Sonntag, 19. August 2012

Butter bei die Fische - Feuer in die Petunien!

Gestern durften wir mal wieder japanische Kultur erleben,

und zwar richtig typische Kultur. So richtig japanisch, wie durch Bakterien fermentierte Sojabohnen oder Comic-Leser in Nadelstreifen in der U-Bahn. Nur spannender.
Wir haben hier übrigens immer noch Sommer, also nicht nur kalendarisch, auch tatsächlich... Und nicht nur vorübergehend, sondern schon seit ein paar Wochen begleiten uns Temperaturen von 28 Grad nachts und 33 Grad am Tag. Obwohl wir schon davon ausgehen, dass der Sommer mal vorübergeht. Irgendwann. 

Ich erwähnte ja außerdem bereits, dass ich versuche, mir in einer Sprachschule Kenntnisse in der japanischen Sprache anzueignen. "Zwei Bier vom Fass und einmal gekochte Sojabohnen bitte!" geht schon ganz gut. Meistens bekomme ich dann aber zwei Portionen Sojabohnen vom Fass und ein großes kochendes Bier... Ich muss wohl noch etwas an meiner Aussprache arbeiten.

Diese Schule ist aber auf eine geradezu rührende Weise darum bemüht, ihren Kunden das Gefühl zu geben: Wenn das Schulgeld schon keine unmittelbaren Erfolge bringt, dann hat man wenigstens Spaß dabei.

Deshalb gab es gestern einen Schulausflug zum Hanabi in Tamagawa. "Hana" ist die Blume, "Bi" ist das Feuer, als Feuer-Blume. 
Das ist eine geradezu zurückhaltend formulierte Bezeichnung für ein rund einstündiges Feuerwerks-Spektakel, das traditionell im August an viele Orten in Japan stattfindet. Wer im August hier war und kein Feuerwerk gesehen hat, der hat mehr verpasst, als jemand, der nach Berlin fährt und sich nicht stundenlang vor dem Reichstag anstellt. 
Damit alle was davon haben, findet ein Hanabi an infrastrukturell gut angebundenen Orten in der Natur statt. Das ist wichtig, denn schließlich wollen mal eben bis zu 100.000 Zuschauer schnell und zuverlässig mit öffentlichen Verkehrsmitteln an und abreisen können. Das geht. Und den Berlinern sei gesagt: Das geht auch, ohne dass sich die Verantwortlichen der Verkehrsbetriebe zu einer Pressekonferenz zusammenfinden, um sich im Blitzlichtgewitter auf die Schultern zu schlagen, dass man toll ist, nur weil man seinen Job macht. 

Kurz und gut, gestern Abend gab es einen ganz klassischen Schulausflug: Man verabredet sich. Und alle bringen Bier mit. 
Wir hatten neben dem Bier auch noch Buletten mit... Es war also "typisch" Deutsch. Wir hatten einen wundervollen Platz: Mitten auf einer großen Wiese am Tama-Fluss. (Apropos Wiese: Ist es nicht großartig, dass Tim Wiese bei seinem ersten Pflichtspiel für Hoffenheim gleich vier Dinger bekommen hat?)
Auf der Wiese wurde von der schulischen Reiseleitung ruckzuck eine riesige Plane ausgebreitet, alle haben ihre Schuhe ausgezogen und es sich zum Picknick auf der Plane bequem gemacht. 
Um 19 Uhr ging es pünktlich los. Auch wenn japanische Feuerwerker echte Künstler sind, man fängt trotzdem pünktlich an. Man ist ja Feuerwerker und kein Jazzmusiker. 

Wenn ich nicht so ein lausiger Fotograf wäre, dann gäbe es hier noch bessere Fotos. 























Aber auch der beste Fotograf kann mit Fotos nicht das Gesamterlebnis "Japanisches Feuerwerk" erfassen. Denn das was jetzt blau, rot oder pink ist, hat im nächsten Augenblick eine andere Farbe. 

Und natürlich ist es auch viel besser ein Feuerwerk an einem Sommerabend zu genießen, als es eine Woche nach Weihnachten im Schneematsch stehend zu betrachten... Und sich dabei Böller in den Kragen werfen zu lassen. 

Nach einer Stunde ist man um circa 3.000 Eindrücke reicher, dann geht der große Abzug der Zuschauer los. Wir haben noch unser Bier ausgetrunken, dann noch eins aufgemacht. Wir waren ja auf einem Schulausflug... Danach ging es nach wieder nach Hause. Ohne Gedrängel, ohne Geschiebe, ohne penetrante Musikanten in der Bahn. 

Ich mach zum Abschluss mal ne Rechnung auf: 
Ein Besuch beim Hanabi hat gestern pro Person knapp 10 Euro Fahrtkosten und 6,60 fürs Bier gekostet. 
Ein Stehplatz für die "Pyronale" in Berlin kostet 21,85, für drei Bier ist man dort wahrscheinlich 15 Euro oder mehr los. Dafür darf man kostenlos mit der BVG oder der S-Bahn anreisen.
So relativiert sich der Flugpreis nach Tokyo schnell... 

Und es gibt noch mehr zu sehen... Und restlichen Sommer noch einige Liter Schweiß zu vergießen.
Ich halte Euch auf dem Laufenden. 


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