Dienstag, 4. Oktober 2011

Ist Kaugummi eigentlich brennbar?

Liebe Japaner!

Jetzt ist es eine Woche her, dass ich bei Euch angekommen bin, und ich muss es mal sagen: Euer Land gefällt mir. Es gibt eigentlich nichts, was irgendwie auch nur ansatzweise dreckig ist. Eure öffentlichen Verkehrsmittel sind perfekt wie ein Hefenweizen vom Fass. Ihr seid freundlich, selbst bei ignoranten Volldeppen wie mir, der praktisch kein Wort japanisch versteht, seid Ihr höflich und hilfsbereit. Wenn ich einen Eurer Mitbürger zufällig und unbeabsichtigt anremple, oder ihm im Weg stehe, dann entschuldigt man sich bei mir dafür, dass ich im Weg gestanden habe. Eure Küche ist lecker und abwechselungsreich und lässt keine Wünsche offen.

Aber eins geht leider gar nicht: Die Sache mit dem Müll.
Ich bin grundsätzlich für Mülltrennung, ich habe schon vor Jahren Glas und Altpapier getrennt gesammelt. Dann habe ich mein Altglas in mein Altpapier eingewickelt, um es lautlos in den Hausmüll werfen zu können. Aber es ist vielleicht etwas übertrieben, wenn man von einer leeren Colaflasche das Etikett abziehen soll, um das Etikett dann zusammen mit dem Schraubverschluß in den Eimer für Plastik-Recycling zu werfen, während die Flasche selber in den Eimer fürs PET-Recycling gehört.
Übrigens: Die gleiche leere Colaflasche darf ich vor der Haustür komplett mit Etikett in den Recycling-Behälter neben den Getränke-Automaten werfen. Wenn Ihr Recycling für so eine gute Idee haltet, und Rohstoffe wiedergewinnen wollt, dann macht es doch ganz perfekt: Nehmt die leeren Aluflaschen, füllt sie gar nicht erst mit "Suntory Green Espresso", sondern macht gleich Toyotas mit Hybridantreib draus. Das erspart uns allen eine Menge Frust und gequälte Geschmacksnerven.

Soviel zum Thema Recycling, jetzt zum eigentlichen Müll:
Japan ist eins der Länder mit der höchsten Quote von Menschen mit Hochschulabschluß weltweit. Klar: Man braucht ja auch ein Studium bis man verstanden hat, wie man hier den Müll trennt.
In jeder japanischen Küche stehen drei Behälter: Im ersten sammelt man das Zeug, dass in die verschiedenen Recycling-Eimer gehört. Dann gibt es noch zwei Eimer: Für brennbaren und nicht brennbaren Müll. Das klingt logisch, ist es aber nicht. Denn Bananenschalen und benutzte Kaffeefilter gehören zum brennbaren Müll, Sushi-Verpackungen zum nicht brennbaren. Es geht nicht darum, ob man es anzünden kann, sondern ob man es in japanischen Verbrennungsanlagen verheizen darf. Denn PVC-Folie gehört zum brennbaren Müll, weil man die Abgase durch die Filter in den Verbrennungsanlagen reinigen kann. Ich habe noch nirgendwo eine Info gefunden, was mit eigentlich mit PE-Folie und Verbundstoffen ist... Aber ich habe ja auch nicht mal ein japanisches Abitur.
Deshalb stand ich auch grübelnd mit einem alten Kaugummi im Mund vor der Müllsammelstation in unserer winzigen Küche und habe überlegt, ob es brennen kann oder nicht. Ich bin zu keinem Ergebnis gekommen, daraufhin habe ich den alten Kaugummi runtergeschluckt... Der Japaner in der Kläranlage wird schon wissen, in welchen Eimer es gehört.

Ich mag ja das deutsche Müllkonzept, es ist so schön einfach: Man trennt den Hausmüll vom Verpackungsmüll, was man dort nicht zuordnen kann und nicht bei eBay loswird, das vergräbt man im Wald.
Ich sehe es ja ein, Ihr habt in Japan nicht so viel Wald zum Vergraben, dafür ist der Pazifik doch schön tief... Und dafür, dass Ihr beim Müllversenken nicht versehentlich einen Wal treffen könntet, habt Ihr doch schon vor Jahren gesorgt.

Jetzt könnte man ja anmerken, dass es die anderen Ausländer auch schaffen, mit dem Thema Müllsortierung fertig zu werden. Sogar die Amis... Aber ich glaube, die lösen das Problem anders: Wenn Amerikaner nach Japan kommen, dann haben sie ihren ganzen Hausstand in einem Container, wenn sie abreisen in zwei. Der zweite Container ist mit dem Müll gefüllt, von dem die Wähler von Sarah Palin nicht wissen, ob er brennbar ist, oder nicht. Der Inhalt dieses zweiten Containers wird dann nach ihrer Rückkehr irgendwo in den USA vergraben... Gleich neben der Leiche von Jimmy Hoffa.

P.S. In Japan trennt man das Altpapier übrigens nach drei Kriterien: Pappe, farbig bedrucktes Papier und Comics...

Ich hab noch nicht rausbekommen, was man in Japan mit Altkleidern macht... Aber ich halte Euch auf dem Laufenden.

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