Mittwoch, 8. August 2012

Die Assimilation schreitet voran: Widerstand ist zwecklos!

Liebe Leser,

ich muss es zugeben: Wir werden assimiliert! Und wie heißt es bei den Borg so schön: Widerstand ist zwecklos.

Die beste Ehefrau und ich passen uns immer mehr der Umgebung an. Hauptsächlich passen wir uns den örtlichen Umweltbedingungen an. - Kurz: Wir japanisieren in der Hitze des Sommers.

Ich erwähnte ja bereits, dass der Sommer in Tokyo einer von diesen Sommern ist, die der selige Rudi Carell nicht meinte, als er "Wann wird's mal wieder richtig Sommer?" fragte. Hier ist nämlich richtig, richtig Sommer. Temperaturen von deutlich über 30 Grad, verbunden mit einer knackigen Luftfeuchte, die den Sonnenschein um so stechender werden lässt. Der einzige Grund, warum man sich bei diesem Wetter nicht auf einem Kamel fortbewegt, ist die Tatsache, dass ein Kamel schlecht in Wohnungen passt.
Das ganze ist aber kein Wetterphänomen, sondern ganz normal. Und für alles, das ganz normal ist, kann man Japan etwas kaufen.

Die beste Ehefrau, die ich je hatte, hat sich einen Sommer-Knirps gekauft. Also einen kleinen Nicht-Regenschirm für die Handtasche, der kein Sonnenlicht durchlässt. Sozusagen eine tragbare Schatten-Einheit. Davon wird es zwar nicht kühler, die Luftfeuchtigkeit nimmt auch nicht ab. Aber man fühlt sich besser.
Zugegeben, man sieht "etwas" albern damit aus. Das ist der besten Ehefrau, die ich je hatte, aber egal. Und mit ihr noch einem nicht unerheblichen Teil der weiblichen Bevölkerung.
Japanische Männer sind sich ihrer Abstammung von den Samurai bewusst. Deshalb gibt es leider keine Sommer-Knirpse mit Katana-Griff. Sondern ausschließlich das Modell "Mary Poppins".
Männer müssen sich mit kleinen Frottee-Tüchern zum Schweiß abtupfen begnügen. Ich besitze auch so ein Schweißtuch, ich folge also auch der Tradition der Samurai. - Deshalb ist mein Tuch auch gelb, und es ist "Pu der Bär" aufgestickt.  Ich hab aber auch noch eins mit Donald Duck drauf.
Dann folge ich noch den Traditionen von High-Tech und physikalischen Gesetzen. Deshalb besitze ich auch ein Microfaser-Tuch, dass man in Wasser taucht, und sich dann um den Kopf bindet. Durch die Verdunstungskälte wird der Kopf gekühlt. Leider sehe ich damit so albern aus, dass ich es nur in unserer Wohnung tragen kann. Und dann auch nur, wenn alle Kameras sicher im Schrank verschlossen und eine Spax-Schraube in die Optik aller Foto-Handys getrieben sind.
Ich würde mich mit diesem Feucht-Lappem auf der Stirn nur fotografieren lassen, wenn dieses Bild dann in meinen japanischen Führerschein kommt. Nur dort wäre es eine Verbesserung.

Aber es kühlt... Leider ruiniert es auch die Frisur, die ein japanischer Friseur für nur 1.000 Yen in Rekordzeit auf meinen Kopf gezaubert hat. Und das Allerbeste: Der Samurai-Figaro hat nach dem Schneiden die kleinen Haare, die mich nach einem Friseurbesuch immer sofort unter die Dusche gezwungen haben, mit einem Saugrüssel aus meinem Resthaar gesaugt. Was für eine Offenbarung!
Unter die Dusche musste ich trotzdem, aber das lag an der Hitze.

Dann habe ich mir am letzten Sonntag einen Wok gekauft. Und zwar nicht, um damit in Sapporo den Eiskanal herunterzufahren wie ein deutscher Promi-Depp. Sondern um darin zu kochen. Außerdem besitzen wir einen Topf mit Dampfgar-Aufsatz aus Holz. Damit wird teures Gemüse standesgemäß zubereitet. - Wenn man für drei Karotten schon 1,50€ bezahlt, dann sollen sie wenigsten komfortabel und standesgemäß zubereitet werden. - Das sieht dann wirklich sehr appetitlich aus... Nämlich so:















Über den Preis des Broccoli breite ich mal besser den Mantel des Vergessens.

Unsere Japanisierung hat aber auch ihre Grenzen, wir haben uns immer noch kein Auto gekauft. Das ist bedauerlich.
Und der Zuwachs an Japanisch-Kenntnissen bei mir kann leider nicht mit dem Zuwachs an japanischen Küchenartikeln mithalten. Das ist noch viel bedauerlicher.

Aber wahrscheinlich bin ich eh ein hoffnungsloser Fall. So hoffnungslos, dass man es mir in jeder Unterrichtsstunde sagt. Leider auf Japanisch... Und das verstehe ich nicht.
Egal, immer wenn ich zum Unterricht komme, dann bemüht man sich, mir etwas beizubringen. Wenn diese Bemühungen nach Weihnachten zu Ende sind, dann hat man nur so lange durchgehalten, weil ich  meinen Lehrern Weihnachtskekse versprochen habe.

Aber vielleicht geschieht ja noch ein Wunder.
Ich halte Euch auf dem Laufenden... Über Wunder, und über fast alles, was sonst noch passiert.

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