Donnerstag, 13. Oktober 2011

Wer lesen kann, ist klar im Nachteil...

... dem entgeht nämlich das Spannungsmoment beim Einkaufen.
Es ist nämlich wirklich schwer, zu erkennen was in einer Packung drin ist. Man kann viele Sachen an Formen oder Bildern erkennen, aber halt nicht alles.
Manchmal hilft auch die Umgebung: Wenn etwas Braunes neben der Marmelade steht, dann wird es wahrscheinlich ein japanisches Nutella-Derivat sein und keine dunkle Schuhcreme. Obwohl man auch da manchmal nicht vor Überraschungen sicher sein kann.
Aber auch wenn etwas im Supermarkt mit lateinischer Schrift beschriftet ist, verschafft einem dies auch nicht unbedingt einen zwingenden Informationsvorteil. Der Konsumgüter herstellende Japaner neigt offensichtlich dazu, seine Produkte mit englischen Wörtern aufzupeppen. Neben mir liegt ein Paket mit "Mintia"-Pfefferminzbonbons in der Geschmacksrichtung "Dry Hard". Ich hab jetzt die halbe Packung intus... Und leide weder und Mundtrockenheit oder trockenem, spröden Haar.
Es geht aber noch besser: Es geht auch auf berlinerisch, genauer gesagt unter Verwendung einer von mir nicht übermäßig geliebten Vokabel  aus der Hauptstadt der DDR.
Aber seht selbst:













Ich habe die Würstchen natürlich gekauft, wir haben sie gegessen... Ganz ehrlich: Sie haben ganz "schau" geschmeckt. Um im DDR-Sprech weiterzumachen: Der Geschmack war in Ordnung, aber nicht "urst gut". Das ist hier nur das Sushi.
Es gibt natürlich noch andere Worte, die sich die Japaner aus der deutschen Sprache geliehen haben, zum Beispiel "Aromatherapie". Manche deutschen Worte sind aber auch etwas verfremdet worden, zum Beispiel steht bei uns Spülmittel mit dem Namen "Enjoy Awa's". Auch wenn das Apostroph in diesem Fall noch kreativer verwendet wurde, als im Großraum Görlitz, lässt sich die Herkunft des Wortes noch klar erkennen.

Aber gut, ich will hier nicht mit einer kulturellen Überlegenheit prahlen, die definitiv nicht da ist. Ich denke da an die hohe Dunkelziffer von tätowierten japanischen Kanjis auf den Hüften von niederrheinischen Solariums-Fachangestellten, die Ausdrücke wie "Kraft", "Liebe" oder "Vertrauen" symbolisieren sollen. In Wirklichkeit stehen sie aber für "Bitte die maximale Durchfahrtshöhe beachten!"

Für einen längeren Aufenthalt ist es also ratsam, wenigstens zu versuchen, ein paar japanische Schriftzeichen zu lernen. Damit man irgendwann nicht versehentlich das Grillfleisch in dunkler Haartönung mariniert und sich hinterher über den Geschmack wundern muss. Wobei auch der Gedanke von Sojasauce im Haaransatz nicht wirklich verlockend ist.

Über meine Fortschritte mit Schrift und Sprache halte ich Euch auf dem Laufenden.

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