Mittwoch, 17. Juni 2009

Der Kriminalfall in unserer Straße


Über unser Nachbarhaus kann man einen Krimi schreiben. Genauer ist die Geschichte, die sich dort abgespielt hat, krimireif. Dabei sieht das Haus eigentlich ganz harmlos aus, es hat den Charme den viele alte Villen auf Zamalek haben. Dabei ist es auch noch in einem ziemlich guten Zustand.
Es geht um die Entführung einer Frau nach Berlin, die Frau wird immer noch in der Stadt festgehalten.

Angefangen hat das Ganze 1912, die Entführer, angeführt von einem Deutschen, fanden die junge und sehr schöne Frau in einem Dorf in Ägypten. Um sie an den ägyptischen Behörden vorbei aus dem Land zu schmuggeln, schmierte man sie mit Dreck und Schlamm ein. Sie wurde nach Berlin gebracht, dort bei dem reichen Finanzier der Entführung in seiner Villa versteckt. Die Villa stand in Tiergarten, dort, wo heute die Landesvertretung von Baden-Württemberg ist.
Irgendwann verlor der Finanzier das Interesse an ihr, er übergab sie der staatlichen Obhut.
Während des zweiten Weltkriegs musste sie sich zuerst in einer Bank, dann im Zoobunker und zuletzt in einem Bergwerk in Thüringen verstecken.
Nach dem Krieg wurde sie von der US-Armee betreut und in Wiesbaden ausgestellt. Doch es zog sie wieder nach Berlin zurück.
In Berlin ist sie häufig umgezogen, im Moment baut man gerade an ihrer endgültigen Unterkunft. Sie ist ja auch nicht mehr die Jüngste. Aber sie hat sich nie beschwert.
Es gibt Nachkommen ihrer Angehörigen, die wollen, dass sie nach Ägypten zurückkehrt.

Ich könnte jetzt ein Quiz draus machen, und nach dem Namen der Dame fragen. Damit würde ich aber die Intelligenz der Leser beleidigen. Denn es wissen doch schon alle, dass die Dame Nofretete heißt.

Unsere Nachbarvilla ist das "Schweizerische Institut für Ägyptische Bauforschung und in Altertumskude in Kairo". Vor dem zweiten Weltkrieg war das der Sitz des "Deutschen Archäologischen Instituts in Kairo", das Gebäude war im Privatbesitz von Ludwig Borchardt, dem Entdecker der Büste der Nofretete. Von hier aus wurde die Grabung geplant.
Warum das Gebäude jetzt ein Schweizer Institut beherbergt ist auch sehr spannend. Borchardt war Jude, um zu Nazizeiten sicher nach Europa zurückkehren zu können, fädelte er einen Deal mit den Schweizern ein, die Villa gegen die Schweizer Staatbürgerschaft.

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