriel.
Er war gerade auf der Rückreise aus Sharm El-Sheikh, dort hatte er sich bei der konstituierenden Sitzung von IRENA, der internationalen Agentur für erneuerbare Energien über den Tisch ziehen lassen.

Wo ist eigentlich die Flugbereitschaft der Bundeswehr, wenn man sie mal braucht? In einer Transall müsste Siggi Pop doch genug Auslauf haben. Die kleinen Challengers dürften ihm, um die Hüften, zu eng geschnitten sein.

Lieber Herr Minister!
Die EgyptAir ist die staatliche Fluggesellschaft von Ägypten. Das ist das Land, in dem es so warm ist. Eine Chartergesellschaft ist etwas anderes. Easyjet ist auch nicht die Staatsfluglinie von Jamaica...

Übrigens gab es doch eine Business-Class, extra für den ehemaligen "Beauftragter für Popkultur und Popdiskurs der SPD".
Ich habe mich beim Start mit zwei Dingen getröstet. Erstens war weiter hinten im Flieger meine statistische Überlebenschance größer. Außerdem bin ich mir sicher, dass ich im Oktober noch einen Job habe.
Aus der Nähe betrachtet gab es noch eine Sache: Ich habe eindeutig den kompetenteren Friseur.

Sigmar Gabriel ist übrigens der Grund dafür, dass ich Knut den Eisbären nicht leiden kann. Beim ersten, publicityträchtigen Auslauf des Eisbären hat das doofe Viech nicht einmal ansatzweise versucht, den Minister zu fressen. Dabei war er ganz nah dran.
Was hätte man denn noch machen können? Den Minister mit Speckstreifen einreiben?

Frühstücks-Sushi...

...nimmt man auch nur, wenn man um 4.30 Uhr Ortszeit zum Arbeiten aufgestanden ist.
Ich habe meine letzten ägyptischen Pfund in eine Portion Sushi und ein Mineralwasser am Flughafen angelegt. Mich das letzte Mal darüber gewundert, warum in Ägypten immer und überall viel zu viel Personal rumsteht, dass am Ende dann auch nicht effektiv ist, weil es ständig miteinander quatscht.
In Ägypten ist Essen ein geselliges Erlebnis. Offensichtlich auch, Ausländern beim Bezahlen ihrer Nahrung zuzuschauen.
Jetz sitze ich hier und blogge die letzten Pfund Guthaben vom meinem Mobinil-Internet-Stick.

Der Trip zum Flughafen war mal wieder eine Reise ins Chaos. Diesmal trifft die Ägypter aber keine Schuld. Sondern das Reisebüro, das für das Auswärtige Amt die ganzen Dienstreisen bucht. Die haben nämlich auf das elektronische Ticket Terminal 1 geschrieben. Es ist aber Terminal 3. Und das auch erst seit ca. 5 Jahren.
Also habe ich mir meine letzte Portion Sonne beim Warten auf einen Shuttle-Bus abgeholt. Der hat mit mir eine lustige Rundfahrt um den Flughafen gemacht. An das andere Ende.

Dann eingecheckt, und jetzt fliegt mich hoffentlich die EgyptAir nach SXF zurück. In die Stadt, wo die Taxifahrer zwar nicht ständig hupen, aber trotzdem kein besseres Image haben. Dafür sind die Autos gefedert.

Ehe ich es vergesse, das Sushi am Flughafen Kairo schmeckt nicht, auch nicht zum Frühstück.

Montag, 29. Juni 2009

Und jetzt in einem Satz..

Kairo ist wie ein großer Bruder:
Er ist gemein, er nervt, er ist viel zu selten nett. Aber trotzdem mag man ihn.

Versuch eines ersten Fazits...

So, der harte Teil ist auch geschafft. Ich habe gerade in Downtown Kairo die Sitzbezüge für die Rikscha abgeholt, die ich dort habe nähen lassen.
Zweimal Taxi, zweimal Stau, zweimal in absoluter Mittagshitze durch eine knallvolle Stadt.
Mittendrin im absoluten Verkehrschaos lieferte ein Melonenägypter seine Ware aus. Mit einem Pferdefuhrwerk. Natürlich entgegen der Fahrtrichtung.
Ich wollte den Taxifahrer eigentlich bitten, dass er mir seine Flüche kurz aufschreibt. Damit könnte ich auch in Berlin noch die Massen am Brandenburger Tor beeindrucken. Wenn man die paar Hanseln überhaupt noch als Massen bezeichnen kann.

Jetzt muss ich mich auch schon langsam wieder mit meiner Rückreise auseinandersetzen. Koffer packen, und versuchen die ganzen Sitzbezüge ins Gepäck zu kriegen. Es war absolut überflüssig etwas langärmeliges mitzunehmen.

Wenn ich auf die letzten vier Wochen zurückblicke, dann war es eine einzigartige Erfahrung. Nächstes Jahr lebe ich 25 Jahre in Berlin, ich dachte immer, dass es eine Großstadt ist. Dunkeltuten! Gegen Kairo ist alles piefig.
Vielleicht noch Lagos, Shanghai, Mexico City und Rio.
Aber in all dieser Hektik und dem Chaos ist eine erstaunliche Ruhe. Und eine Sicherheit, Petra und ich haben uns nicht ein einziges Mal unsicher gefühlt.
Klar versucht jeder Taxifahrer uns erst einmal über den Löffel zu ziehen, uns haben auch die Schlepper angequatscht, die versuchen uns in irgendwelche Basare zu locken. Da helfen einige Variationen des Wortes "Nein", Am Anfang noch "Nein, Danke", dann nur noch "Nein".

Wir haben Ägypter kategorisiert. Und zwar in die Anzahl der Neins, die sie brauchen, bis sie uns in Ruhe lassen.
Den Rekord hält der 9-Nein-Ägypter mit den T-Shirts vor den Pyramiden.
Ansonsten triftt man in der Stadt meist 2- oder 3-Nein-Ägypter.
Auf den Touristen-Basaren gibt es auch noch ein paar 5-Nein-Ägypter, da hilft dann einfach weitergehen.
Aber es gibt eine Grenze, niemand fasst einen an.

Sollte man diese Stadt besuchen? Ja.
Sollte man in dieser Stadt gelebt haben? Ja, wenn man es warm und spannend mag. Aber es ist kein Luftkurort.

Sonntag, 28. Juni 2009

Blamage vorprogrammiert

Wie kann man sich als Europäer am schnellsten in Ägypten blamieren?
Man trägt Shorts. Kein Ägypter würde sich jemals in Shorts auf der Strasse zeigen. An Strand und Pool, OK. Aber niemals auf der Strasse. Da wo Frauen, wenn sie Bein zeigen zeigen, meist peinlich angestarrt werden, da werden Männer in Shorts nicht lange angestarrt. Weil die Ägypter dann meist beschäftigt sind, sich das Lachen zu verkneifen.
Dabei ist es völlig egal ob es Bermudas sind, oder die geblümten Badeshorts in Neonfarben, die bei längerem Anschauen zu Netzhautablösungen führen.

Ich habe mich relativ konsequent an diese Regel gehalten, bin in langen Hosen um alle Pyramiden gestapft. In Moscheen und Kirchen sowieso. Nur da wo es ohnehin egal war, da habe ich auch Bein gezeigt. Im ägyptischen Museum.
Da hatte ich allerdings Angst, dass ich mir meine blassen Beine schmutzig mache.
Ich habe auch ein paar Beispiele von Touristen in Shorts gesehen, bei denen ich den Anblick auch peinlich fand. Meist lag es dann aber entweder an den Socken und/oder den FlipFlops, mit denen der Tourist gerade in etwas stand, von dem ich nicht wissen möchte, aus welchem Tier es einmal fiel.
Unser Programm war auch völlig ungeeignet, um es in Shorts zu absolvieren. Ich hätte an manchen Stellen in Kairo hygienische Bedenken gehabt.

Heute Abend brauchten wir keine solchen Bedenken zu haben, wir haben nämlich praktisch meinen Abschied vorgefeiert. Wir waren noch einmal über den Dächern von Kairo, im Al-Azhar-Park. Das Essen war einmal mehr sehr lecker, der Ausblick überwältigend. Außerdem hatten wir noch etwas zu feiern. Petra hält es nämlich heute mit mir genau ein Jahr aus. Wenn das kein Grund zum Feiern ist?

In Koptenhausen

Uns sind mit Sicherheit viele Sehenswürdigkeiten Kairos entgangen, wir waren nicht bei allen Pyramiden, die in dem Land so herumstehen.
Aber wenn die Pharaonen auch so eifrige Bausparer sind. Kein Ägypter guckt sich ja auch alle Eigenheime in Baden-Württemberg an.
Uns fehlen auch noch einige Moscheen, aber auch hier kann man keinen Absolutheitsanspruch stellen. Wir werden in unserer Zeit aber mit Sicherheit mehr gesehen haben, als der durchschnittliche Tourist. Ist ja auch nicht schwer, wir waren auch länger da. trotzdem ist die Zeit sehr schnell vergangen.
Gestern haben wir noch einen Besuch im koptischen Teil von Alt-Kairo eingeschoben.
Das Wetter spielte mit, es war nicht ganz so heiß wie in den letzten Tagen. Aber eigentlich immer noch zu warm. Aber wir sind ja nicht zu unserem Spaß hier, also wurde mir nach dem Frühstück das kleine Expeditionspaket auf den Rücken geschnallt und es ging ab zur U-Bahn.
Das alte koptische Viertel ist bequem per U-Bahn zu erreichen. Also gibt es dort niemanden, der einem Ritte auf Kamelen oder Kutschfahrten verkaufen will.
Dafür sind die Getränkepreise und die jugendlichen Verkäufer selbiger besonders dreist.
Aber wir sind ja nicht mit der U-Bahn durch die Stadt gefahren, um uns über Getränkepreise aufzuregen. Der Eintritt in das koptische Museum beträgt 50 Pfund und jetzt weiß ich auch, wo die Putzfrauen arbeiten, die im Ägyptischen Museum fehlen.
Dort ist es sauber und aufgeräumt, angenehm temperiert und ruhig.
Die Kopten sind zwar eine Minderheit, mit einem Anteil von 6-10% der Gesamtbevölkerung Ägyptens aber keine kleine Minderheit. Auch sind sie nicht auf bestimmte Berufe oder soziale Schichten diskrimminiert. Der Dagobert Duck von Ägypten, Onsi Sawiris ist Kopte, genau wie Butros Butros-Ghali.
Der anschliessende Besuch einiger koptischer Kirchen war interessant, wenn auch nicht so beeindruckend.
Vielleicht stellt sich auch langsam eine gewisse Kairo-Müdigkeit bei mir ein. Ich kann einfach keine ägyptischen Andenkenhändler mehr sehen. Ich will keine Pharaonen, Shishas, Alabaster oder Parfüm - Ich will meine Ruhe.
Vielleicht sollte ich mir das auf ein T-Shirt drucken lassen...

Un der nächste Taxifahrer, der mich anhupt bekommt nur noch einen bösen Blick.

Freitag, 26. Juni 2009

Hakuna Matata


Es gibt eine Hölle für Vegetarier. Wir waren dort, und es war lecker!

Bis jetzt dachte ich, dass die Vegetarier-Hölle eine CMA-Leistungsschau der Schlachterinnung im Niederallgäu wäre. Seit heute weiß ich es besser.
Die Hölle heißt Carnivore und ist ein Restaurantschiff auf dem Nil. Auf verschlungenen Wegen hat es uns heute dorthin verschlagen.
Heute morgen hatte ich ganz plötzlich frei. Das hatte damit zu tun, dass Michael Jackson die endgültige Rückreise auf seinen Heimatplaneten angetreten hat. Da waren meine Witze nicht gefragt. Warum eigentlich?
Also konnte ich heute schon um 7 Uhr direkt wieder ins Bett gehen. Das haben wir dann auch ausgenutzt und bis kurz vor 13 Uhr geschlafen. Dann gab es ein Frühstück und die gemeinsame Entscheidung, das es noch zu warm ist. Es ist wirklich verdammt warm geworden. Nach einem kurzen Mittagsschlaf stellte sich am Abend die Frage was tun? Es ist schließlich Wochenende.

Also haben wir etwas gemacht, was wir vorher noch nie gemacht haben, nämlich zuerst im Reiseführer gelesen. Dann sind wir aufgebrochen. Nach Dokki. Das ist ein südwestlicher Randbezirk von Kairo. Mehrere Kollegen von Petra wohnen dort. Jetzt, wo wir dort waren, müssen wir uns fragen, warum? Es ist nicht schön, breite Strassen, Hochhäuser, wenig Grünzeugs. Wie das Märkische Viertel, nur häßlich. Also sind wir Richtung Nil gelaufen, an der Niluferstrasse entlang.

Dort ankern Restaurantschiffe, es ist bei den Upper-Class Ägyptern schick, dort zu essen. Am beliebtesten sich Motto-Restaurants. Le Pacha, Nile Peking, TGI Fridays.
Es muss dort auch einmal ein chinesisches Restaurantschiff gegeben haben. Nachdem die Eigentümer beschlossen haben, dass sie zu reich geworden sind, wurde es gekapert. Von somalischen Fleischpiraten.
Die betreiben dort ein "All you can eat"- Fleischrestaurant. Die Einrichtung entspricht ist afrikanisch, also lustige Malereien und Fruchtbarkeitsmasken aus Holz. Die scheinen zu helfen, viele Ägypter waren mit kleinen Kindern da.
Keine Klimaanlage, keine Fenster, ein leichter Luftzug. Sehr angenehm.
Das Konzept ist ziemlich auf Erlebnisgastronomie ausgerichtet, man nimmt Platz bekommt seine Getränke und es geht los. Auf dem Tisch steht eine kleine weiße Fahne. Solange die Fahne aufrecht steht, solange serviert man Nachschub. Die Kellner kommen mit großen Spiessen, an denen ein ganzer Truthahn, eine Lammkeule, Strauß, Rinderbraten oder 37 Chicken Wings aufgepflockt sind. Mit einer Machete wird das Fleische scheibenweise heruntergeschnitten. Man bekommt so viel man will, und man will alles mal probieren. Komischerweise funktioniert das prima, man bekommt von allem nur kleine Portionen, wenn man es möchte. Auf Wunsch wird auch der ganze Truthahn in Scheiben vorgelegt.
So konnten wir uns durch diverseste Variationen von Fleisch hindurchprobieren. Sehr lecker sind auch kleine Fleischklopse aus Strauß, oder kleine, scharfe Lammwürstchen.
Zwischendurch gibt es eine afrikanische Trommeldarbietung. Während der Darbietung gibt es keinen Service. Nicht aus Respekt vor den Künstlern, sondern weil dort die Kellner selber trommeln müssen.

Für Vegetarier gibt es auch etwas, nämlich eine Tür mit dem Schild "Ausgang".

Hat man genug, also das Gefühl erreicht, dass man gleich platzen wird, dann legt man die Fahne auf den Tisch. Daher kommt wohl der Begriff "die Fahne streichen".

Zurück ging es per Taxi, wir waren zu vollgefressen, um noch ca. 5 Kilometer nach Hause zu laufen.
Morgen wird wieder gelaufen.
Nach dem Ausschlafen.

Dann geht es zu den Kopten, wir müssen doch alle Religionen abarbeiten. Petra hat auch noch ein paar Kirchengutscheine zum Einlösen.

Donnerstag, 25. Juni 2009

Die Stadt und der Müll


In Berlin, Prenzlauer Berg wurde jetzt das erste Grillverbot verhängt. Anwohner hatten sich über Lärm nach Mitternacht, Qualm und liegengelassenen Müll beklagt.
Es ist doch völlig klar, dass die zugewanderten Schwaben, die hier in Berlin sitzen, irgendwas mit Medien arbeiten, drei Kinder mit insgesamt 16 Vornamen und 4 Bindestrichen haben, ein Recht auf absolute Stille nach 22. 00 Uhr haben. Darf es noch die Einführung der Kehrwoche sein?

Liebe nach der Wende Zugereiste: Wenn ihr Euch darüber ärgert, dass Ihr Euch eine überteuerte, schlecht sanierte Altbauwohnung in einem "Szenekiez" habt andrehen lassen, dann lasst Euren Zorn gefälligst nicht an den Nutzern der Grünanlagen aus.
Ihr hättet mal auf Eure Mutter hören sollen und Lehrer an der Berufsschule in Balingen werden sollen. Das ist was Sicheres, und da geht nach 20 Uhr keiner mehr auf die Strasse. Vor allem seit es beim Daimler Kurzarbeit gibt.

Ich hätte diese Geschichte schon in Berlin lächerlich gefunden, aber aus dem Kairoer Blickwinkel
ist sie geradezu absurd.
Es gibt hier keine geräuschlosen Klimaanlagen, warum auch? Wenn man vom leichten Brummen der Klimaanlage in den Schlaf getragen wird, dann hört man das Hupen der Autos nicht mehr.
Qualm, Geruch und Smog sind Kairo, Kairo ist Qualm, Geruch und Smog. Es gibt zwar Regeln für LKWs, die nur in der Nacht in die Stadt dürfen. Aber das verlagert die Grobstaubbelastung nur in die Nacht. Wenn Kairo nicht so günstig im Nildelta liegen würde, dass es fast nie windstill ist, dann wäre diese Stadt schon zu Sadats Zeiten erstickt.

Müll ist ein unendliches Thema. Ich könnte mir einreden, dass unser Schlund zu Hölle direkt in den Mittelpunkt der Erde führt und unser Müll dort direkt vom heissen Erdinneren verflüssigt wird. Dann quillt er in Italien wieder an die Erdoberfläche und erfreut dort die Touristen beim nächsten Ausbruch des Ätna.
Leider ist es nicht so. Vielleicht ist das Thema Müll in Kairo wirklich das größte Problem, das diese Stadt hat.
Es gibt keine Müllentsorgung. Jedenfalls im klassischen Sinn, dass der gesamte Müll in der Stadt eingesammelt und entsorgt wird.
Es gibt Müllmenschen, die den Müll, der Häuser einsammeln. Die nehmen aber nicht den Müll mit, der auf der Strasse liegt. Den Müll auf der Strasse sammeln andere ein. Aber auch nicht allen Müll in allen Strassen.
Wir sehen diese Menschen abends über die Strassen wuseln, sie haben grosse Kunststoffsäcke, in diesen Säcke wird der Müll grob vorsortiert. Nachts wird der Müll dann abgeholt. Angeblich mit Eselkarren. Aber wahrscheinlich auch schon mit LKWs.
Der Müll wird von diesen Müllmenschen als Rohstoff betrachtet. Es sind meist Kopten, sie halten Schweine, die mit dem Müll gefüttert werden. Die Schweinegrippe-Paranoia hat in Kairo dazu geführt, dass alle Schweine die diese Menschen hatten getötet wurden. Jetzt werden wieder neue Schweine gezüchtet, die dann weiter den Müll fressen.
Die hygienischen Bedingungen in denen diese Menschen leben, sind wohl haarsträubend.
Ein Kairoer Hausbesitzer muss dafür bezahlen, dass sein Müll von den Kopten abgeholt wird. Das Geld treibt der Bawab bei den Bewohnern ein. Je wertvoller der Müll für den Einsammelnden ist, desto günstiger wird es. Umsonst ist es trotzdem nie.
Je besser das Wohnviertel, desto höher ist der Anteil an wertvollen Stoffen im Müll, desto besser ist die Qualität der Entsorgung. Der Müll wird also nur irgendwo weggeholt, wo es sich lohnt.
Jeder Kairoer Ladenbesitzer oder Bawab fühlt sich dafür zuständig, dass vor seinem Haus kein Müll liegt, also liegt der Müll auf der Strasse, in Ecken, auf leeren Grundstücken, im Nil oder dort wo der Wind ihn hinträgt.
Selbst an den Pyramiden gibt es solche Dreckecken.
Wenn Müll ein Rohstoff ist, dann sind die Ägypter die Ölscheichs des nächsten Jahrhunderts.

Liebe Anwohner von Prenzlberg, die ihr gegen die Griller geklagt habt, kommt nach Kairo, schaut Euch um. Lernt Gelassenheit oder werdet wahnsinnig. Wenn Ihr wahnsinnig werdet, dann fliegt Euchg der ADAC in die Nervenklinik in Tübingen. Da ist es dann schön ruhig.

Mittwoch, 24. Juni 2009

Kairo-Koller...


Ich will mich nicht beschweren, erstens habe ich es mir ausgesucht, zweitens ist es hier wirklich nett.
ABER. Und dieses Aber muss ich wirklich groß schreiben.
Kairo ist keine Stadt für Anfänger, sie hat, wenn man als Europäer hier leben will/muss/darf doch einige Eigenheiten.
Es gibt nicht den konkreten Punkt, der zur Beschwerde Anlass gibt. Es sind eher die Besonderheiten, die vielen Menschen, der ständige Verkehrslärm, die Umweltverschmutzung.
Die Eigenschaften, die man den Kairoern nachsagt, stimmen alle.
Sie sind zum Beispiel wahnsinnig freundlich. Die Taxifahrer sind so freundlich, jeder würde uns gerne mitnehmen. Das zeigt er mit einem freundlichen Hupen an. Gestern Abend hatten wir Probleme das Restaurant wiederzufinden, ein freundlicher Kairoer hat uns den Weg gezeigt, er hat uns gleich noch einen Basar gezeigt, wo wir wahnsinnig freundlich empfangen wurden. Er hatte wohl auf unsere Dummheit und eine freundliche Provision gehofft.
Uns blieb keine andere Wahl, als uns freundlich zu verabschieden.

Und mit einem freundlichen Lächeln auf den nächsten freundlichen Ägypter zu warten, der uns Papyrus, Parfüm oder Alabaster andrehen will.

Nach mehr als drei Wochen merkt man den Unterschied zwischen Tourist in Kairo zu sein, und in der Stadt zu leben. Und der ist gewaltig.

Dienstag, 23. Juni 2009

Koshary 2.0


Ich hatte es dem Kellner angedroht, wir kommen wieder.
Und wir waren noch einmal Koshary essen. Wieder zu einem Preis, der jeder Beschreibung spottet. Wir mussten wieder in den zweiten Stock, weil dort der Kellner arbeitet, der englisch spricht. Dort bekamen wir wieder die gleichen Plätze zugewiesen. Essen, Getränke und Nachtisch waren auch identisch, die Summe der Rechnung auch.
Und täglich grüßt das Murmeltier.
Weil auch wieder unsere Sorgen, ob man von so einem kleinen Teller Nudeln, Reis und Linsen, übergossen mit Tomatensauce, Kichererbsen und Röstzwiebeln satt werden kann, sich als unnötig herausstellten.
Diesmal hatten wir allerdings einen Fotoapparat mit, so kann ich das einmalige Äußere dokumentieren.
Noch skurriler wird der Laden, wenn man die Umgebung betrachtet, eine Strasse, in der sonst nur Autowerkstätten sind, die die Fahrzeuge auf der Strasse reparieren.

Der Erlebnisfaktor dieses Ladens ist höher als beim Ägyptischen Museum, und man wird auch noch satt. Zwei Personen zum Preis einer halben Eintrittskarte.

Wenn man sich das Bild genauer anschaut, dann sieht man, das "Abou Tarek" auch "Abo Tarek" geschrieben wird. "Abu Tarek" wäre auch korrekt. Es gibt keine verbindlichen Transliterationsregeln aus der arabischen Schrift. Jede Schreibweise ist richtig.
Das macht die Benutzung von Stadtplänen auch nicht einfacher. Man findet einen Strassennamen in einem Reiseführer oder einer Restaurantwerbung. Im Stadtplan wird die Strasse aber ganz anders geschrieben.
Eigentlich ein Grund Arabisch zu lernen, wenn es nicht so furchtbar schwer wäre.

Die unverbindlichen Transliterationen können manchmal ulkige Blüten treiben. Auf dem Heimweg habe ich bei einem Buchhändler die Titel von zwei Biographien gesehen. Sie waren auf arabisch, lediglich die Name der Biographierten waren in lateinischer Schrift geschrieben. Die Fotos kamen mir bekannt vor, aber wer waren "Romel" und "Heitler"?

Kairo bietet wohl doch mehr Fragen als Antworten.

Pimp my Rikscha...


So, die letzte Woche ist angebrochen, langsam muss ich mich wieder um meine Karriere im Metropölchen Berlin kümmern. Nachdem die Chinesen es endlich geschafft haben, meine Rikscha zu verschiffen, der Zoll auch mit den Papieren klar ist, wird sie bald in Berlin einsatzbereit sein.
Natürlich mit der ägyptischen Note, nämlich entsprechenden Sitzbankbezügen aus schwerer ägyptischer Baumwolle. Der Berliner Rikscha-Mogul war so nett, wir die Masse zu mailen. Petra und ich haben uns abseits der Touristenpfade durch die Handwerksbasare Kairos gewühlt. Bei einem Sonnenschirmhersteller sind wir fündig geworden. Er spricht genug Englisch, er hat den Stoff und das know-how.
Jetzt hat er einen Auftrag, etwas herzustellen, von dem er nicht so recht weiß, wofür es ist.
Meine Geschichte mit dem Fahrradtaxi in Berlin klingt für Ägypter wohl zu unglaubwürdig. Fahrradfahrer geniessen hier ein Ansehen, dass wohl nur knapp über dem einer Fruchtfliege liegt. Im Kairoer Verkehr wird die Lebenserwartung eines Radfahrers auch nicht vel höher sein. Egal, ich habe eine Anzahlung gemacht, er wird pünktlich liefern. Inschallah!
Wenn er nicht gerade mit Spezialaufträgen für Berliner Rikschisten beschäftigt ist, dann stellt er Sonnenschirme und Markisen her. Handarbeit aus unglaublich schönem, bunten Stoff. Wirklich schade, dass solche Dinge immer so schlecht in den Flieger gehen.

Montag, 22. Juni 2009

Wir brauchen Strohhalme...


... das ist der Gedanke, der mir jedes Mal durchs Hirn schießt, wenn ich in der Wohnung etwas trinke. Die Hitze macht uns langsam zu schaffen, es ist inzwischen wesentlich heißer als bei unserer Ankunft. Langsam kommt hier in Kairo der Sommer in Gang.
Also trinken wir viel, Mineralwasser gibt es in handlichen 0,6 Liter Flaschen. Praktisch, man kann sie kühlen und dann zügig austrinken.
Wenn man dann den Kopf in den Nacken legt, dann fällt es mir wieder ein. Wir brauchen Strohhalme.
Das hat nichts mit meinen Zähnen zu tun, sie sind nicht kälteempfindlich. Es liegt an den Deckenlampen in der Wohnung. Sie sind hässlich. Fast alle.
Die, die nicht hässlich sind, sind ultrahässlich. Das hat nichts mit dem Zeitgeschmack zu tun, sie waren schon hässlich als sie noch irgendwo in der DDR-Botschaft hingen. Da fiel es nur nicht so auf, weil sie nicht das Einzige waren, das scheußlich war.
Wenn wir uns also nach der nächsten Bundestagswahl über eine Steuererhöhung ärgern, dann kann ich mich damit trösten, dass vielleicht von den Mehreinnahmen neue Deckenlampen in der Kairoer Dienstwohnung gekauft werden.
Dann könnten diese Gelder nicht für etwas anderes verschwendet werden. Und man kann in der Wohnung beruhigt beim Trinken den Kopf in den Nacken legen. Völlig angstfrei.

Schuhe bitte ausziehen


Petra ist noch in der Visafabrik, meine Pflichten als Hausmann sind abgearbeitet. Gerade bin ich dabei, mich durch die Bilder der vergangenen Wochen zu clicken. Da habe ich es gefunden, ein Bild, das mir erklärt, warum wir immer und überall als Touristen erkennbar sind.

Vor jedem Moscheebesuch muss man die Schuhe ausziehen. Das ist so, man stellt sich ja auch schließlich vor dem Reichstag in der Schlange an. Wer sich nicht in der Schlange anstellen will, für den habe ich einen Tipp. In einer Moschee aber ziehe ich mir auch die Schuhe aus.
Problematisch wurde es beim Besuch der Mohamed Ali Moschee in der Zitadelle. Normalerweise kann man seine Schuhe nämlich beim Bawab am Eingang der Moschee abgeben. Hier nicht, weil man die Moschee durch einen anderen Ausgang wieder verlässt.
Hier muss man die Schuhe mitnehmen, Schilder erinnern einen in der Moschee daran, dass man die Schuhe nicht auf dem Boden abstellen darf. Touristen können manchmal echt doof sein.
Es kann sehr lustig sein, anderen Touris zuzuschauen, wie sie versuchen Fotos zu machen, und dabei ihre Schuhe unter dem Arm balancieren.
Es empfiehlt sich auch das Tragen von Socken. Der Steinfußboden kann sehr heiß werden. Sagt Petra.

Bei den Haushaltsgeräten nichts Neues...

Man mag es kaum glauben, aber an der Haushaltsgerätefront herrscht relative Ruhe.
Die Waschmaschine tut gelegentlich ihre Pflicht, Fernseher und Sat-Anlage bieten das gleiche langweilige Programm wie in Deutschland. Nur mit dem Unterschied, das wir hier eine eingeschränkte Auswahl haben. SAT1, Pro7, Kabel1 und den RBB. Das ZDF bekommt man nur morgens.

Mit dem Kühlmonster habe ich einen fragilen Frieden geschlossen, ich mache ihn nicht mehr im Internet schlecht, dafür sprengt er meine Cola nicht mehr.
Ab und zu friert mal eine Flasche Wasser ein, dann muss sie in die Spüle zum Abtauen.
Der Wassereimer unter der Spüle füllt sich langsamer, als das Wasser in der Wärme der Wohnung verdunstet.
Beim Umgang mit Toaster und Wäschetrockner gelten gesonderte Vorsichtsmaßnahmen, für beide Geräte die Gleichen. Zum Be- und Entladen muss der Stecker gezogen sein. So lässt einen der Kriechstrom in Ruhe.
Und wenn ich mal wieder vergessen habe den Stecker zu ziehen, dann erinnert mich der Schlag sofort wieder daran. So funktioniert auch ein Modell der klassischen Lerntheorie. Lernen durch Bestrafung.

Der Aufzug funktioniert so wie am ersten Tag. Wir fahren also immer noch in den 8. Stock, um dann eine Etage herunterzulaufen.
Der Müllabwurfschacht hat seine Verstopfung auch überwunden.

Es gibt noch eine unsichtbare Grenze, die sich durch unsere Wohnung zieht. In meinem Arbeitszimmer funktioniert das Internet schneller als im Wohnzimmer. Ich möchte nicht wissen, was die Ägypter beim Bau unseres Hauses hier so alles einbetoniert haben.
Und da die Klimaanlage in meinem Zimmer funktioniert, ohne den Sicherungskasten in Brand zu setzen, soll mir das auch Recht sein. Es ist nämlich im Wohnzimmer ohnehin zu warm.

Ähnlichkeiten sind rein zufällig


Kairoer lieben ihre Autos. Sie müssen ihre Autos lieben. Sonst würden sie damit nicht den ganzen Tag die Strassen verstopfen.

Im Stadtbild sieht man alle Autos, die in den letzten 40 Jahren in Europa hergestellt wurden. Vom Hummer bis zum Polski Fiat hat mich in den letzten drei Wochen so ziemlich alles angehupt, was irgendwie noch rollen kann. In Erhaltungszuständen von "brandneu" bis "Tesafilm und Gottvertrauen halten uns zusammen".
Ein Auto habe ich allerdings in Kairo vermisst, den Smart. Wahrscheinlich denken sich die Kairoer "Wenn ich mir schon ein Auto leisten kann, dann auch bitte ein Richtiges!"
Vielleicht fahren die Kairoer auch Smart, sie lassen die Dinger aber nicht auf der Strasse stehen, sondern nehmen sie mit in die Wohnung und hängen sie an die Flurgarderobe. Theoretisch könnte man in Kairo Smart fahren, sooo tief sind die Schlaglöcher nämlich gar nicht. Und wenn mal einer in den Nil fällt, kein Problem. Die Dinger sind ja hauptsächlich aus Plastik, und die leeren Plastikflaschen dümpeln auch alle am Nilufer.

Auf einem Spaziergang in Zamalek habe ich ihn gesehen. Meinen ersten Smart in Ägypten.
Dachte ich. Dann dachte ich an eine Fata Morgana.
Nein, viel schlimmer. Die Chinesen kommen, und sie sind verzweifelt. Das sieht man daran, dass sie inzischen sogar den Smart kopieren. Es hat dann zwar einen Frontmotor und vier Sitze, sieht ansonsten dem rollenden Buntglasontainer, der glaubt ein Mercedes zu sein, sehr ähnlich.

Wahrscheinlich hat sich der mutige Ägypter, der dieses Prachtstück gekauft hat, sich auch gedacht: Hauptsache es rollt und die Hupe geht...

Eigentlich wundert es mich, das die Chinesen die Pyramiden noch nicht nachgebaut haben. Vielleicht in einer anderen Farbe, dafür innen klimatisiert.

Ma fisch Alexandria

Das ist arabisch. Klingt komisch, ist aber so.
Ins Deutsche übersetzt bedeutet es: Es gibt kein Alexandria. Das ist als generelle Aussage zwar falsch, aber für uns richtig. Wir haben am nächsten Wochenende nämlich kein Hotelzimmer in Alexandria bekommen.
Wir hätten für 180€ pro Nacht, ohne Frühstück in eine Raubritterburg vor der Stadt ziehen können.
Das lassen wir dann doch besser. Die generellen Aussagen über den Besuchswert von Alexandria sind uneinheitlich. Es geht von "sehr schön" bis zu "Dreckloch am Mittelmeer".

Also werden wir uns ein weiteres Wochenende in Kairo amüsieren. Es wird uns nicht schwerfallen.
In der größten Not können wir uns das Ägyptische Museum noch einmal ansehen. Vielleicht wurde ja inzwischen geputzt und aufgeräumt...
Oder Elvis ist zurück in Memphis...

Samstag, 20. Juni 2009

Streifenkamel 2.0


Ich bin gebeten worden, doch das Streifenkamel ohne das wegretuschierte Blaulicht zu zeigen. Hier ist es!

Take the long way home!

Unter diesem Titel lässt sich unsere Heimreise nach Kairo beschreiben.
Die Tatsache, dass ich schon wieder am Rechner sitze und bloggen kann, zeigt, dass wir es geschafft haben. Und wie! Wie immer, anders als andere Reisende.
Wir hatten das freundliche Angebot des Sonnenbrillenägypters abgelehnt, uns für nur 180 Pfund nach Hause bringen zu lassen. Mir waren zu viele "Carpet Schools" auf Heimweg...
Also liefen wir wieder die Strasse Richtung "Sakarra Downtown". Auf dem Weg sammelte uns ein Tuk-Tuk ein. Wie die Dinger in Ägypten heissen? Keine Ahnung. Petra nannte es Velotaxi mit Motor, nur ohne Pedale.
Der Tuk-Tuk-Ägypter macht sich gar nicht erst die Mühe, vorzugeben, dass er Englisch verstehn würde. Für 20 Pfund brachte er uns so nahe an Kairo wie möglich.
Also standen wir 10 Minuten später wieder am "Platz der Entscheidung".

Ein Taxi konnten wir hier vergessen, aber es gibt ja noch ein öffentliches Verkehrsmittel, dass wir noch nicht benutzt hatten. Einen Minibus. Das sind weiße Kleinbusse, die auf festen Linien fahren, aber immer dann anhalten, wenn man am Strassenrand winkt. Der Bus fuhr nach Gizeh, das hatten wir verstanden. Das reichte uns. Kolumbus ist ja auch ersteinmal in die relative Nähe von Indien gesegelt.
Knappe 10 Minuten und 4 Pfund später kamen wir an einem Minibusbahnhof an Gizeh an. Der Busbahnhof lag lauschig unter der Baustelle einer Hochbahntrasse. Beim Aussteigen liefen wir den Massen hinterher. Ein freundlicher Ägypter, der mit uns im Minibus saß, fragte uns, ob wir nach Kairo wollten. Er zeigte uns den nächsten Minibus, der zur U-Bahn fuhr. Die U-Bahn fuhr dann in die Stadt. Also wieder 10 Minuten und 4 Pfund im Minibus, bis zur U-Bahn-Station Giza.
Es waren nur 5 Stationen mit der U-Bahn, danach hätten wir noch eine gute Viertelstunde unsere vertraute Strecke über die Insel Zamalek schlendern können.
Aber Petra streikte, sie wollte nicht mehr laufen. Sie wollte Taxi fahren. Auf Zamalek. Was für eine Verschwendung!
Jeder Taxiägypter nimmt von einem Europäer mindestens 10 Pfund, auch wenn es nur um die Ecke ist. Ich hatte aber, ganz ehrlich, auch keinen Bock mehr auf Fußmarsch. Ich konnte es nur besser vor Petra verbergen.
Wir haben dann eine Lösung gefunden: Wir fahren ein Station weiter, essen Fuul und Tamiyaa bei McMobinil, danach mit dem Taxi nach Hause.
Für solche Lösunge liebe ich Petra. Der Taxiägypter musste auch für seine 10 Pfund bis vor unsere Haustür fahren.

Und wir kamen tatsächlich wieder zu Hause an.

Das bemerkenswerteste an diesem Tag? Wir sind stundenlang durch die Mittagshitze gerannt, trotzdem hat keiner von uns einen Sonnenbrand. Ich hatte mich zwar eingeschmiert, aber nur schlampig. Man bekommt hier keinen Sonnenbrand. Das liegt wahrscheinlich an der Kairo-Kruste. Das ist dieser Belag auf der Haut, der entsteht, wenn sich Schweß, Nilstaub und der Smog der Stadt auf der Haut mischen.
Unter der Dusche sieht man dann die dunkelgrauen Fäden von seinen Füßen in den Abfluß laufen.

Ramses is in the Building!


Da kommt man mal nach Memphis - Und wer ist nicht da? - Elvis!
Dafür waren seine Kumpels Ramses, Ramses und Ramses da.

Um weitere Verwechselungen mit Elvis auszuschließen, nennen die Ägypter Memphis gar nicht Memphis, sondern "Mit Rahina Museum".
So steht es auf der Eintrittskarte, die 35 Pfund pro Person kostet. Zwei kosten also 70 Pfund. Bezahlt man mit einem 100-Pfund-Schein, dann bekommt man trotzdem nur 25 Pfund Wechselgeld zurück. Mir war echt zu warm, um mich zu streiten.

Das Museum ist ein Freilichtmuseum, in dem hauptsächlich Kolossalstatuen von Ramses liegen oder stehen. Zwei stehen, eine liegt. Deshalb die drei Ramsesse.
Ansonsten ist es ziemlich lahm, dafür auch nicht allzu groß.

Ramses gilt als der erste Pharao, der Ober und Unterägypten zu einem Königreich vereint hat. Dafür ist das Museum aber ein mickriger Ort des Gedenkens. Ungefähr vergleichbar, als würde man nach Helmut Kohl einmal eine Bushaltestelle in Wittenau benennen.

Wir haben unsere 5. Flasche Wasser (0,6 Liter) an dem Tag im Schatten unter den Bäumen getrunken. Langsam machte ich mir Sorgen, würde ich noch mehr Wasser trinken, dann hätte ich mit meinem Rucksack ein Problem. Dann würde mir nämlich ein Höcker wachsen.

Als wir das Gelände verließen, beschloss ich, dass wir jetzt nach Hause wollen. Petra war meiner Meinung. Da hatten wir beide Glück.

Draussen wurden wir von einem Sonnenbrillenägypter gefragt gefragt, ob wir ein Taxi wollten. Wir wollten, aber nicht ohne vorher den Preis zu erfahren. Er meinte 150-180 Pfund, wir wünschten ihm einen guten Tag.

Und liefen die Strasse entlang, Richtung Kairo. Die Mittagshitze hatte sich abgekühlt. Ca. 39,8 Grad...

PS. Auf dem Photo, das ist nicht Ramses, sondern sein Manager.

Plattfuß am Nil,


so lautet der Titel eines Filmes mit dem italienischen Charakterschauspieler Carlo Pedersoli, in Deutschland unter seinem Künstlernamen "Bud Spencer" bekannt.
Der Titel trifft aber auch den zweiten Teil unserer heutigen Aktivitäten, wir kamen aus der Pyramidenwüste heraus, hatten kein Taxi, Durst und waren uns noch nicht ganz sicher, was wir als nächstes anstellen sollten. Also gingen wir mit der von uns so vortrefflich verinnerlichten "mal schauen-Haltung" die Dattelpalmenstraße entlang, Richtung Hauptstraße. Auf der Dattelpalmenstraße gab es Dattelpalmenhaine, einen Kiosk und einige "Carpet Schools". Carpet Schools sind das ägyptische Äquivalent zur Kaffeefahrt, alle Busse, die aus Sakarra kommen, machen dort einen Stop. Das übliche Muster, Bus hält an, man zeigt den staunenden Touristen einen Webstuhl, vor dem ein Webstuhlägypter sitzt. Dann haben die Touristen die Möglichkeit "preiswert" Teppiche zu kaufen. Und der Bus fährt erst weiter, wenn genug Teppiche verkauft wurden.
Wenn der Bus weg ist, dann steht der Webstuhlägypter auf, raucht und trinkt Tee. Bis der nächste Bus kommt. Oder der Spediteur, der die neuen Teppiche aus Indien liefert.
Nachdem wir die 9. Carpet School passiert hatten, kamen wir an der Haupstrasse an. Die Kreuzung hat keinen Namen, für den weiteren Fortgang des Tages braucht sie aber einen. Ich nehme jetzt einfach "Platz der Entscheidung".
Hier entschieden wir uns nämlich während wir im Schatten saßen, dass Petra noch gerne nach Memphis möchte.
Kein Problem, der Reiseführer gibt ja klare Informationen, Memphis liegt nur knapp 1,5 Kilometer entfernt. Die Strasse runter, dann links ab, kurz hinter dem Dorf.
Ich hätte den Platz auch "Platz des gerissenen Ärmels" nennen können. Beim "in den Schatten setzen" habe ich mir nämlich einen Riss im Ärmel meines Polohemdes geholt. Reparatur zwecklos.

Von hier an schreibe ich mit lauter Stimme:
Liebe Redaktion von "Lonely Planet - Egypt": Wenn Ihr schon keine Ahnung habt, wie weit etwas voneinander entfent ist, dann malt gefällligst keine Kilometerangaben auf die Karten in Euren Kack-Reiseführer. Es könnte nämlich tatsächlich mal sein, dass jemand das glaubt, was Ihr da reinschreibt.
Jetzt wieder leiser.

Der Verkehr auf dieser Überlandstrasse ist wirklich spannend, vom Eselkarren bis zum Sattelschlepper zog alles an uns vorbei. Alles fuhr auch im gleichen Abstand an uns vorbei. Nach ungefähr 3 Kilometern kam der Abzweig, wir liefen dann noch einmal 3 Kilometer durch ein spannendes ägyptisches Strassendorf. Es war wie in Kairo, nur nicht so voll. Und ohne Bürgersteige. Dafür hatten wir Sensationscharakter. Als humpelnde Aliens, die flüssigen Stickstoff husten, hätten wir auch nicht mehr Aufmerksamkeit erregt.
Mütter konnten ihren Kindern endlich zeigen, wie die Menschen aussehen, die in den Klimatisierten Bussen sitzen und die Strass herunter fahren. Viele Ägypter werden sich wahrscheinlich gefragt haben, was mit unserem Reisebus passiert ist. Eine Überlegung dürfte der Realität am Nächsten kommen: wir wollten in einer "Carpet School" nichts kaufen, und sind deshalb von der Gruppe ausgeschlossen worden.

Das Einzige, was mich sicher machte, das wir nicht falsch waren, das war die Tatsache, dass uns regelmässig Touristenbusse entgegenkamen.
Wir hatten auch die Möglichkeit, die örtliche Müllhalde zu inspizieren, sie liegt wirklich sehr idyllisch. Direkt in einem Palmenhain. (Für Rüdiger: Ja, ich habe Bilder gemacht)
Irgendwann hielt ein Pickup-Truck neben uns, der selbst für ägyptische Verhältnisse nur bedingt verkehrstüchtig erschien. Ein Pickup-Truckägypter fragte uns, wo wir hinwollten, wir sagten Memphis. Er sprach nicht viel Englisch, aber genug um uns klar zu machen, dass wir zwar falsch seien, aber nicht sehr falsch. Er war aber nicht in der Lage uns zu erklären, wie wir richtig laufen müssten. Also sprach er: Come in, bring you, no money.
Wir hatten vor einem knappen Kilometer eine nicht ausgeschilderte Abfahrt übersehen. Der Pickuptruck-Ägypter befragte uns, wo wir herkämen. Währenddessen beobachtete ich, durch ein Loch im Bodenblech, den Asphalt unter uns vorbeiziehen.
Nach 500 Metern setzte er uns an einer Kreuzung ab, wir hatten noch 300 Meter Fußweg, dann kamen wir nach Memphis. In der Mittagshitze, gefühlte 60, realistische 40 Grad.

Die Toristenbusse aus den "Carpet Schools" waren auch schon da.

Eine Landpartie...


Heute waren wir wieder unterwegs. Auf dem Land. Genauer gesagt auf dem platten Land...
Heute ist Samstag, einer von den Tagen, an denen wir ausschlafen können. Deshalb klingelte auch wieder um 7 Uhr der Wecker.
Wir sind ja schließlich nicht im Urlaub. Ägypten ist ja das Land der Pyramiden und der Pharaonen, es hat mehr zu bieten als nur die drei Pyramiden von Gizeh, es gibt auch noch die in Sakarra.
Die Pyramiden von Sakarra verhalten sich zu denen von Gizeh wie der Georg-Grosz-Platz in Berlin zum Potsdamer Platz. Es gibt beide, beide werden in Reiseführern erwähnt, man kann beide als Tourist besuchen.
Aber der Landfrauenverein aus der Grafschaft Bentheim wird nicht zum Georg-Grosz-Platz fahren. Mit Recht.
Wir sind aber nicht die Landfrauen aus Bad Bentheim, wir trinken keinen Eierlikör. Also ertönte heute der Schlachtruf "Auf nach Sakarra" durch die Dienstwohnung.
Wieder mit dem Taxi, wieder eins auf der Strasse gefangen. Der erste Fahrer wollte 100 Pfund für die Tour haben, der nächste nur 50. Also los.
Unser Ziel lag außerhalb Kairos, das wussten wir, man merkte es auch. Es bot sich ein größere Vielfalt an Verkehrsteilnehmern. Schwere Sattelzüge, Minibusse, Eselkarren, Pferdefuhrwerke, berittene Esel und etwas, dass man in Asien unter dem Namen Tuk-Tuk kennt. Mofas mit Kabine und Sitzplätzen.
Wir hätten unseren Tag erheblich entspannter gestalten können, wenn wir für den Trip einen Fahrer ganztägig engagiert hätten, er hätte uns zwischen den einzelnen Altertumsplätzen fahren können.
Aber einfach kann jeder, dann hätten wir auch eine Gruppenreise buchen können. Hätten wir es mal getan! (Bitte diesen Satz mit einem großen Stoßseufzer am Satzende lesen!)

Aber das ist hier ja kein Therapie-Blog, in dem ich mich über mich selbst beklage. So schlimm war es ja auch gar nicht. Am Anfang jedenfalls.
An der Historic Site in Sakarra angekommen, haben wir den Eintritt bezahlt, uns ein klimatisiertes Museum über Imhotep, den Baumeister der Pyramiden angeguckt. Verglichen mit Gizeh ist Sakarra wesentlich älter.
Wir gingen zu Fuß weiter, hinein in die Wüste. Das Museum liegt genau an der Kante zwischen einem großen Anbaugebiet für Datteln und der Wüste. Und es wurde wirklich heiss, wir hatten uns mit Wasser eingedeckt, und es war gut, dass wir es hatten. Es war noch nicht einmal 10 Uhr.

Die Pyramiden von Sakarra sind interessant, aber es gibt nicht s wahnsinnig viel zu sehen. Vieles ist einfach auf Grund des hohen Alters und der noch nicht so entwickelten Bautechnik sehr verfallen.
Eins haben die beiden Pyramiden-Anlagen aber gemeinsam. Es ist sehr warm, mollig warm. Satt über 30 Grad, und wir sind immer noch am Vormittag.
Aber wir sind ja die berühmten Vielwanderer, die von der Zitadelle nach Downtown laufen..
Dann können wir auch die 3-5 Kilometer durch die Sandwüste laufen um uns kleine Pyramiden in beklagenswertem Erhaltungszustand anzusehen.
Um dann wieder am Eingang anzukommen und festzustellen, dass wir die einzigen sind, die kein Auto oder Taxi mit Fahrer dabeihaben.
Nicht ganz, es gab noch andere Touris ohne Auto, aber.die waren mit dem klimatisierten Reisebus gekommen.
Also gingen wir zu Fuß los, auf dem Weg zur Hauptstrasse. Wir werden schon irendwo ein Taxi finden.
Irgendwo...

McMobinil

Im Kairoer Stadtbild ist die Werbung von einer Firma immer, überall und in jeder Form präsent: Mobilnil, Ägyptens größter Mobilfunkanbieter.
Wir sind bei dem Verein auch schon Kunde, jeweils mit unseren beiden Handys. Mein Internetanschluss auch. Mobinil ist orange. Das richtig knallige Orange, das was wir von einem frisch gewaschenen BSR-Fahrzeug in der Mittagssonne kennen. Es gibt Shops in den Strassen überall in der Stadt, jeder Kiosk, etc verkauft Aufladekarten, die Werbung ist überall. Also hat eine Umkehrung stattgefunden, jetzt ist orange Mobinil.
Deshalb heisst der Fuul und Tamiya-Imbiss in Downtwn auch McMobinil, jedenfalls bei Petra und mir. Weil er innen im gleichen Orange gestrichen ist. Stehtische raus, Wachleute rein, schon kann man statt Snacks Handys verkaufen.
Der Fairness halber sollte ich wenigstens versuchen bis zum Ende unserer Reise zu merken, dass der Laden eigentlich Felfela heisst.
Aber es ist so einfach, er ist halt so orange...
Es gibt auch noch rote Werbung, die ist entweder von Vodafone oder von Coca-Cola.

Freitag, 19. Juni 2009

Volkswanderpokal

Neben mir steht ein Pokal: "Für den Touristen, der an einem Tag die längste Strecke in der Stadt zu Fuß zurückgelegt hat". Ich sehe den Pokal zwar nicht, aber moralisch gesehen steht er neben mir auf dem Schreibtisch. Ägypter nennen den Pokal übrigens "Trottel-Cup".
Unter dem Schreibtisch stehen meine Füße. Sie geben immer noch Hitze ab, in einem Raum, der vor der Klimaanlage auf eine Temperatur heruntergekühlt wird, die man nur in Berlin momentan als "sommerlich" bezeichnen würde.
Heute morgen durfte ich nach meiner Arbeit noch einmal am Kopfkissen schnüffeln, dann sind wir frühstücken gegangen. In der leckeren Espresso/Cappuccino-Werkstatt gegenüber der italienischen Botschaft. Dann haben wir uns mit Wasser eingedeckt und sind per Taxi zur Zitadelle von Kairo gefahren. Das ist ein Wehrbau aus dem Mittelalter, er thront auf einem Felsen über der Stadt.
Absolutes "Muss man gesehen haben"-Bauwerk ist die Moschee von Mohammed Ali. Nicht der Boxer, der Andere.
Vor der Moschee haben wir ein interessantes Treiben beobachtet: Am Eingang stehen fliegende Händler, versuchen den spanischen Touristen, den gleichen Schrott anzudrehen, den man auch schon an den Pyramiden nicht haben möchte.
Ist eine Busladung in der Moschee verschwunden, dann laufen die Händler um die Moschee herum, und beziehen am Ausgang Stellung. Dort versuchen sie denn, den gleichen Plunder den gleichen Touristen zu verkaufen, die ihn am Eingang schon nicht wollten. Vielleicht sollte da mal jemand sein Geschäftsmodell überdenken.
Man kann auf der Zitadelle noch viele andere Dinge besichtigen, ein Polizeimuseum, ein Militärmuseum, das Museum der königlichen Kutschen. Vieles davon ist geschlossen.
Leider auch das "Museum der beschlagnahmten Dinge". Das gibt es wirklich, das ist eine Ausstellung von Dingen, die der ägyptische Zoll beschlagnahmt hat. Laut Reiseführer soll das eine bunte Mischung von Altertümern diverser Jahrhunderte sein, kombiniert mit Schusswaffen und ausgestopften Schildkröten. Wahrscheinlich auch mit einer veritablen Ausstellung von Reisebügeleisen, die deutsche Touristinnen im Handgepäck hatten.
Das Militärmuseum ist eine Lobpreisung an die Ägyptische Armee. Im Außenbereich werden reichlich Kanonen verschiedener Altersklassen ausgestellt. Man beginnt mit er pharaonischen Steinschleuder, ist aber sehr schnell bei Haubitzen angelangt.
Dort gibt es auch einige ausrangierte Kampfflugzeuge, davon ein Jet. Wahrscheinlich genau das eine Kampfflugzeug, das von den Israelis im Sechstagekrieg nicht am Boden zerstört wurde.
Dieses Museum ist wohl eher für ägyptische Grundschulklassen interessant.
Um Punkt 17.00 schließt die Zitadelle, dann wird man rausgekantet. Wir sind dann zu Fuß weiter. Mal wieder ohne Plan. Es wurde aber wieder spannend, an weiteren Moscheen vorbei sind wir durch Kairo gelaufen. Dann sind wir auf den Basar gestoßen, an dem wir schon am ersten Wochenende unser Bild von Kairo und Hygiene neu justiert haben.
Auf dem Tentmakers Basar habe ich jemanden gefunden, der mir vielleicht Sitzbezüge für meine Rikscha machen kann. Hoffentlich kommen bald die Maße aus Berlin.
Zwischendurch habe ich mit Petra mehrfach Rücksprache gehalten, ihre Kondition abgefragt. Sie sagte immer, dass sie noch Laufen kann und das wir noch weiter gucken können. Wir hatten eine grobe Orientierung, wo wir waren. Ein Taxi hätte uns jetzt aber auch nichts genutzt, die Straße, die wir entlang liefen, war bis zum absoluten Infarkt verstopft.
Wir liefen wohl quer durch den Kairoer Media-Markt, auf der Strasse gab es jeden denkbaren Elektroartikel. Nebenan standen die Autos im Stau und hupten. Selbst die Fußwege waren verstopft. Verstopft mit Elektroartikeln und Menschen.
Vom Elektrobasar wechselte das Angebot zu Kleidung, die Menschen wurden aber nicht weniger. Mir wurde einmal mehr praktisch demonstriert, dass eine Bevölkerungsdichte von 37.000 Menschen/qkm einfach mal richtig viel ist. Ich frage mich manchmal, trifft man als Kairoer überhaupt Freunde in der Stadt? Oder gibt es dort so viele Menschen, dass man seine Freunde dort gar nicht treffen kann. Weil immer die Fremden im Weg stehen.
Wir haben uns dann in die nächste U-Bahnstation gerettet, sind zwei Stationen gefahren und haben in dem bekannten Fuul-Imbiss unseren Hunger gestillt. Aber das wird ein gesondertes Thema.
Dann ging es aber mit dem Taxi nach Hause, schliesslich mussten wir noch einkaufen. Mit den Einkäufen sind wir dann nach Hause gelaufen. Inzwischen war es 19.30 Uhr.
Nach einer Dusche wollten wir uns noch etwas hinlegen, bevor es zum Essen geht. Um 22.30 Uhr bin ich aufgewacht. Jetzt ist es kurz nach Mitternacht, Petra kam gerade und hat gefragt, ob wir noch Essen gehen müssen. Oder ob sie weiterschlafen darf.
Sie darf.
Schließlich geht es morgen zu den Pyramiden von Sakarra. Mit dem Taxi. Und mit Sicherheit nicht zu Fuß nach Hause. Alexandria ist erst am nächsten Wochenende...

Das kleine Museum um die Ecke

Neben der Raubritterburg gibt es ein Museum, das Museum für islamische Keramik. Das klingt fast noch langweiliger als "Ägyptisches Museum". Ist es aber gar nicht, ganz im Gegenteil, es ist ein supertolles Museum. Ein echter Geheimtipp. Ein kleiner Palast, im 19. Jahrhundert für einen ägyptischen Prinzen als Sommerresidenz gebaut. Das Gebäude ist ein Traum, jeder Raum ist an jeder Wand komplett mit filigransten Steimetzarbeiten bedeckt, wundervolle Fenster mit buntem Glas, Kaminöfen mit blauer Keramik. Ein absolut authentischer Traum aus 1001 Nacht.
Die ausgestellte Keramik kann da leider nicht mithalten. Man muss schon mehr als einen Töpferkurs an den Volkshochschulen unserer Republik belegt haben, um sich mehr als ein "Interessant" abzuringen. Gerade wenn die Räume so spektakulär sind.
Aber es kostet auch nur die Kleinigkeit von 25 Pfund Eintritt, dafür darf man ncht einmal an den Pyramiden riechen. Der Garten ist mit demselben Müll vollgestellt, den man auch in Europa als "moderne Kunst" bezeichnet. Abflussrohre und anderes Altmetall, mit einem Schweißgerät zusammengebraten. Schafft man es auf den Müll, dann ist es nicht schade; schafft man es in eine Galerie, dann ist es Kunst.
Neben uns haben währen unseres Besuches noch zwei andere Gäste das Museum besucht. Man hat also seine Ruhe vor den Horden von Spaniern, die um diese Jahreszeit die Stadt bevölkern.
Für die Ägypter hat der Besuch der Spanier aber einen Vorteil, die Ägypter können üben, schlechtes Englisch zu sprechen. Bald kommen die Franzosen und Italiener, da braucht man das.

Donnerstag, 18. Juni 2009

Auf zu den Raubrittern!!!

Hier gibt es jetzt nur einen kurzen Eintrag, wir sind nämlich fast auf der Durchreise. Ein Kollege von Petra gibt heute seinen Ausstand. Dazu hat er in das Marriott geladen. Großer Vorteil, es ist nicht allzu weit und wir können laufen.
Wir haben den heutigen Freitagnachmittag im besten Espresso/Cappuccino-Café der Stadt verbracht. Das ist natürlich wo? Gegenüber der Botschaft von Italien.
Für uns ist heute Freitag, weil Petra nur einen halben Tag gearbeitet hat und heute praktisch unser Wochenende beginnt.
Vorher waren wir im ältesten europäischen Café von Kairo. Gegründet 1889. Der Laden war teilweise noch mit der Erstausstattung eingerichtet. Der Mann hinter der Espressomaschine hat wahrscheinlich am Eröffnungstag seine Lehre begonnen. Der Laden sollte zum Pflichtprogramm eines jeden Kairo-Besuchs gehören. Es zeigt ganz deutlich, dass der Sozialismus in der Gastronomie ein Irrweg ist. Es erinnerte mich an ein Mittagessen in einem Restaurant in Ost-Berlin, am Alexanderplatz, 1986.
Es gibt alles, nichts ist richtig schlecht, aber auch nicht richtig gut. Teuer ist es auch nicht, aber am Ende doch sein Geld nicht wert.
Dann lieber gegenüber der Italiener, alles etwas teurer. Aber dafür den entscheidenden Tick besser.

Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus, wir haben das kommende Wochenende geplant, wir wollen doch nach Alexandria fahren. Ein wenig von der Großstadt Kairo mit seinen 20 Millionen Einwohnern entspannen.
Dazu nimmt man eine Stadt mit nur 5,5 Millionen Einwohnern. Das wird bestimmt total lauschig.
Hoffentlich vereinsamen wir nicht...

Mittwoch, 17. Juni 2009

MAP zA

Neben mir liegt gerade die aktuelle Ausgabe von "internAA", das ist die Mitarbeiterzeitung vom Auswärtigen Amt. Man kann auch sagen, das ist die Apotheken-Umschau des Aussenministeriums.

Ich habe es geschafft, ich bin in der Zeitung. Namentlich im Editorial erwähnt und auf Seite 15. Sogar mit Foto. Wenig schmeichelhaft ist jedoch die Überschrift "Der Klugscheißer".
Aber damit kann ich leben, schließlich habe ich mir diesen Namen ja selbst gegeben. Jedenfalls für meine StandUp-Comedy, mit der ich seit Anfang des Jahres auf den Open-Stage-Bühnen in Berlin unterwegs bin. Die meisten Leser kennen ja die Geschichte, ich haben aus den lustigen Wissenschaftsmeldungen der Zeitungen ein kleines Comedy-Programm gestrickt. Einige haben mich auch schon auf der Bühne dilletieren sehen.
Im März hat Petra mir einen Aufruf vom AA in die Hand gedrückt, das AA will in seiner Mitarbeiterzeitung über Künstler berichten, die als Mitarbeiter oder Partner von Mitarbeitern mit dem Amt verbunden sind.
Ich habe einen kurzen Artikel geschrieben, ein Foto beigelegt, abgeschickt. Kurz darauf bekam ich die Antwort, dass die Redaktion aus einen Haufen Zuschriften auswählen muss, über wen berichtet wird. Warum man mich gewählt hat? Keine Ahnung. Aber es war auf jeden Fall die richtige Wahl.
Das ausgewählte Künstlerspektrum ist umfangreich, von Pianisten, die schon für den Papst gespielt haben, bis zu Bildhauern, Harfistinnen und Steinbildhauern.
Da wird das Ganze doch prima von einem Quatschkopf wie mir aufgelockert.

Unter dem Artikel steht mein Name, und hinter meinem Namen steht ein prachtvolles Beispiel von Diplo-Sprech, Unterrubrik Abkürzungen: MAP.
Das bedeutet "Mitausreisender Partner" und ist die politisch korrekte Bezeichnung für die Heerscharen von Ehemännern und Ehefrauen, die bei jeder Versetzung die Koffer packen und dafür sorgen, dass die Diplomaten nicht nur ihr Nutella mit den Knäckebrotscheiben aus dem Glas kratzen müssen.
Das sind die, die sich nicht beschweren, wenn bei einem Umzug von Kuala Lumpur nach Santiago das Schiff mit dem Umzugscontainer untergeht. Oder denen es nichts ausmacht, wenn man die Einkäufe für einen Rheinischen Sauerbraten auf einem chinesischen Wochenmarkt machen muss.
MAPs wissen immer und überall, wo man Duschvorhänge kaufen kann.

Ich will gar nicht zu sehr herumklugscheissern, aber ich bin maximal ein MAP zA. Ein MAP zur Anstellung, sozusagen im Probelauf. Aber da das AA ja nicht auf die bescheuerten Ideen von Petra und mir eingestellt ist, gibt es diesem Begriff noch nicht.
Aber das AA wird sich wohl auf mich einstellen müssen, schließlich war ich schon mal in ihrer Mitarbeiterzeitung, sogar mit Foto.

Der Kriminalfall in unserer Straße


Über unser Nachbarhaus kann man einen Krimi schreiben. Genauer ist die Geschichte, die sich dort abgespielt hat, krimireif. Dabei sieht das Haus eigentlich ganz harmlos aus, es hat den Charme den viele alte Villen auf Zamalek haben. Dabei ist es auch noch in einem ziemlich guten Zustand.
Es geht um die Entführung einer Frau nach Berlin, die Frau wird immer noch in der Stadt festgehalten.

Angefangen hat das Ganze 1912, die Entführer, angeführt von einem Deutschen, fanden die junge und sehr schöne Frau in einem Dorf in Ägypten. Um sie an den ägyptischen Behörden vorbei aus dem Land zu schmuggeln, schmierte man sie mit Dreck und Schlamm ein. Sie wurde nach Berlin gebracht, dort bei dem reichen Finanzier der Entführung in seiner Villa versteckt. Die Villa stand in Tiergarten, dort, wo heute die Landesvertretung von Baden-Württemberg ist.
Irgendwann verlor der Finanzier das Interesse an ihr, er übergab sie der staatlichen Obhut.
Während des zweiten Weltkriegs musste sie sich zuerst in einer Bank, dann im Zoobunker und zuletzt in einem Bergwerk in Thüringen verstecken.
Nach dem Krieg wurde sie von der US-Armee betreut und in Wiesbaden ausgestellt. Doch es zog sie wieder nach Berlin zurück.
In Berlin ist sie häufig umgezogen, im Moment baut man gerade an ihrer endgültigen Unterkunft. Sie ist ja auch nicht mehr die Jüngste. Aber sie hat sich nie beschwert.
Es gibt Nachkommen ihrer Angehörigen, die wollen, dass sie nach Ägypten zurückkehrt.

Ich könnte jetzt ein Quiz draus machen, und nach dem Namen der Dame fragen. Damit würde ich aber die Intelligenz der Leser beleidigen. Denn es wissen doch schon alle, dass die Dame Nofretete heißt.

Unsere Nachbarvilla ist das "Schweizerische Institut für Ägyptische Bauforschung und in Altertumskude in Kairo". Vor dem zweiten Weltkrieg war das der Sitz des "Deutschen Archäologischen Instituts in Kairo", das Gebäude war im Privatbesitz von Ludwig Borchardt, dem Entdecker der Büste der Nofretete. Von hier aus wurde die Grabung geplant.
Warum das Gebäude jetzt ein Schweizer Institut beherbergt ist auch sehr spannend. Borchardt war Jude, um zu Nazizeiten sicher nach Europa zurückkehren zu können, fädelte er einen Deal mit den Schweizern ein, die Villa gegen die Schweizer Staatbürgerschaft.

Dienstag, 16. Juni 2009

In eigener Sache

Werte Leserschaft!
Es gibt zwei Möglichkeiten, entweder ich schreibe das hier nur für mich, oder ihr seid alle zu schüchtern, die Kommentarfunktion zu nutzen.
Anonymes Kommentieren ist freigeschaltet, Ihr müsst Euch nirgendwo anmelden. Einfach auf die Überschrift klicken, dann öffnet sich das Posting in einem eigenen Fenster. Und unten ist das Kommentarfeld. Ich freue mich auf Eure Anmerkungen.

P.S. alle Heiratsanträge und Kinderwünsche werden gelöscht.

Die Elektrogeräte schlagen zurück


Die Küche wird zur Kampfzone, nach der Auseinandersetzung mit dem Kühlmonster kam es heute zum Showdown in der Küche.
Ich erwähnte bereits, dass die Klimaanlage in meinem Arbeitszimmer ihre Tätigkeit eingestellt hat. Heute morgen streikte die Klimaanlage im Esszimmer, dafür hatten wir Kriechstrom auf dem Toaster und der Tür des Sicherungskasten.

Der von der Botschaft avisierte Werkzeugägypter kam nicht. Natürlich nicht. Warum auch?

Also ging ich heute gegen 19 Uhr zu unserem Bawab, und fragte ihn, ob eventuell jemand in meiner Abwesenheit da war, und in die Wohnung wollte.
Ich spreche kein Arabisch, unser Bawab spricht kein Englisch, Deutsch oder Französisch. Der Versuch Petras Kenntnisse in Vietnamesisch, Ungarisch, Chinesisch oder Russisch gewinnbringend einzusetzen, blieb auch fruchtlos.
Aber irgendwie wurde ihm klar, das unsere Klimaanlage nicht funktioniert. Er fuhr mit mir in den 8. Stock, wir liefen in den 7. Stock herunter. In der Wohnung stellte er fest, dass unsere Klimaanlage nicht gehen würde.
Er gestikulierte mir, dass er in fünf Minuten wieder da sei. Genau eine Viertelstunde später klingelte es an der Wohnungstür und er kam in Begleitung eines Elektroägypters zurück.
Der Elektroägypter sah aus, wie eine 150 cm große, ägyptische Ausgabe von Ottfried Fischer. Nur mit weniger Haaren, dafür mehr Gel.

Die Klimaanlage im Esszimmer war in Rekordzeit repariert, es musste nur etwas, dass Europäer entfernt als Sicherung bezeichnen würden, ausgetauscht werden.
Dann kamen wir zum schwierigeren Teil, der Anlage in meinem Arbeitszimmer. Dort war die Sicherung in Ordnung.
In einem fachmännischen Verfahren ermittelte Elektro-Otti, dass das Kühlgerät keinen Strom hatte. Dazu leckte er an zwei Fingespitzen und berührte die Kontakte...
Nun ja, wenn man das so macht... Dann muss sich der Bawab halt um seine Leiche kümmern.

Dann ging er zum Sicherungskasten, machte die Tür auf, stutzte, zog einen Phasenprüfer aus der Tasche und stellte das fest, was ich zwar schon wusste, ihm aber nicht erklären konnte. Was heißt wohl "Kriechstrom" auf arabisch? Und warum hat er den Phasenprüfer nicht an der Klimaanlage benutzt?
Wir haben zwar einen Sicherungskasten mit präzis 20 Atomatiksicherungen, die säuberlich nummeriert sind. Aber sonst nicht weiter beschriftet.
Keine der Sicherungen war herausgesprungen. Also wurde die Verkleidung des Sicherungskastens entfernt, und es bot sich mir die Gelegenheit einer kostenlosen Lektion "Fluchen auf Arabisch für Elektriker" teilzunehmen. Zwei Sicherungen zeigten deutliche Brandspuren. Beweisfotos anbei.
Ich kürze hier die Erzählung ab, Otti schraubte an der Elektrik, Bawab assistierte. Die Fehler wurden gefunden, neue Sicherungsschalter eingesetzt. Dazu verschwand er kurz zu einem Elektrohändler, kam nach 5 Minuten zurück.
Meine Klimaanlage kühlt jetzt wieder, lässt sich aber nicht in der Kühlleistung regulieren. Sollte sie den angepeilten Wert von 16 Grad im Laufe der Nacht erreichen, werde ich auf eine lange Hose und Sweat-Shirt umsteigen müssen. Oder das Fenster aufmachen, um die Kälte entweichen zu lassen. Mittwoch um 19 Uhr will er wiederkommen und mir eine neue Steuerung für die Klimaanlage installieren. Inshallah!
Gekostet hat der ganze Spaß 200 Pfund, dafür funktioniert jetzt alles. Nicht wirklich alles, der Kriechstrom liegt jetzt auf dem Wäschetrockner. Unschön, aber damit kann sich Elektro-Otti morgen beschäftigen.

Petra wird sich morgen wahrscheinlich länger mit der Erstattung unserer Auslagen rumärgern, als die eigentliche Reparatur gedauert hat. Aber sie kann da sehr hartnäckig sein.

Das ist ein wundervolles Beispiel dafür, wie wichtig in Kairo ein guter Bawab für das Haus ist. Das, wofür die Botschaft drei Tage bis zum Scheitern gebraucht hat, hat unser Bawab in einer Stunde erledigt. Zu einem Preis, für den in Deutschland nicht einmal ein Lehrling ein dummes Gesicht macht.

Zum Ende drängt sich mir trotzdem eine Frage auf:
Warum repariert der tolle Elektroägypter nicht den defekten Knopf vom Aufzug? Er könnte sich damit eine Treppe sparen.

Bergfest

Heute bin ich seit 14 Tagen in Kairo, wir können heute Bergfest feiern.
Es ist schon erstaunlich, wie schnell man sich an eine neue Umgebung gewöhnen kann. Gestern Abend fiel mir zum Beispiel auf, dass es kühler als die anderen Abende war. Es werden wohl unter 30 Grad gewesen sein.
Auch kann ich Unterschiede in der Verkehrsdichte wahrnehmen, der Kairoer Verkehr ist nicht mehr eine Wand voller Chaos, die sich vor einem auftürmt. Außerdem kann ich jetzt die Strasse in fließendem Verkehr überqueren, ohne mir dabei in die Hosen zu machen.

Seitdem Goethe durch Italien getrampt ist, gibt es den Satz "Reisen bildet". Was habe ich in Kairo bis jetzt gelernt? Ich weiß wie man langweilige Museen einrichtet, wo Raubritter wohnen, dass nicht jedes Restaurant eine Speisekarte braucht. Bei Gebäuden hat sich der Lehrsatz herausgeprägt: Je hässlicher, desto Hilton. Der klassische Basar und moderne Shopping-Malls können nebeneinander existieren. Wobei ich auf die Malls verzichten kann.
Ich habe die Pyramiden von Gizeh erlebt, war in der moslemischen Altstadt. In der Stadt waren wir ziemlich viel unterwegs. Immer gut bewacht.

Es gab Enttäuschungen: Die U-Bahn, man kann sie einfach nur als "deutsch" bezeichnen. Zu perfekt für dieses Stadt.
Supermärkte, es gibt Filinchen und Nutella. Aber Petra sagt, dass man Nutella auch in der Antarktis kaufen kann. Spätestens dann, wenn dort ein deutsches Generalkonsulat eröffnet.

Wir haben noch einige Themen auf unserer Besuchsliste. Petra hat noch nicht alle Kirchengutscheine eingelöst. Durch das Einlösen eines Kirchengutscheines kann sie mich zum widerspruchsfreien Besuch eines Gottesthauses zwingen. Die Gutscheine sind universell für alle Religionen gültig und verfallen zum Ende der Reise.
Außerdem steht hier noch ein Satz Pyramiden rum, den wir noch nicht besichtigt haben, nämlich die Pyramiden von Sakkara.

Ausserdem wird in unserer Wohnung bestimmt noch einiges passieren. Ich warte gerade auf den Klimaanlagenägypter, der aus meinem Zimmer wieder ein Arbeitszimmer macht.
Er kann sich dann auch gleich um die Elektrik kümmern. Unser Toaster verteilt nämlich Stromschläge. Wenn man dann zum Sicherungskasten gehen will, dann stellt man fest, dass die Metalltür des Sicherungskastens sich mit dem Toaster solidarisiert hat. Sie steht auch unter Strom.
Dafür benehmen sich der Abfluß und das Kühlmonster. Es könnte schlimmer sein.

Nachher bekommt der Bawab sein Bakschisch, dann kümmert sich vielleicht jemand um den Schlund zu Hölle. Der ist nämlich verstopft. Ich war es nicht!

Montag, 15. Juni 2009

Der Schlaue und der Schläfer

Unser Haus wird bewacht. Rund um die Uhr.
Egal, wann man aus dem Haus raus oder rein geht, es sitzt immer jemand in Sichtweite. Dieser Jemand trägt die Uniform eines Sicherheitsdienstes. Es gibt zwei von diesen Wachleuten, sie wechseln sich ab. Beide begrüßen uns immer sehr freundlich, wenn wir in das Haus zurückkehren. Man sieht es ihnen förmlich an, dass sie sich über den Zuwachs ihrer Verantwortung nach unserer Rückkehr freuen. Schließlich haben sie jetzt zwei Personen mehr zu bewachen. Wenn wir das Haus verlassen, dann verbergen sie ihre Enttäuschung, dass sie uns nicht mehr bewachen können.

In Kairo wird fast alles von irgendjemandem bewacht, Brücken, Ampeln, Botschaften, Kreuzungen.
Je nach Wichtigkeit entweder von weißen oder dunklen Uniformen. Botschaften werden von dunklen Uniformen bewacht, Kreuzungen von weißen Uniformen. Wahrscheinlich gibt es da Unterschiede in den Zuständigkeiten.
Diese Wächter sind der Grund dafür, dass noch nie jemand eine Verkehrsinsel oder eine Kreuzung gestohlen hat. Weil sie gut bewacht werden. Der Schwarzmarkt für geklaute Verkehrsinseln soll ja international vernetzt sein. Unlängst ist erst eine gestohlene Bushaltestelle aus Oer-Erkenschwick in einem Vorort von Bukarest aufgetaucht.

Es gibt bestimmt Kairoer, die engagieren Wachleute, obwohl sie nichts zu bewachen haben. Nur damit andere nicht denken, dass sie nichts von Wert besäßen.

Und damit niemand unser Haus klaut, wird es auch bewacht. Von den beiden Wachleuten, die bei uns nur "der Schlaue" und "der Schläfer" heißen.
Der Schlaue schaut zur Begrüßung immer aus einem Buch auf, es sieht nach einem Lehrbuch aus, wahrscheinlich studiert er. Er trägt eine Brille und ist maximal Anfang 20.
Sein Kollege hat gute Chancen bei einem Oliver-Hardy-Ähnlichkeitswettbewerb mindestens Dritter zu werden.
Warum er "der Schläfer" heißt, kann sich jeder bestimmt selbst vorstellen. Er schaut nicht so oft auf.

Dann gibt es noch den Bawab, den eigentlichen Chef im Haus. Hauswart, Portier, Autowäscher, Parkplatzwächter, alles in einer Person.
Typischerweise trägt er eine dunkle Galabiyah und einen Turban, so wie unserer. Er kennt die Bewohner eines Hauses genau, er wird über Petras Arbeitszeiten genauso Bescheid wissen, wie er weiß, wann und wo ich einkaufen gehe.
Die Bawabs sind häufig Zielscheibe des Spotts der Middle-Class-Ägypter. Man sagt ihnen eine gewisse geistige Limitierung nach. Außerdem heißen sie angeblich alle Mahmoud. Ein Kairoer Sprichwort sagt: Das größte Elend, dass eine Familie treffen kann, ist, dass sich die Tochter in einen Bawab verliebt.
Ich bin sicher, dass er auch dem verwirrten "Call-a-Tikka"-Lieferanten helfen konnte, der am Samstag vor unserer Tür stand und 52 Pfund für ein Essen haben wollte, dass wir nicht bestellt hatten. Ich konnte ihm nicht helfen, die Adresse war in Arabisch geschrieben, ich weiß nicht einmal ob es eine Adresse oder das Rezept war.
Vielleicht hätte ich ihm doch die 52 Pfund geben sollen, und mal das Essen probieren.

Sonntag, 14. Juni 2009

Besuch in der Oase


In den letzten Postings habe ich den wohl den Eindruck erweckt, dass Kairo eine laute, volle, stickige, nicht immer saubere Stadt ist.
Das stimmt, jedenfalls an den meisten Stellen der Stadt.
Der Verkehr erdrückt jeden Neuankömmling. Dabei ist es völlig egal, ob es um den Autoverkehr, die Massen von Fußgängern oder um U-Bahnen geht, die um 23 Uhr voller sind als in Berlin zur Rush-Hour.
Aber eine Stadt dieser Größe kann nicht nur eins sein, es muss auch Plätze geben, in denen das Leben der Stadt stillsteht. Oasen der Ruhe, Oasen der Sauberkeit, grüne Oasen.
An einem dieser Plätze waren wir heute.
Eigentlich wollten wir die Kairoer Zitadelle besichtigen. Eine Burg aus dem 11. Jahrhundert, die über der Stadt thront. Nur waren wir zu spät, man schloss um 16.00 Uhr. Also wieder der ein Fall für frühes Aufstehen am freien Wochenende.
Nun waren wir gestrandet, auf der anderen Seite von Kairo, fern der Heimat. Mit dem Taxi nach Hause? Wozu?
Also zuckelten wir mal wieder zu Fuß los, wir hatten zwar auf den Plan geguckt, aber mit nicht so richtig Vorstellung über einen Plan B.
Die Kairoer Zitadelle ist schon sehr beeindruckend, auch wenn man außen drum herumläuft. Direkt zwischen den Zeiten, links die Burg aus dem 11. Jahrhundert, rechts eine vierspurige Schnellstraße, auf der sechs Autos und ein LKW nebeneinander fahren.
Direkt vor der Zitadelle ist eine Siedlung, flache einstöckige Gebäude, unverglaste Fenster, teilweise fehlen die Dächer. Aber sehr ruhig. Man hat auch ruhige Nachbarn. Es ist eine Nekropole, eine Totenstadt. Allerdings eine unbewohnte.
Man kann sie sehr schön von den bewohnten Einfachsiedlungen unterscheiden. In den Nekropolen stehen keine Sat-Schüsseln auf den Dächern.
Auf dem nächste Hügeln befand sich das, was unser Ziel wurde. Der Al-Azhar Park, gestiftet vom Aga-Khan, errichtet auf einem 30 Hektar grossen Geröllhügel, eingeweiht 2004.
Fünf Pfund Eintritt pro Person, und man ist nach wenigen Schritten in einer grünen Oase. Grünflächen, ein künstlicher See, Spazierwege und viele, viele Kairoer. Familien mit Kindern und viele junge Paare. Es scheint ein ägyptisches Anbahnungsritual zwischen Mann und Frau zu geben, man spielt sich gegenseitig an den Handys.
Man hat einen fantastischen Ausblick über Kairo, es gibt keine Richtung, in der man etwas anderes sieht, als die Stadt. Trotzdem ist man abgeschottet vom Trubel, es ist ruhig.
Wir sind bis zum Abend geblieben, haben auf einer wunderschönen Terasse mit Blick auf die Stadt und den Sonnenuntergang gegessen.

Der Sonnenuntergang hat etwas ausgelöst, dass wir uns beide so nicht hätten vorstellen können. Der Untergang der Sonne ruft die Moslems zum Abendgebet. Und wie es klingt, wenn aus einer Stadt mit Tausenden von Moscheen der abertausendfache Ruf des Muezzins ertönt, das kann man sich nicht vorstellen. Plötzlich bricht es über die Stille herein. Es ist genauso laut wie ein Tokio-Hotel-Konzert, hat aber einen Vorteil, der Gebetsruf dauert aber nur wenige Minuten.

Uns hat der Platz sehr gefallen. Mir hat er eigentlich zu gut gefallen, um Touristen zu empfehlen, dorthin zu gehen.
Liebe Europäer, bitte lasst den Platz den Kairoern. Geht doch zu den Pyramiden, lasst Euch dort Kamelritte und Alabasterplunder verkaufen. Rennt in Hotpants und Spaghetti-Tops in das Ägyptische Museum. Kauft nutzlosen Schrott im Khan Il-Khalili-Basar und denkt nicht daran, dass ihr nur 7 Minuten Fußweg von einem der tollsten Ausblicke der Stadt entfernt seid. Und wenn Ihr in einem ruhigen Garte sitzen wollt, dann lasst Euch bitte im Marriott ausnehmen, bis die Kreditkarte glüht.
Ruhe habt Ihr dann zu Hause wieder. Und auf der Terasse nur Kännchen...

Keine Nase, keine Kekse


Was passiert, wenn man Michael Jackson und Paris Hilton kreuzt?

Man bekommt etwas, das nicht menschlich ist, keine Nase und große Füße hat. - Die Sphinx!

Verglichen mit der schieren Größe der Pyramiden ist die Sphinx piefig klein.
Aber trotzdem nicht uninteressant, sie taugt exzellent zur Verhaltensstudie an Touristen, man kann den sogenannten Photoreflex beobachten. Aus dem Bus aussteigen, gucken, Kamera hochreißen und abdrücken. Es könnte ja sein, dass sie gleich wieder abgebaut wird.

Die Touristenströme waren generell überschaubar, ich hatte mit mehr Gewusel gerechnet. Ob es an der Tageszeit oder an der Jahreszeit liegt? Keine Ahnung.
Die Mehrheit der Touristen scheinen Italiener und Spanier zu stellen. Hauptsächlich Reisegruppen.
Die Trinkgeldmuffeligkeit der "Mittelmeerpolen" kenne ich ja schon aus Berlin. Wenn jetzt noch mehr Franzosen nach Ägypten kommen, dann sieht es wirklich schlecht an der Bakschisch-Front aus.

Der große Vorteil für uns war, dass es an der Sphinx einen zweiten Eingang für Besucher gibt, den haben wir zum Ausgang gemacht. Am Ausgang hatten wir noch ungefähr 134 Angebote Papyrus, Alabaster, Silberschmuck, nubische Jungfrauen oder Parfüm zu kaufen. Wir haben alle ausgeschlagen.
Zu Fuß haben wir uns aus der unmittelbaren Touristen-Terrorzone begeben und uns ein Taxi gesucht. Für nur 50 Pfund brachte uns ein relativ neues Taxi nach Hause zurück. Die Anwesenheit von Federung und Stoßdämpfern war mir den Preisunterschied von 10 Pfund wert.
In Zamalek haben wir uns erstmal mit einem leckeren Cappuccino belohnt.

Die Mittlere ist nicht die Grösste...


Man könnte es aber glauben, wenn man davorsteht. Die mittlere der drei Pyramiden ist die Chephren-Pyramide und sie ist kleiner als die Cheops-Pyramide.
weil sie aber auf dem Plateau etwas höher steht, wirkt sie größer.
Sie ist trotzdem noch ziemlich groß. Selbst wenn man annimmt, dass die Menschen davor Japaner sind und das Kamel ein Zwergkamel ist, dann ist sie immer noch sehr groß. Es können übrigens keine Japaner sein, es sind nämlich nur zwei.
Es ist zwar möglich, die Pyramiden von innen zu besichtigen, aber wenn der Reiseführer das Innere schon als "wenig interessant" bezeichnet, dann haben wir darauf verzichtet. Übrigens der gleiche Reiseführer, der die Ägyptische Museums-Rumpelkammer zum Pflichtprogramm erklärt hat.
Was braucht man dringend wenn man zu den Pyramiden fährt? Man sollte Wasser, Sonnencreme, einen Hut und feste Schuhe dabeihaben.
Die Schuhe sind besonders wichtig, man kann an den Pyramiden nämlich viel über die Verdauung von Kamelen lernen. Kamele entziehen ihrer Nahrung fast alle Feuchtigkeit. Also ist das, was Jäger als "Losung" bezeichnen, sehr trocken. Auch scheint es nicht zu verwittern, oder nur sehr langsam.
Also liegt jede Menge davon um die Pyramiden herum. In ca. 80 Jahren werden die Pyramiden von braunem Kies umgeben sein, der sich bei genauerem Anblick als Kamelkacke herausstellen wird.
Um den Geruch muss man sich keine Gedanken machen, es stinkt nicht. Aber trotzdem möchte ich nicht mit Flip-Flops in die Dinger hereintreten. Das Vergnügen überlasse ich den Engländern.

Wenn man die zweite Pyramide umkreist hat, dann stellt man sich die Frage, ob man um die dritte auch noch herumlaufen muss. Mann kann auch den Abstieg ins Tal beginnen.
Der Begriff Abstieg ins Tal klingt wilder als es ist. Unter den Pyramiden ist eine kleine Tempelanlage und Kentucky Fried Chicken, es gibt also für jeden einen Grund, den Weg zu gehen. Die Sphinx steht da übrigens auch noch....

Napoleon hat mal gesagt...


„Soldaten, seid euch bewusst, dass von diesen Pyramiden vierzig Jahrhunderte auf euch herab blicken.“
Das waren die Worte des abgebrochen Korsen bevor es in die Schlacht an den Pyramiden ging. Seine nächsten Worte waren: "Nein, ich möchte kein T-Shirt kaufen", danach sagte er "Nein, auch kein kleines Modell der Pyramiden aus garantiert echtem Alabaster".
Das Napeleon nicht rechnen konnte, sei ihm verziehen. Die Pyramiden sind nämlich noch älter. Zur Strafe wurde ein hässlicher Fisch nach ihm benannt und er nach St. Helena verbannt.


Auch die ständige Anwesenheit penetrant nervender Andenkenverkäufer kann es nicht verhindern, dass man von den Pyramiden sehr beeindruckt ist.

Wenn man durch den Eingang geht, dann steht man ca. 300 Meter von der Chepospyramide entfernt, schon dann ist sie so groß, dass man keine andere Pyramide sieht. In diesem Fall sollte man sich nicht verunsichern lassen, die anderen Pyramiden sind auch da.

Rund um die Pyramiden herrscht reger Verkehr, Reisebusse befahren das Gelände. Die Opfer der Schlepper auf Kamelen, Pferden und Kutschen fahren mit genervten Gesichtern herum, Andenkenhändler und Kamelreiter lauern auf Beute. Besonders dreist finde ich die Kamelreiter, Ägypter auf Kamelen, die freundlich winken, in der Hoffnung von dem Touristen fotografiert zu werden. Dann wird für das Foto eine Gebühr gefordert. Um einen nervenden Ägypter auf einem stinkenden Kamel wieder loszuwerden, muss man dann in die Tasche greifen.
Man kann es umgehen, man fotografiert einfach eine der zahlreichen Sicherheitskräfte auf einem Streifenkamel. Man muss hinterher nur per Photoshop die Stange mit dem Blaulicht, die hinten auf dem Kamel montiert ist, wegretuschieren.

Wir sind einfach mal so losgelaufen, links um die Pyramide herum, auf der Suche nach den anderen Pyramiden. Neben der Cheopspyramide ist das Museum für die Sonnenbarke. Das ist eine der Grabbeigaben von Cheops. Im Prinzip ein großes Boot, mit dem der tote Pharao durch das Jenseits schippern sollte. Es ist restauriert und wurde an seinem Fundort ausgestellt. Nicht nur, dass es interessant ist, es gibt noch einen anderen Grund, die Sonnenbarke zu besuchen. Die Ausstellung ist klimatisiert und man kann etwas vor der Hitze verschnaufen.
Es ist also egal, was ausgestellt wird, Hauptsache es ist klimatisiert. Ein paar alte Sandalen vom Pharao würden es auch tun.
Dann geht es weiter zur nächsten Pyramide...

Taxi nach Pyramidien

Heute gibt es mal ein Suchbild, welches Weltwunder ist auf dem Bild rechts versteckt?

Der Samstag ist der einzige Tag, an dem Petra und ich gemeinsam frei haben. An ihrem freien Freitag muss ich morgens noch arbeiten. Habe ich Sonntags frei, muss sie in die Visafabrik. Also können wir nur Samstags ausschlafen...

Samstag, 7.00 Uhr Kairoer Ortszeit, der Wecker klingelt. Warum steht in diesem verd.....tem Reiseführer, dass man am Besten morgens früh zu den Pyramiden fährt?

Arbeiten die Taxifahrer überhaupt schon so früh?
Ein kleines Frühstück, Wasser eingepackt, Sonnenbrille, Sonnencreme, Pässe, Geld, Abmarsch!
Die Taxifahrer arbeiten schon, sogar sehr viele. Wir wenden unsere bewährte Taktik an, die ersten Huper werden weggewunken. Einer von Petras Kollegen von der Botschaft gab uns den Tipp, für die Fahrt zu den Pyramiden auf keinen Fall mehr als 70 Pfund zu bezahlen.
Der Taxifahrer, den wir erwischten, wollte 40. Also los, hoffentlich kommen wir an.
Wir kamen an, aber nicht auf dem direkten Weg. Wir fuhren durch die südliche Vorstadt, vorbei an der Uni und Wohngebieten die aussehen, wie braune Plattenbauten aus der DDR. Nichtsahnend drehte ich meinen Kopf nach links und sah plötzlich eine Pyramide über den Gebäuden hervorragen. Gleich müssten wir da sein, doch der gute Taxifahrer fuhr einen Umweg, und zwar über drei Schlepper. Plötzlich hielt der Wagen an, ein Ägypter beugte sich ins Auto und erklärte, dass wir an den Pyramiden zu Fuß furchtbar lange laufen müssten und das es doch viel spannender wäre, jetzt mit einem Pferd weiterzureiten.
Wenn ich reiten wollen würde, dann hätte sich Petra für die Abordnung in Reykjavik bewerben können.
Also weiter, die nächste Masche kam, diesmal an einem Checkpoint, jemand zeigt mir seinen ägyptischen Büchereiausweis mit vielen bunten, arabischen Schriftzeichen. Wieder die gleiche Leier.
Diesmal war ich etwas genervt, ob dieser Dreistigkeit, und habe ihm erklärt, dass wir nicht reiten wollen,Weder auf einem Pferd, noch einem Kamel oder einem Esel. Ich wollte ihm nicht sagen, dass ich bereit wäre, es mir eventuell anders zu überlegen, wenn er noch irgendwo ein gebrauchtes Mammut hätte. Man weiß ja nie, was in irgendwelchen Hinterhöfen noch so rumsteht.

Dann bog das Taxi ab, ein dicker, großer Ägypter in fußbodenfarbenen Kaftan mit Arafats Wischlappen auf dem Kopf stieg zu und versuchte uns von der Großartigkeit einer Kutschfahrt zu den Pyramiden zu überzeugen. Schließlich würden uns knappe zehn Kilometer Fußmarsch durch die Hitze erwarten.
Da habe ich ihn gesagt, den Satz, den ich bei Berlin-Touristen bei Anblick eines Velotaxis am meisten hasse: "Wir haben gesunde Füße".
Inzwischen amüsierte sich der Taxifahrer sichtlich über unsere Hartnäckigkeit. Also ging es weiter, wir wurden zum Eingang gebracht. Auch wirklich zum richtigen Eingang, dort haben wir schnell den Eintritt bezahlt, und rein.
Was dann drinnen passierte, das kommt später.

Samstag, 13. Juni 2009

Koshary - So viel Spaß für wenig Geld!

Tarek hat keinen großen Bruder, der Vater heißt deshalb "Abou Tarek". Würde Tarek Karl-Heinz heißen, sein Vater hieße "Abou Karl-Heinz". Damit ist das Prinzip der arabischen Beinamen erklärt, der Vater gibt sich als Beinamen immer "Abou" und den Namen des ältesten Sohnes.
Mädchen zählen hierbei nicht, "Abou Hannelore" klingt auch doof.
Es soll hier aber auch nicht um Tarek gehen, sondern um seinen Vater, den erwähnten "Abou Tarek". Er ist der König des Koshary, sein Restaurant in Downtown Cairo ist berühmt für seine Tomatensauce.
Mit diesem Informationen aus einen Reiseführer sind Petra und ich heute abend in ein neues kulinarisches Abenteuer gestolpert. Wir haben die Adresse auf dem Stadtplan herausgesucht, wir hatten ungefähr eine Vorstellung wo es ist, nämlich in einer Nebenstraße von der Talaat Harb Street. Das ist eine der Haupteinkaufsstraßen in dem französisch angehauchten Kairo.
Also haben wir uns in Zamalek ein Taxi gegriffen, kurz mit dem Fahrer gehandelt. Wobei das Handeln gar nicht so anstrengend war, wir hatten eine ungefähre Preisvorstellung, die wahrscheinlich für Kairoer immer noch zu hoch wäre, aber wir konnten damit leben. Für 10 ägyptische Pfund hat er uns in den Nachbarbezirk an unser Ziel gebracht. Von dort hatte ich mir den Weg laut Stadtplan gemerkt. Jetzt wurde es spannend, die Seitenstraße entpuppte sich als eine Strasse in der es nur Autozubehör, Ersatzteile und Werkstätten gab. Neonwerbung für Kugellager und Zündkerzen an den Geschäften, Reifenstapel auf den Gehwegen. Mechaniker schrauben auf der Straße an den Autos.
Hätten uns Pauschaltouristen verfolgt, sie wären jetzt abgedreht und zu McDonalds gegangen.
An der nächsten Ecke musste es sein "Abou Tarek - Koshary and Sweets". Und da war es auch. So mit Neon beleuchtet, dass es die Flugzeuge bestimmt zum Landeanflug auf den Kairoer Flughafen mitbenutzen. Das Restaurant nahm das ganze Haus ein, im Erdgeschoß gab es alles "to go", im ersten Stock gab es Sitzplätze. Im ersten Stock sollten wir aber nicht Platz nehmen, sondern in den zweiten Stock weiter. Dort gäbe es nämlich einen Kellner, der Englisch sprechen würde.
Wir realisierten nämlich gerade, das wir mal wieder die einzigen Europäer waren. Also in den zweiten Stock, und Platz genommen.
Die Einrichtung kann man am ehesten als "Arabic-Las-Vegas-Style" bezeichnen. Schwarz-Weißer Marmor an Boden und Decke, Graue Plastiktische und Stühle, ein riesiger Deckenleuchter mit Glaskugeln, Modell "Russisch-Neureich" darunter ein Springbrunnen ohne Wasser. Im ganzen Restaurant war es heller als auf einem Zahnarztstuhl.
Wir nahmen an einem 6er-Tisch Platz. Wasser aus Edelstahlkrügen gibt es gratis, nur die Softdrinks müssen bezahlt werden. Jede Frage nach alkoholischen Getränken ist ohnehin hinfällig.
Probleme mit der Speisekarte hatten wir keine, es gab nämlich keine. Es gibt dort nur ein Gericht: Koshary. Das macht die Auswahl einfach, wir haben einfach zwei Portionen "Koshary Special" bestellt. Nach einer Minute hatten wir unsere Getränke, eine weitere Minute später unser Essen. Koshary ist ein Tellergericht, bestehend aus: kurzen Makkaroni und Spaghetti sowie Linsen. Dazu kommt separat eine kleine Schale mit Kichererbsen und eine mit Röstzwiebeln. Und dann die Tomatensauce, für die "Abou Tarek" berühmt ist.
Auf den Tischen steht Essig und scharfe Sauce. Man mischt alles miteinander, hat kurz Bedenken, ob es denn schmeckt. Dann guckt man auf den Teller und fragt sich, ob man davon satt wird. Beide Fragen kann man kurz darauf bejahen.
Als Nachtisch gab es "Reis-Pudding". Eigentlich waren wir schon satt, wollten es aber probieren, also eine Portion mit zwei Löffeln. Auch lecker.
Um uns herum saßen ägyptische Großfamilien. Soo groß, dass sie mehrere 6er Tische belegten. Einen Tisch für Erwachsene, einen für die Jungs, einen für die Mädchen.
Die absolute Überraschung sollte aber noch kommen, nämlich die Rechnug. Der ganze Spaß hat 28 ägyptische Pfund gekostet, mit den Softdrinks. Das sind 3,64 €.
Zurück haben wir dann einen Spaziergang gemacht, zuerst durch das absolute Gewusel der Einkaufsstraße in Downtown. Dann in unser Lieblingsverkehrsmittel, eine Station mit der Metro. Dann einen Spaziergang entlang der Uferpromenade von Zamalek zurück nach Hause.

Mit der Taxifahrt und der U-Bahn zurück hat der Spaß knapp 6,50€ gekostet. Dafür gibt es bei den Raubrittern im Marriott nicht einmal ein Bier.

Bei den Pyramiden waren wir heute auch noch, aber das ist eine noch längere Geschichte. Die gibt es morgen.

Nachtrag zum Hausputz

Heute wurde der zweite Streifen der Bank gereinigt.
Wieder von drei Ägyptern in Warnwesten, wieder mit drei Eimern Wasser.

Der Schlund zur Hölle




Ich erwähnte ja bereits mehrmals unsere Wohnung, sie ist eine Dienstwohnung des AA.
Was praktisch bedeutet, dass sie immer wieder von Leuten genutzt wird, die sich nicht dauerhaft in Kairo aufhalten, aber doch zu lange, um sie in einem Hotel einzuquartieren.
Typischerweise sind das Anwärter für die Beamtenlaufbahn im gehobenen Dienst, also für das, was Petra macht. In der Visafabrik am Fließband stehen und bunte Aufkleber in Pässe kleben.
Die bleiben dann 6-9 Monate an der Botschaft, und kriegen dort den beruflichen Feinschliff.
Was sie dort allerdings nicht bekommen, ist eine allgemeine Unterweisung in Haushaltsführung. Das sieht man der Wohnung an einigen kleinen Stellen an.
Die Wohnung ist aber nicht für verhuschte Anwärter des öffentlichen Dienstes auf Beamtenlandverschickung konzipiert worden, sondern für eine ganz normale Kairoer Familie. Aus der Kairoer Oberschicht. Die Wohnung hat eine Klimaanlage in jedem Zimmer. Nur nicht in der Küche, wozu auch? Da hält sich das Personal auf, und Personal braucht keine Klimaanlage. Das Personal schwitzt nämlich nicht. Diesen Anforderungen werde ich natürlich nicht gerecht. Ich darf trotzdem bleiben.
Das Personal benutzt auch nicht die Wohnungstür, aber es benutzt den Aufzug.
In der unklimatiserten Küche gibt es eine weiße Tür, präzise gibt es zwei weiße Türen, eine für den Einbauschrank und "die" weiße Tür. Siehe Bild.
Diese Tür findet man in diversen Mythologien dieser Welt wieder, als Höllenpforte oder ähnliches. Nimmt man all seinen Mut zusammen, öffnet die zwei Riegel, dreht an dem Türknauf und zieht...
Dann klemmt die Tür.
Man muss schon sehr kräftig ziehen. Eigentlich ein Fall für einen Werkzeugägypter.
Wenn man die Tür aufgeschoben hat, dann kann man einen Blick auf den Höllenschlund werfen. Manche sagen auch Müllschlucker dazu.
Wenn er aber so aussieht, wie unserer, dann ist der Begriff Höllenschlund wohl passender. Dort wirft man seinen Müll rein. Man sollte aufpassen, dass das eingeworfene Objekt erstens nicht zu sperrig und zweitens nicht zu leicht ist.
Ich habe in den ersten Tagen den Anfängerfehler gemacht, und eine stabile Papiertüte mit etwas Papier eingeworfen. Prompt hat die Tüte sich verkeilt und den Absturz verweigert. Die Verstopfung wurde von mir selbst beseitigt. Durch den Einwurf einer vollen Flasche Aceto Balsamico eines Vormieters. Hätte das nicht geholfen, dann hätte ich die Porzellanbestände aus der DDR-Botschaft einsetzen müssen.
Aber das hätte bestimmt Ärger mit Petra gegeben.
Ich bin nicht der einzige, der Verstopfungen verursacht. Man merkt es immer, wenn die Einwurfgeräusche nicht lange genug erklingen.
Verstopfungen werden bestimmt professionell durch den Einwurf einer Bowlingkugel im obersten Stock beseitigt.
Alles was auf den Bildern wie Dreck aussieht, das ist auch welcher.
Wenn man rechts und links neben den Höllenschlund schaut, dann sieht man die Treppe und den Personalaufzug. Damit das Personal pünktlich erscheinen kann und nicht im schlimmsten Fall bis in den 11. Stock laufen muss.
Ich würden den Aufzug nicht benutzen, obwohl er sicher auch in unserem Stockwerk hält, und wir nicht eine Etage herunterlaufen müssten.
Wer mich kennt, der weiß um meine Höhenangst, und kann das dritte Bild entsprechend würdigen. Ich habe all meinen Mut zusammengenommen, und die Kamera ohne zu gucken über die Brüstung gehalten und abgedrückt.

Wer also einmal einen Beamten des Auswärtigen Amtes trifft, der den Müll nicht rausbringen kann, dann hat er seine Ausbildung bestimmt in Kairo gemacht.